Gast-Kommentar

Wie können Anleger auf die veränderte Weltlage reagieren?

Wie können Anleger auf die veränderte Weltlage reagieren?
Die harschen US-Ansprüche auf Grönland bringen die internationale Stabilität ins Wanken
Lesezeit: 6 Minuten

Im aktuellen Umfeld und in den kommenden Jahren muss sich jeder Anleger die Frage stellen: Sind mein Portfolio und meine Strategie für eine Welt im Wandel wirklich gut aufgestellt? Nicht nur 2025, sondern bereits in den Jahren davor wurde deutlich, dass man Vertrauen in etablierte Währungen, in Liquidität und in Stabilität nicht mehr als selbstverständlich voraussetzen kann. Für das neue Jahr lohnt sich daher ein Blick auf einige wesentliche Einflussfaktoren für den Goldpreis.

Text: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG

Der Goldpreis stand in der zweiten Januarhälfte bei 3'735.59 Franke pro Feinunze beziehungsweise 4'724.88 US-Dollar (Stand 20.01.26). US-Präsident Donald Trump hat seine langjährigen Ambitionen bekräftigt, dass die USA Grönland übernehmen oder zumindest weitreichend kontrollieren sollen — diesmal verknüpft er dies offen mit aussen- und sicherheitspolitischen Argumenten. Er hat zudem Zölle und Sanktionen gegen europäische Verbündete angedroht, sollte Dänemark nicht aufgeben.

Kurz nach dem Jahreswechsel lief auch die Nachricht über die Ticker, dass die USA militärisch in Venezuela eingegriffen und dessen Machthaber Nicolás Maduro festgenommen haben. Das ist ein geopolitischer Paukenschlag. Es zeigt, dass die im Dezember 2025 kommunizierten aussenpolitischen Leitlinien der USA keine reinen Absichtserklärungen waren. Die USA unter Donald Trump lassen Taten folgen. Kapitalanleger sind mit dieser Realität konfrontiert. Diese Realität heisst 2026 vor allem: Unsicherheit!

Mehrere Krisenherde machen Gold zum sicheren Hafen

Weitere Krisenherde rund um den Globus bergen zusätzliches Eskalationspotenzial: Taiwan, die Ukraine, der Nahe Osten. Auch in Dänemark dürfte man die Entwicklungen in Venezuela mit einem unguten Gefühl verfolgen. Denn die jüngsten Ereignisse nähren den Eindruck, dass die USA die westliche Hemisphäre klar für sich beanspruchen. Dazu gehört strategisch auch Grönland.

Die USA erwecken den Anschein, immer mehr Machtansprüche geltend machen zu wollen.

Die angespannte geopolitische Lage wird den Goldpreis 2026 somit immer wieder beeinflussen. Spannungen sprechen für Gold als Absicherung und treiben Anleger zu sogenannten Risk-off-Bewegungen. Dabei werden Risiken reduziert und stabile Bausteine gesucht. Gold erfüllt in solchen Phasen seit jeher eine Funktion, die viele Anlagen nur versprechen: Ein Zufluchtsort, wenn Planbarkeit abnimmt.

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Zunahme bei Gold-ETFs könnte Goldpreis befeuern

Gold-ETFs spielen eine wichtige Rolle im Goldmarkt. Besonders wenn Anleger schnell und liquide eine Goldposition aufbauen wollen und die Struktur- bzw. Emittentenrisiken eines ETF-Setups in Kauf nehmen. Die ETF-Bestände geben Hinweise auf die Stimmung institutioneller Investoren.  Sie können preistreibend wirken, auch wenn sie nicht die gesamte physische Nachfrage dominieren.

Die Trump-Regierung liefert immer wieder Stoff für neue geo-politische Unsicherheiten
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Laut einer Goldman-Sachs-Analyse aus dem Dezember 2025 machen Gold-ETFs in den USA nur rund ~0,17 Prozent der privaten Finanzportfolios aus (Stand: Q2/2025). Unter grossen US-Institutionen (>100 Mio. US-Dollar Assets under Management) hält weniger als die Hälfte überhaupt Gold-ETFs. Wer doch hält, liegt oft bei 0,1 bis 0,5 Prozent Allokation. Das heisst: Gold ist in diesem Segment deutlich unterrepräsentiert.

Goldman geht noch weiter und beschreibt, dass ein Basispunkt (also + 0,01 Prozentpunkte) mehr Gold-Anteil in US-Finanzportfolios – modellhaft – einen Aufschlag von etwa +1,4 Prozent auf den Goldpreis bedeuten könnte.

Das Interesse an Gold wird aufgrund der medialen Berichterstattung immer breiter
Das Interesse an Gold wird aufgrund der medialen Berichterstattung immer breiter

Vereinfacht gesagt: Würden grosse Anleger ihren Goldanteil in den Portfolios nur leicht erhöhen – von heute rund 0,17 auf 0,25 Prozent –, könnte das rein rechnerisch bereits einen Preiseffekt von etwas über 10 Prozent auslösen. Steigt der Goldanteil auf 0,5 Prozent, läge dieser Effekt modellhaft sogar bei rund 45 Prozent. Das ist keine Preisprognose, sondern verdeutlicht, wie empfindlich der Goldmarkt auf vergleichsweise kleine Umschichtungen reagieren kann.

Ein weiterer, unterschätzter Punkt: 2025 hat Gold enorme mediale Aufmerksamkeit erhalten! Wenn Vermögenswerte starke Renditen liefern, interessieren sich breiter werdende Zielgruppen für diese Position. Genau das ist mit Gold 2025 passiert.

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Zentralbanken setzen ihre Gold-Strategie fort

Das World Gold Council ermittelt in einer jährlichen Umfrage weltweit bei den Zentralbanken – unter anderem, ob sie planen, ihre Goldreserven aufzustocken bzw. zu verändern. In der letzten Ausgabe sagten 95 Prozent der befragten Banken, dass sie davon ausgehen, dass die globalen Zentralbanken-Goldreserven in den nächsten 12 Monaten zunehmen werden: Das ist Rekordwert im Vergleich zu früheren Jahren!

Vieles spricht dafür, dass Zentralbanken diese Position weiter aufstocken. Neben dem Trend der De-Dollarisierung haben viele Notenbanken, besonders aus Schwellen- und Entwicklungsländern, noch nicht den Goldanteil bei ihren Reserven erreicht, wie ihn westliche Notenbanken traditionell halten. Das erklärt beispielsweise auch die stetigen Zukäufe der polnischen Nationalbank.

Die Nationalbanken handeln mit ihren Goldzukäufen strategisch und damit langfristiger.

Damit sehen wir im Zentralbankbereich eine strukturelle Nachfrage: Wenn viele Zentralbanken gleichzeitig Käufer sind, entsteht eine dauerhafte Grundnachfrage. Diese ist unabhängig von kurzfristiger Spekulation. Zudem sind Notenbanken eher preisunelastische Käufer. Das heisst, sie handeln strategisch und nicht wegen kurzfristiger Preisbewegungen. Das reduziert Abwärtsrisiken beim Goldpreis.

Das Ganze hat Signalwirkung: Wenn Zentralbanken Gold als strategischen Reservewert behandeln, wird die Anlageklasse auch für institutionelle Anleger und Vermögensverwalter erneut «legitimiert». Auch Privatanleger sollten das berücksichtigen.

Zentralbanknachfrage macht einen deutlichen Preiseinbruch 2026 unwahrscheinlicher. Sie erhöht die Chancen auf ein stabiles bis moderat steigendes Goldpreisumfeld.

Staatsverschuldung verlangt nach tiefen Zinsen

Die globale Verschuldung ist kein neues Thema, jedoch sie hat eine neue Qualität erreicht. Besonders deutlich zeigt sich das bei den USA: Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Schuldendienst wird zu einem immer grösseren politischen und fiskalischen Thema. Entsprechend gross ist der Druck auf Geldpolitik und Zinsniveau.

Entsprechend laut sind die Angriffe auf die US-Notenbank Fed, die in der öffentlichen Debatte spürbar zugenommen haben. Donald Trump lässt hier keine Möglichkeit aus, den US-Notenbankpräsident Jerome Powell anzugreifen. Die Neubesetzung des Chefpostens der amerikanischen Notenbank im Mai 2026 wird sicher auch Impulse für den Goldpreis geben.

Unternehmensspiegel OST  who's who 2025  
US-Präsident Donald Trump macht Druck auf die Notenbank Fed für weitere Zinssenkungen
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Der Grund für Trumps Angriffe auf Powell ist offensichtlich: Jede Phase höherer Zinsen erhöht unmittelbar den fiskalischen Druck. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Zahl, sondern die Konsequenz. Denn hohe Schulden begrenzen langfristig den geldpolitischen Handlungsspielraum. Ein Staat, der stark verschuldet ist, kann dauerhaft hohe Realzinsen nur schwer tolerieren, ohne wirtschaftliche oder politische Verwerfungen zu riskieren. Wie die tatsächliche politische Stimmung ist, werden die Zwischenwahlen, also die Midterm-Elections, im November 2026 zeigen.

Hinsichtlich der Leitzinsen, besonders in den USA ist für 2026 ein Szenario plausibel, in dem wir eher ein Umfeld sehen mit

  • nominell sinkenden oder zumindest stabilisierten Leitzinsen
  • gleichzeitig strukturell erhöhten Haushaltsdefiziten
  • und politischem Druck, Finanzierungskosten tragbar zu halten.

Selbst wenn die Inflation moderat bleibt (was nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte), bedeutet das: Realzinsen tendieren eher seit- bis abwärts! Historisch ist genau dieses Umfeld goldfreundlich. Gold muss keine Zinsen zahlen, um attraktiv zu sein, wenn reale Alternativen begrenzt sind.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Gold wird heute nicht nur von einem einzelnen Faktor getragen; es ist eine Kombination struktureller Kräfte. Dennoch wird der Goldpreis keine Einbahnstrasse nach oben sein. Mit Rücksetzern ist immer wieder zu rechnen. Der Goldpreis wird 2026 nicht sprunghaft ansteigen. Es wird eher subtil, jedoch stetig verlaufen mit ansteigender Tendenz. Denn eine breitere Anlegerschicht betrachtet Gold zunehmend nicht als Renditeersatz, sondern als Portfolio-Stabilisator. Darum werden wir sehr wahrscheinlich schon bald die 5'000 USD-Dollar pro Unze sehen – die nächste magische Grenze!

Apropos Performance: Im Februar stehen die Olympischen Winterspiele in Norditalien sinnbildlich vor unserer Haustür. Athletinnen und Athleten aus aller Welt bereiten sich auf den Moment vor, in dem es um Gold, Silber und Bronze geht. Es geht um den Augenblick, in dem jahrelange Vorbereitung zu messbarer Höchstleistung wird – und Performance Geschichte schreibt.

Im vergangenen Jahr haben die Edelmetalle Spitzenplätze bezüglich Performance belegt. Gold und Silber standen dabei sinnbildlich ganz oben am Podest – nicht aufgrund von Zufall oder Spekulation, sondern weil Anleger gerade in bewegten Zeiten auf bewährte, substanzielle Werte setzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für dieses Jahr, in welchem – wie bei Olympia auch bei den Edelmetallen – das Motto gilt: Dabei sein ist alles!

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

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