St.Gallen

FCSG-Machtkampf: Hüppi bleibt - vier Grossaktionäre ziehen sich zurück

FCSG-Machtkampf: Hüppi bleibt - vier Grossaktionäre ziehen sich zurück
Matthias Hüppi (*1958) steht seit 2018 an der Spitze des FC St.Gallen 1879
Lesezeit: 4 Minuten
Der Machtkampf beim FC St.Gallen ist entschieden: Präsident Matthias Hüppi bleibt im Amt. Auch die Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth gehen gemeinsam mit ihm in die Zukunft. Gleichzeitig ziehen sich die Grossaktionäre Patrick Thoma, Roland Gutjahr, Ernst Eisenhut und Martin Jäger zurück. An der Medienkonferenz rief Hüppi zur Mässigung auf und machte deutlich: «Ein Wir, das bleibt» sei weiterhin massgebend für diesen Club.

Text: stz.

Beim FC St.Gallen kehrt nach turbulenten Tagen zumindest vorerst Ruhe ein. An der Medienkonferenz vom Mittwoch informierte der Club über den aktuellen Stand im Führungsstreit zwischen Teilen des Aktionariats und dem Verwaltungsrat. Die wichtigste Nachricht: Präsident Matthias Hüppi bleibt im Amt.

Damit hat sich Hüppi im Machtkampf durchgesetzt.

Auch die vier Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth, deren Abgang nach Medienberichten im Raum stand, bleiben dem Club erhalten. Hüppi sagte zur Zukunft des Verwaltungsrates, dass Germann, Gründler, Hammer, Würth und er gemeinsam in die Zukunft gehen würden.

Gleichzeitig verändert sich das Aktionariat grundlegend. Aktionär Reto Preisig von der Schützengarten AG erklärte an der Medienkonferenz, Patrick Thoma, Roland Gutjahr, Ernst Eisenhut und Martin Jäger würden ihre Aktien zurückgeben.

Damit bleiben nur noch sechs statt bisher zehn Aktionäre: Remo und Philipp Bienz, Patric und Jérôme Müller, Rolf Schubiger sowie die Brauerei Schützengarten. Die verbleibenden Aktionäre wollen mit dem Verwaltungsrat weiter zusammenarbeiten.

Der Streit war ausgerechnet in der Stunde des grössten sportlichen Erfolgs eskaliert.

Nur kurz nach dem Cupsieg des FC St.Gallen gegen Stade Lausanne-Ouchy wurden Pläne bekannt, wonach vier Verwaltungsräte ersetzt werden sollten. Als mögliche neue Verwaltungsräte wurden unter anderem der frühere St.Galler Regierungsrat Stefan Kölliker, Ex-Torhüter Marwin Hitz, Treuhänder Urs Baumer und Rechtsanwältin Martina Wüthrich genannt. Auch die Zukunft von Matthias Hüppi war plötzlich offen.

Für viele Fans war der Zeitpunkt kaum nachvollziehbar. Statt den ersten Cupsieg seit 1969 und den ersten nationalen Titel seit der Meistersaison 1999/2000 ungestört feiern zu können, rückten Machtfragen, Aktionärsinteressen und die Zukunft des Verwaltungsrates ins Zentrum.

In Fanforen und sozialen Medien formierte sich rasch breite Unterstützung für Hüppi und den bisherigen Verwaltungsrat. Auch die Frage, welchen Einfluss Grossaktionäre auf die Führung des Clubs haben sollen, wurde intensiv diskutiert.

Mattes Films  Berhalter  
FCSG-Mediensprecher Remo Blumenthal, Aktionärsvertreter Philipp Bienz/Fortimo und Reto Preisig/Schützengarten mit FCSG-Präsident Matthias Hüppi an der Medienkonferenz vom 27. Mai 2026
FCSG-Mediensprecher Remo Blumenthal, Aktionärsvertreter Philipp Bienz/Fortimo und Reto Preisig/Schützengarten mit FCSG-Präsident Matthias Hüppi an der Medienkonferenz vom 27. Mai 2026

An der Medienkonferenz stellte Hüppi nicht den eigenen Sieg in den Vordergrund

Es gehe nicht um einen persönlichen Sieg oder eine persönliche Niederlage, sagte er sinngemäss. Der Club gebe einfach immer sein Bestes. Zugleich bedankte er sich beim ganzen Team.

Seine Aussage nach dem Cupfinal gegenüber SRF sei nicht geplant gewesen, sondern ihm herausgerutscht. Er wisse, wie sich die Fallhöhe verändern könne.

Hüppi zeigte sich kämpferisch, aber auch versöhnlich. Wer sich exponiere, müsse mit Kritik leben, sagte er. Er sei kein Schönwetter-Präsident. Gleichzeitig richtete er einen eindringlichen Appell an das Umfeld des Clubs. Hetzjagden und Hass müssten sofort aufhören, sagte Hüppi mit Blick auf die Reaktionen gegen die bisherigen Kritiker im Aktionariat.

Persönliche Attacken, ob real oder online, gingen nicht. Der FC St.Gallen müsse ein Club bleiben, der zusammenhalte. «Ein Wir, das bleibt», sei weiterhin massgebend.

Hüppi machte zudem deutlich, wie wichtig es gewesen sei, die Mannschaft vor dem Cupfinal von der Thematik fernzuhalten. Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn die Führungsfrage vor dem Final auf das Team eingewirkt hätte. Die sportliche Konzentration habe geschützt werden müssen.

Mit Blick auf die Zukunft sprach Hüppi auch die Nachfolgeplanung an.

Diese müsse nun ernsthaft an die Hand genommen werden. Der Club müsse nach der aktuellen Führungscrew in gute Hände kommen. Er wolle dabei mitreden, aber nicht mitentscheiden. Zugleich betonte er, dass es über Jahre eine gute Zusammenarbeit im Aktionariat gegeben habe. Alle Aktionäre seien wichtig und hätten Anteil am gemeinsamen Weg des FC St.Gallen.

Mit dem nun kommunizierten Entscheid bleibt die bisherige Führungsspitze bestehen. Für den FC St.Gallen bedeutet das eine wichtige Weichenstellung. Der Club steht nach dem Cupsieg sportlich vor einer besonderen Phase: Die Mannschaft hat sich für Europa qualifiziert, die Euphorie in der Ostschweiz ist gross, und die Erwartungen an die kommende Saison sind entsprechend gestiegen.

Gleichzeitig hat der interne Machtkampf gezeigt, wie empfindlich das Gleichgewicht zwischen Clubführung, Aktionariat, Fans und regionaler Verankerung ist.

Matthias Hüppi steht seit 2018 an der Spitze des FC St.Gallen und gilt für viele Anhänger als Gesicht der jüngeren Erfolgsgeschichte.

Unter seiner Präsidentschaft stabilisierte sich der Club sportlich und wirtschaftlich, baute seine regionale Verankerung weiter aus und feierte nun mit dem Cupsieg einen historischen Erfolg. Dass Hüppi nach den jüngsten Turbulenzen im Amt bleibt, dürfte von vielen Fans als Signal der Kontinuität aufgenommen werden.

Offen bleibt, wie der Club die Ereignisse der vergangenen Tage aufarbeitet und wie das Verhältnis zwischen Verwaltungsrat, Aktionariat und Publikumsaktionären künftig ausgestaltet wird.

Klar ist aber: Der FC St.Gallen hat inmitten der Euphorie um den Cupsieg eine Zerreissprobe erlebt und sie vorerst zugunsten der bisherigen Führung entschieden. Zugleich wird das Aktionariat neu geordnet. Der verbleibende Aktionärskreis will mit dem Verwaltungsrat weiterarbeiten und damit ein Signal für Stabilität setzen.

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