Ostschweiz

Wie Ostschweizer KMU auf globale Umbrüche reagieren

Wie Ostschweizer KMU auf globale Umbrüche reagieren
Esther Omlin
Lesezeit: 3 Minuten

Krisen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit fordern Ostschweizer KMU stark. Am 17. Unternehmensspiegel Ostschweiz vom 25. Februar diskutierten Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft an der OST in St.Gallen, wie Unternehmen mit diesen Umbrüchen umgehen und warum Resilienz zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird.

Text: pd/stz.

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US-Zölle, Energieengpässe, Pandemie: In den letzten Jahren folgte eine Krise auf die nächste. Die Welt wurde unsicherer und unberechenbarer. Was lange stabil schien, geriet ins Wanken. Genau hier setzte der 17. Unternehmensspiegel Ostschweiz am Mittwochabend an:

«Beziehungen, Werte und Machtstrukturen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, wurden über den Haufen geworfen», sagte Andreas Löhrer, Professor am IFL Institut für Finance und Law an der OST – Ostschweizer Fachhochschule und Moderator des Anlasses, vor rund hundertvierzig Gewerblern. Unternehmen müssten heute schneller reagieren und gleichzeitig strategischer denken.

Globale Risiken spüren auch regionale Betriebe

Dr. Esther Omlin, Dozentin am IFL Institut für Finance und Law und ausgewiesene Sicherheits- und Strafrechtsexpertin, zeigte: Globale Politik beeinflusst direkt den Alltag von KMU. Die Rivalität zwischen den USA und China, der Krieg in der Ukraine, Sanktionen und neue Handelsbarrieren verändern die Spielregeln. Nationale Interessen rücken stärker in den Vordergrund. Wirtschaftliche Effizienz allein genügt nicht mehr.

«Besonders kritisch sind Lieferketten und Rohstoffe», sagte Omlin und zeigte eine aktuelle Satellitenaufnahme von Handelsschiffen auf den Weltmeeren, die sich um wenige Engpässe stauten, beispielsweise auf der «Strasse von Hormus», der Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean im Osten verbindet. «Wichtige Materialien wie Kupfer, Nickel, Kobalt, Lithium oder Seltene Erden kommen oft aus wenigen Ländern. Die Verarbeitung liegt vielfach in China. Entstehen dort Spannungen oder Exportbeschränkungen, trifft das auch Schweizer Betriebe», zeigte die Expertin am Beispiel des Skiunternehmens Stöckli.

Omlin rief deshalb zu mehr Resilienz auf: Lieferketten diversifizieren, Abhängigkeiten reduzieren, Lager strategisch planen, Verträge absichern, Innovation fördern und Entwicklungen laufend beobachten. Resilienz beginnt bei der Unternehmensführung.

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Die Schweiz setzt auf Offenheit und Diversifizierung

Martin Saladin, Leiter der Direktion Standortförderung beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), ordnete die Lage aus staatlicher Sicht ein: «Die Schweiz ist stark exportorientiert und eng mit der EU, den USA und China verbunden. Diese Offenheit sichert Wohlstand, macht aber auch verletzlich», so Saladin, der in St.Gallen Internationale Beziehungen studierte.

Die Schweiz reagiere mit einer klaren Strategie: Marktzugang sichern, Freihandelsabkommen ausbauen und Handelspartner diversifizieren. Gleichzeitig stärkt sie den Standort im Inland. Programme wie die Exportförderung, die Neue Regionalpolitik oder EasyGov unterstützen KMU konkret.

Saladin machte deutlich: Resilienz ist nicht nur Aufgabe der Unternehmen, sondern auch der Wirtschaftspolitik, um einer «Weltpolitik im Umbruch» entgegenzuwirken.

Unternehmensführung entscheidet

Im Anschluss an die Referate von Omlin und Saladin diskutierte OST-Professor Andreas Löhrer mit Simon Büchel, Leiter Verkauf und Marketing der ergoSwiss AG, Roman Federer, CEO der Federer Informatik AG, und Christoph Hammer, unabhängiger Berater und Mitglied mehrerer Verwaltungsräte (FC St.Gallen, VRP Raiffeisen St.Gallen), über die Auswirkungen globaler Ereignisse auf Ostschweizer KMU.

Das Fazit: Gerade in Krisenzeiten rückt die Unternehmensführung ins Zentrum. Mitarbeiter erwarten Orientierung. Unternehmen müssen transparent kommunizieren, rasch entscheiden und bereit sein, Strategien anzupassen. «Krisen bergen Risiken, aber auch Chancen. Wer flexibel bleibt und Innovationen nutzt, kann gestärkt daraus hervorgehen», sagte Löhrer.

Mit abschliessenden Worten verabschiedete Martin Hersche, Leiter Firmenkundenberatung der Raiffeisenbank St.Gallen und Hauptsponsor des Unternehmensspiegels, die Gäste in den Apéro riche.

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