St.Gallen

Zwischen Trump, China und Nahost: Ostschweizer Industrie im geopolitischen Stresstest

Zwischen Trump, China und Nahost: Ostschweizer Industrie im geopolitischen Stresstest
René Walser (Bereichsleiter Privat- und Geschäftskunden, Mitglied der Geschäftsleitung, St.Galler Kantonalbank), Regierungspräsident Beat Tinner, Sabine Bianchi (Moderation)
Lesezeit: 5 Minuten

Handelskonflikte, ein starker Franken und geopolitische Spannungen setzen die exportorientierte Ostschweizer Industrie unter Druck. Am SGKB-Forum «Horizonte» in Widnau stand die Rolle der Schweiz im globalen Umbruch im Fokus.

Text: Fabian Alexander Meyer/rheintal24.ch

 

Die Schweiz auf dem politischen Schlachtfeld

Den Anfang machte René Walser, Bereichsleiter Privat- und Geschäftskunden und Mitglied der Geschäftsleitung St.Galler Kantonalbank. «Die Weltordnung ist im Umbruch. Die Starken können tun, was sie wollen, während die Schwachen leiden.» Immer mehr würden Regeln durch Macht ersetzt werden.

Ein gutes Beispiel ist der US-Präsident Donald Trump, der gerne mal mit Grönland-Übernahmen fantasiert, sich neue Zölle ausdenkt oder auch Venezuelas Präsident Maduro ausser Landes bringen lässt. 

«Trump ist unberechenbar und auch die EU ist immer mehr unser Feind.» Zwar ist die Schweiz auf dem europäischen Kontinent, allerdings richte sich die Union immer mehr gegen die Schweiz. «Wenn man von Europa spricht, meinen sie damit sich, nicht uns.»haben.

Der Einfluss der US-Wirtschaft

Thomas Stucki, Chief Investment Officer, blies ins gleiche Horn. «Der heutige Tag war eine grosse Überraschung. Es stellt sich die Frage, wie der ausgebrochene Krieg in Nahost den Ölpreis beeinflusst. Bereits jetzt sind gewisse Preise bereits angestiegen aufgrund der Unsicherheit.» Doch das bedeute nicht, dass jetzt ein neuer Preishammer auf die Industrie zukommt. Man könne es einfach noch nicht sagen, «aber so hart es auch klingt, wird die jetzige Situation schnell Alltag werden.»

Der ausgebrochene Krieg ist derzeit allerdings noch ein reiner Nebenschauplatz. Nach wie vor halten die USA und deren Wirtschaft auch die Schweiz fest im Griff. Die Zölle haben einen direkten Einfluss auf unsere Konjunktur, was man in den vergangenen Monaten hautnah erleben konnte. Ein weiteres Sorgenkind ist zudem unser Nachbar Deutschland. «Dort erwartet man immer noch den Aufschwung.»

Was also bedeutet das für die Schweiz? «Das Wachstum ist unterdurchschnittlich, allerdings können wir nicht von einer Rezession reden. Der US-Dollar löst je länger je mehr den Euro als schwächste Währung ab und der Franken wird stärker. Auch bei den Leitzinsen gibt es wenig Bewegung. Diese bleiben tief.»

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Die Resilienz der Wirtschaft

Darauf folgte Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse. Er verlor ein paar Worte rund um den direkten Einfluss der Weltwirtschaft auf die Ostschweiz und insbesondere das Rheintal. «Die US-Zölle sind historisch hoch. Noch steht zudem aus, wie es nach dem Gerichtsurteil, welches gewisse Zollerhöhungen als illegal deklarierte, ausgeht.»

Fakt sei: Die Schweiz habe zwar Zölle, allerdings seien diese gemessen an anderen Ländern, darunter Deutschland und China, wesentlich tiefer. Dennoch spürt man vor allem im export-orientierten Rheintal genau diese Belastung durch den US-Präsidenten. Die Auftragsflaute und die Zölle belasten die hiesige Industrie. «Im Bereich Bau läuft es hingegen gut. Der Detailhandel und die Industrie haben zu kämpfen», wie auch eine Umfrage zeige.

Sabine Bianchi, die Moderatorin, veranstaltete im Anschluss eine kurze Podiumsdiskussion zwischen den beiden Referenten. Zu Sprache kam unter anderem erneut der Kriegsausbruch im nahen Osten. Wie bereits erwähnt, habe der Krieg einen Einfluss, allerdings werde derzeit nicht mit einem grossen Unterschied gerechnet. Und auch an die Resilienz der Unternehmen wird geglaubt. Schliesslich sei dies nicht die erste Krise, die die hiesige Wirtschaft überdauern müsse.

Dominik Schmidlin (Leiter Anlagestrategie und Analyse, St.Galler Kantonalbank), Thomas Stucki (Leiter Investment Center St.Galler Kantonalbank), Sabine Bianchi (Moderation)
Dominik Schmidlin (Leiter Anlagestrategie und Analyse, St.Galler Kantonalbank), Thomas Stucki (Leiter Investment Center St.Galler Kantonalbank), Sabine Bianchi (Moderation)

Digitalisierung erleichtert das Leben

Regierungspräsident Beat Tinner brachte die politische Seite ein. «Früher beschäftigte die Leute vor allem der Fach- und Arbeitskräftemangel, heute ist es der schwache US-Dollar.» Aus dem Publikum kam die Frage, welche Impulse der Staat der Wirtschaft geben könne, um auch in unsicheren Zeiten Berechenbarkeit zu gewährleisten und Situationen möglichst zu vereinfachen. 

Tinner: «Man muss den Fokus richtig setzen. Statt an vielen Baustellen zu arbeiten, sollte man sich auf ein paar wenige fokussieren und dort gezielt arbeiten.» Ein gutes Beispiel sei die andauernde Digitalisierung des Kantons, gerade in Zeiten der grossen IT-Panne beim Bund, was vielen Arbeitslosen seit Monaten die Taggeldauszahlung unmöglich macht.

«Dadurch, dass wir unsere Prozesse bei Arbeitslosigkeit digitalisiert haben, waren wir bis auf wenige Fälle nicht von den Auszahlungsschwierigkeiten betroffen.» Dem Kanton St.Gallen ist damit also etwas gelungen, was anderen Landesteilen nicht möglich war. Weiter habe man beim Kanton den sogenannten «Gründerschalter» eingeführt, welcher die Unternehmensgründung digitalisiert und so einfach macht wie nie.

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Selbstbewusste USA

Den Abschluss machte SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck. Er berichtete aus der Sicht eines Journalisten, der sich eingehend mit Trump und seiner Politik befasste. «Für Trump gilt der Grundsatz FAFO. Also Fuck Around And Find Out. Oder: Wer nicht hören will, muss fühlen.» Die USA hätten ein extremes Selbstbewusstsein entwickelt. «Sie haben mit grossem Abstand das beste Militär, den besten Geheimdienst und es kann wohl kein anderes Land der Welt behaupten, in der ersten Stunde eines Krieges direkt den obersten Führer ausgeschaltet zu haben.»

Dieses Selbstbewusstsein, welches Trump beispielsweise auch in seiner Rede am WEF zur Schau trug, bietet aber auch Fallstricke. «Wenn der Krieg jetzt tausende Menschenleben fordert, wird das Trump und seine Partei Kopf und Kragen kosten.» Sollte allerdings der Frieden tatsächlich wiederhergestellt werden, hätte dies für die Politik viele gute Seiten.

Sebastian Ramspeck (Journalist und SRF-Korrespondent)
Sebastian Ramspeck (Journalist und SRF-Korrespondent)

Der chinesische Traum

Welche Rolle auf dem internationalen Markt spielen Europa und die Schweiz dabei? Keine besonders grosse mehr, wie sich herausstellte. Vielmehr sei Europa als Ganzes von der Spielerin zum Spielball zwischen den USA und China verkommen. «Wir hatten drei Chancen und haben sie dreimal vertan. Wir sahen die USA als Partner und jetzt wenden sie sich gegen uns, wir profitierten von billiger Energie aus Russland und drehten ihr aufgrund des Ukraine-Konflikts den Hahn ab und zudem unterschätzten wir das wirtschaftliche Wachstum von China.»

War das Land in Fernost früher noch das Armenhaus der Welt, ist es heute eine ernstzunehmende Wirtschaftsmacht, ganz nach dem «Chinesischen Traum» von Xi Jinping, dem «Überragenden Führer» der Volksrepublik China. Kurz: Die Schweiz und Europa stehen vor einer Entscheidung. Wird sie der Spielball bleiben oder wieder zur Spielerin werden? Auswirkungen auf die Weltwirtschaft wird es jedenfalls

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