Silber-Knappheit: Schweizer Edelmetallmarkt im Ausnahmezustand
Text: PD/stz.
Der St.Galler Edelmetallhändler Philoro verzeichnet mit Silber im Januar fast eine Vervierfachung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Online-Bestellungen haben markant zugenommen und auch in den Filialen herrscht Hochbetrieb. Wer physisch in Silber investieren will, spürt jetzt den Engpass. Philoro und viele andere Händler nehmen nach wie vor Silber-Bestellungen entgegen, doch wie das Finanznews-Portal «Inside Paradeplatz» kürzlich berichtete, war das Silberbarren-Lager eines renommierten Edelmetall-Geschäfts in Zürich plötzlich leergekauft.
«Die Leute kaufen Silber, als gäbe es kein Morgen mehr. In 15 Jahren habe ich etwas Vergleichbares noch nicht erlebt», sagt Christian Brenner, CEO von Philoro Schweiz. Doch die ganze Branche sei wegen des Silberrausches im Ausnahmezustand, so Brenner. Der Umsatz mit Silber ist bei Philoro im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 374,3 Prozent gestiegen – fast eine Vervierfachung.
Die Anzahl der Bestellungen hat gar um 495,5 Prozent zugenommen, also rund fünfmal mehr als im Jahr davor. Die meistgekauften Produkte nach Anzahl sind der 1-Kilo-Silberbarren, gefolgt vom Silber Philharmoniker 1 Unze und dem Silber Maple Leaf 1 Unze.
Begrenzte Verfügbarkeit an Anlageprodukten aus Silber
«Unser Unternehmen ist wegen des Ansturms derzeit in allen Bereichen stark gefordert», sagt Philoro-Chef Christian Brenner. Philoro hat aktuell eine begrenzte Verfügbarkeit an Anlageprodukten aus Silber, erhält jedoch laufend neue Ware und nimmt entsprechend der Verfügbarkeiten Bestellungen entgegen. Es gibt aktuell einen Hinweis auf längere Lieferzeiten.
Der Silberpreis hat kürzlich die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar durchbrochen. Seit Anfang des Jahres hat er um 59,4 Prozent zugelegt und liegt aktuell bei 113.66 US-Dollar pro Feinunze (etwa 31,1 Gramm). In Schweizer Franken beträgt die Rendite 54,9 Prozent, der aktuelle Preis ist 87.82 Franken pro Unze. Das gesamte letzte Jahr hat Silber eine rekordhohe Rendite von 115,5 Prozent in Schweizer Franken erreicht und damit sogar Gold übertroffen.
Analysten nennen insbesondere das knappe Angebot als Preistreiber: Sinkende Lagerbestände, Exportkontrollen, hohe Nachfrage aus der Solarindustrie und der Elektromobilität und die starken Silber-Zuflüsse bei Anlegern als «sicherer Hafen». Der weltweite Silbermarkt befindet sich laut Silver Institute im fünften Jahr in Folge mit mehr Nachfrage als Angebot. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem strukturellen Silber-Defizit.
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Silberpreis-Anstieg trotz Volatilität ziemlich nachhaltig
Bei Silber fliessen 55 bis 60 Prozent des Angebots in die Industrie. «Aufgrund der wachsenden Industrienachfrage ist der Preisanstieg bei Silber im Grundsatz nachhaltig», sagt Christian Brenner von Philoro. «Gleichzeitig ist Silber bekannt für seine hohe Volatilität. Unsere Empfehlung lautet daher: Silber eignet sich als langfristige Beimischung, sollte aber mit einem klaren Risikobewusstsein und idealerweise gestaffelt gekauft werden», erklärt Brenner.
Wer diese Volatilität akzeptiere, könne jetzt von den strukturellen Trends am Silbermarkt profitieren. Wer liquide Mittel benötige, könne jetzt aber auch mit hohem Profit Gewinnmitnahmen realisieren, so der Edelmetall-Experte.