Ostschweiz

90 Jahre SVIT Ostschweiz: Das Wichtigste der Jubiläums-Generalversammlung

90 Jahre SVIT Ostschweiz: Das Wichtigste der Jubiläums-Generalversammlung
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Ein klares Ja zur Aussetzung der Zusammenarbeit mit der SMG, ein nach über 13 Jahren scheidendes Vorstandsmitglied und eine wiederbelebte «Immo Vision»: Die Jubiläums-GV des SVIT Ostschweiz hatte es in sich.

Text: Markus Fässler (Bilder: Thomas Knellwolf)

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Bisher sei es einvernehmlich zu und her gegangen. Jetzt sei er aber auf die anstehende Abstimmung gespannt, sagte Thomas Mesmer, Präsident des SVIT Ostschweiz. Die 43 Stimmberechtigten an der 90. Generalversammlung vom 3. Mai 2024 im Würth Haus in Rorschach waren so eben bei Traktandum 12 angekommen: «Antrag Aussetzung Zusammenarbeit mit der Swiss Marketplace AG (SMG)».

Dieser sieht unter anderem vor, in Zukunft sämtliche Werbe-/Sponsoring- und sonstige Leistungsvereinbarungen zwischen den Organisationen, Gesellschaften und Organen des Dachverbandes SVIT Schweiz und der SMG sowie deren Organisationen umgehend zu kündigen. Die Vorstände des SVIT Ostschweiz und des SVIT Zentralschweiz befürworten den Antrag, der SVIT Zürich lehnte ihn kürzlich ab. Und wie sahen es die Mitglieder des SVIT Ostschweiz? Der Blick in die Runde und die vielen in die Höhe gestreckten Stimmkarten zeichneten ein deutliches Bild: 41 Ja-Stimmen, 2 Enthaltungen.

Weiterhin steigende Preise

Die zwei Enthaltungen bildeten über den Verlauf der Jubiläums-GV die Ausnahme. Alle anderen Geschäfte wurden einstimmig durchgewinkt. Was nicht heisst, dass sie nicht erwähnenswerten Inhaltes gewesen wären – so zum Beispiel Traktandum 5 «Jahresbericht des Präsidenten».

Thomas Mesmer, der zahlreiche Gäste wie SVIT Schweiz Präsident Andreas Ingold, Benno Zoller, Ehrenpräsident SVIT Ostschweiz, Karl Güntzel vom St.Galler Hauseigentümerverband sowie Edgar Bischof, Präsident HEV Appenzell Ausserrhoden, begrüssen konnte, kam dabei unter anderem auf die Zinswende 2022 zu sprechen. Damals lautete die Prognose, dass der Immobilienboom vorbei sei. Bis auf einen leichten Rückgang im Jahr 2017 stiegen die Immobilienpreise seit 22 Jahren stetig an – 2024 sei ein Ende dieser Entwicklung in Sicht.

«Wir haben an der GV 2023 bereits gesagt, dass wir nicht an einen Einbruch glauben – und wir haben recht behalten», so Mesmer. Denn die neusten Zahlen von Wüst Partner zeigen für 2024 Mehrkosten für Mietwohnungen von +3,8%, für Eigentumswohnungen von +1,2% und für Einfamilienhäuser von +0,3%.

  

Schwächelnde Fachkräfte, starke Lernende

Mahnende Worte gab es derweil von Claudia Strässle, die als Vorstandsmitglied das Ressort Erwachsenenbildung betreut. Sie machte die Anwesenden darauf aufmerksam, die Mitarbeiter im Betrieb unbedingt in den Praxisalltag einzubeziehen und ihnen Einblicke in die verschiedenen Bereiche zu gewähren.

Strässle zeigte anhand von aktuellen Zahlen aller Absolventen des «FA Immobilienbewirtschafter/in» 2023/24, dass diesbezüglich noch Luft nach oben ist. Denn die Erfolgsquote sank gesamtschweizerisch von 76,5% auf 60,2%. «Eher tragisch ist dabei eine 4,0 als Durchschnittsnote im Fach Bewirtschaftung. Gut ausgebildete Mitarbeiter erreichen wir nur, wenn Weiterbildungen nicht nur finanziert, sondern auch im Betrieb begleitet werden.»

Erfreulicheres hatte hingegen Vorstandsmitglied Urs Kramer aus seinem Ressort Grundausbildung zu berichten. Er präsentierte der Versammlung die vier besten Lehrabschlüsse. Es waren dies Jana Trösch (Cristuzzi Immobilien, Note 5,5) Vanessa Täubert (St.Galler PK, Note 5,25), Vanessa Baumgartner (Verit Immobilien, Note 5,0) und Cassandra Skwar (Kramer Immobilien, Note 5,0). «Solche grossartigen Resultate sind ein gutes Zeichen. Der Berufsnachwuchs ist da und parat.» Weiter ermutigte er die Mitglieder, Lernende auszubilden. «Sie sind unsere Zukunft. Junge Menschen auszubilden, ist eine tolle Sache. Auch wenn es manchmal Nerven kostet, es zahlt sich mehr als aus.»

Cornel Eisenring folgt auf Urs Kramer im Vorstand

Apropos Urs Kramer: Dieser gab nach über 13 Jahren im Vorstand des SVIT Ostschweiz seinen Rücktritt bekannt. «Die Lehrlingsausbildung war sein Herzblut und er ist stark mitverantwortlich für die Top-Lehrlingsausbildung des SVIT Ostschweiz», sagte Präsident Thomas Mesmer. Neben der Grundausbildung betreute Kramer auch das Ressort Finanzen. «Ein riesiger Dank für deinen Einsatz, lieber Urs. Wir werden dich im Vorstand sehr vermissen», so Mesmer.

Die Finanzen sind neu bei der ATIG AG Treuhand in Gossau angesiedelt. Neu in den Vorstand wurde einstimmig Cornel Eisenring gewählt. Der Inhaber und Geschäftsführer der Tobler Immobilien Treuhand AG in Frauenfeld ist Immobilienentwickler mit eidg. Fachausweis, verheiratet und Vater zweier Kinder.

Ebenfalls verabschiedet wurde Franco Salina – oder «Mister SVIT School Ostschweiz», wie ihn Mesmer nannte – von der Akademie. «Dein Engagement und dein Herzblut, die du in die Weiterbildung gesteckt hast, waren immer bewundernswert», so Mesmer.

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«Immo Vision» gibt Comeback

Zum Abschluss war es Zeit für einen Ausblick in die Zukunft und die kommenden Veranstaltungen 2024 und 2025. Vorstandsmitglied Matthias Hutter konnte dabei verkünden, dass nach 2019 erstmals wieder eine Immo Vision durchgeführt werden wird. Sie findet am 21. August 2024 im Würth Haus in Rorschach statt.

Auf dem Programm stehen unter anderem ein Referat von Thomas Stucki von der St.Galler Kantonalbank mit Titel «Ist der Immobilienboom in der Schweiz vorbei?» und von Marco Salvi von Avenir Suisse zum Thema «Zinsen, Zuwanderung und Zersiedelung: Wie zukunftsfähig ist der Schweizer Immobilienmarkt?» Ebenfalls bereits bekannt ist mit dem 5. Mai 2025 das Datum der 91. Generalversammlung. Die Location wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Übrigens: Der SVIT Ostschweiz finanzierte die diesjährige Jubiläums-GV aus der eigenen Tasche und verzichtete dabei bewusst auf Sponsoren. Gemäss Bilanz verfügt der Verband per 31.12.2023 über knapp 528'000 Franken an Flüssigen Mitteln. Präsident Thomas Mesmer warnte mit einem Augenzwinkern: «Nächstes Jahr wird keine fünf mehr als erste Zahl stehen.»

Tosende Jubiläumsfeier

Nach der Generalversammlung hiess es für die Anwesenden, den SVIT Ostschweiz gebührend zu feiern. Ein generationenübergreifendes Gespräch, Akrobatikeinlagen und Trommler der besonderen Art sorgten für einen grandiosen Abend.

Als der erste Showact des grossen Festabends loslegte, dürfte manch einer anwesenden Person nur schon vom Zuschauen der eine oder andere Knochen geschmerzt haben. Zu sphärischen Klängen und gedimmtem Licht führten zwei Artistinnen von «cm-art» eine Akrobatikshow der Extraklasse vor und zeigten, was Körperbeherrschung in Perfektion bedeutet. Begleitet wurde die Aufführung von jeder Menge Applaus und staunenden Gesichtern.

  

Der SVIT Ostschweiz früher, heute und morgen

Anlässlich des 90. Geburtstags hat der Vorstand des SVIT Ostschweiz für die Jubiläumsfeier ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Dazu gehörte auch ein generationenübergreifendes Gespräch zwischen Benno Zoller, Ehrenpräsident SVIT Ostschweiz, Thomas Mesmer, amtierender Präsident SVIT Ostschweiz, und Livia Koller, Präsidentin SVIT Young Ostschweiz. Moderiert wurde der Austausch von Oliver Haindl.

Mit Benno Zoller, der 1976 die Ausbildung zum Immobilien Treuhänder absolvierte, bekamen die Gäste einen Einblick in die früheren Jahre des SVIT Ostschweiz, der damals noch OSVIT hiess. Der Ehrenpräsident erinnerte sich an das Aufnahmeverfahren von damals. «Ich wurde an der GV vorgeladen und kam in einen Raum voller Männer. Dort musste ich mich vorstellen und wurde daraufhin für fünf Minuten vor die Tür geschickt. Drinnen verhandelte man über meine Aufnahme. Danach wurde ich sehr freundschaftlich aufgenommen», so Zoller.

Auch heute noch ist eine Aufnahme in den Verband nicht ohne Weiteres möglich. «Der Vorstand ist zugleich Torwächter. Es ist unsere Verpflichtung, sicherzustellen, dass wir nur seriöse Betriebe aufnehmen», erklärte Thomas Mesmer. Ist das Unternehmen niemandem aus dem Vorstand bekannt, wird es zum Kennenlernen eingeladen. So kam es auch schon vor, dass die Aufnahme zumindest in naher Zukunft verweigert wurde.

Weniger hohe Hürden gibt es für alle, die sich dem SVIT Young Ostschweiz anschliessen wollen. «Bei uns sind alle willkommen, sofern sie nicht älter als 35 Jahre sind», sagte Livia Koller.

Stolz auf SVIT Young Ostschweiz

Auch der SVIT Young Ostschweiz war ein Thema in der Runde. Auf Initiative von Thomas Mesmer und Claudia Strässle wollte man 2018 nach Vorbild des SVIT Young Zürich ein ähnliches Angebot schaffen. «An unserem ersten Event kamen 70 Personen. Wir merkten, die Veranstaltungen stossen auf Anklang und die Jungen wollen sich untereinander austauschen», sagte Koller. Nach der überstandenen Corona-Pandemie startete man richtig durch.

«Zu Beginn haben wir etwas unter die Flügel gegriffen. Aber wenn der Vorstand sieht, was der SVIT Young Ostschweiz heute alles leistet, sind wir nur noch stolz. Da müssen wir auch nicht mehr hineinreden», so Mesmer. Erfreulich sei auch, dass an den Anlässen des SVIT Ostschweiz der Anteil junger Teilnehmer und Frauen deutlich gestiegen sei. «Das ist ganz klar dem Einfluss des SVIT Young Ostschweiz zu verdanken.»

Am Ende des Gesprächs durften sich die drei Protagonisten etwas für den SVIT Ostschweiz wünschen. Benno Zoller hofft, dass es immer Leute geben werde, die im Verband mitarbeiten. «Wenn vorn keine Lokomotive ist, passiert hinten nicht viel.» Livia Koller wünscht sich attraktive Arbeitsplätze und -modelle, welche den Nachwuchs dazu motivieren, in der Branche zu arbeiten. «Geht es der Branche gut, geht es auch unseren beiden Verbänden gut.».

Und Thomas Mesmer wünscht sich, dass weiterhin so viele Leute an die Events kommen und der SVIT Ostschweiz einen festen Platz im sonst schon prall gefüllten Kalender hat.

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Packende Töne auf der Regentonne

Vor dem Dessert ging es dann im Würth Haus nochmals hoch zu und her. Denn die Mitglieder von «Drums2Streets» betraten die Bühne. Inspiriert von den Streetdrummern in Chicago und New York City trommeln sie hauptsächlich auf Plastikeimern, Regentonnen, Bauschutt und dem auf den Strassen auffindbarem Abfall. Dass diese Materialien als Instrumente, die übrigens alle selbst gebaut sind, gebraucht werden können, bewiesen die Musiker eindrücklich. Eine Welle aus Rhythmen und Tönen schwappte durch den Festsaal und sorgte im Publikum für ausgelassene Stimmung

Für gute Laune sorgte auch das fantastische Essen. Die Gäste wurden mit Filet und Ragout vom Rind mit Frühlingsgemüse und Kartoffelgratin oder der vegetarischen Variante Rande in der Salzkruste auf gebratenem Gemüse und sämiger Gerste verwöhnt.

Und anders als noch zu den Zeiten, in denen Benno Zoller durch die GV führte, fehlte der Hinweis «Trockenes Gedeck» auf der Einladung. So hatten alle Anwesenden die Gelegenheit, mit einem feinen Tropfen auf 90 Jahre SVIT Ostschweiz anzustossen.