Appenzell Ausserrhoden

Ostschweizer KMU diskutierten globale Umbrüche und unternehmerische Resilienz

Ostschweizer KMU diskutierten globale Umbrüche und unternehmerische Resilienz
Simone Haeberli/SECO
Lesezeit: 3 Minuten

Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten stellten Ostschweizer KMU in den vergangenen Jahren vor grosse Herausforderungen. Am 17. Unternehmensspiegel Appenzellerland diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft am 12. März im Hotel zur Linde in Teufen, wie Unternehmen mit diesen Umbrüchen umgingen und weshalb unternehmerische Resilienz zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wurde.

Text: pd/stz.

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Im Zentrum des Unternehmensspiegels Appenzellerland stand die Auseinandersetzung mit fundamentalen globalen Veränderungen und deren Folgen für die Ostschweizer Wirtschaft. Die Dynamik in den vergangenen Monaten war gross und stellte Unternehmen vor immer neue Herausforderungen. Stichworte wie Zölle, die Rolle Amerikas als Handelspartner, bilaterale Verträge mit der EU, Sanktionen, Freihandelsabkommen oder Energieengpässe wurden dabei genannt.

«Beziehungen, Werte und Machtstrukturen, die sich über Jahrzehnte entwickelt hatten, wurden über den Haufen geworfen», sagte Andreas Löhrer, Professor am IFL Institut für Finance und Law der OST – Ostschweizer Fachhochschule und Moderator des 17. Unternehmensspiegels im Hotel zur Linde in Teufen. In dieser zunehmend erratischen Welt sähen sich Unternehmen mit einer Vielzahl von Krisen konfrontiert, die teilweise sogar ihre Existenz bedrohten.

Globale Verschiebungen treffen auch lokale KMU

In seinem Referat zeigte Dr. Esther Omlin, Dozent am IFL Institut für Finance und Law der OST, auf, wie tiefgreifend sich die geopolitische und wirtschaftliche Landschaft verändert hat. Die strategische Rivalität zwischen den USA und China, regionale Blockbildungen, Kriege und Konflikte, protektionistische Tendenzen und die Schwächung multilateraler Institutionen führten zu einer Neuordnung der Weltwirtschaft. Nationale Sicherheitsinteressen rückten stärker in den Vordergrund, wirtschaftliche Effizienz allein sei nicht mehr das dominierende Prinzip.

Anhand globaler Lieferketten und Rohstoffabhängigkeiten machte Omlin deutlich, wie verletzlich moderne Wertschöpfungsstrukturen sind. «Die Förderung und vor allem die Verarbeitung zentraler Rohstoffe wie Kobalt, Lithium oder Seltene Erden konzentrieren sich auf wenige Länder – insbesondere China nimmt bei der Weiterverarbeitung eine dominante Rolle ein», sagte der Sicherheitsexperte. «Politische Spannungen, Sanktionen oder Exportbeschränkungen könnten daher unmittelbare Auswirkungen auf Produktionsprozesse in Europa haben.»

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Schweizer Aussenwirtschaft zwischen Offenheit und Absicherung

Die staatliche Perspektive brachte Dr. Simone Haeberli, Ressortleiter KMU-Politik beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), ein. Er ordnete die aktuellen Umbrüche in den geopolitischen Kontext ein: strategische Rivalitäten, Protektionismus, regionale Konflikte und eine zunehmende Politisierung wirtschaftlicher Beziehungen.

Die Schweiz sei als exportorientierte Volkswirtschaft besonders eng in internationale Handelsstrukturen eingebunden. Ein grosser Teil des Handels entfalle auf die EU, daneben spielten die USA und China eine bedeutende Rolle. Diese starke Vernetzung sichere Wohlstand, erhöhe aber gleichzeitig die Anfälligkeit gegenüber globalen Spannungen.

Haeberli betonte, dass die Schweiz weiterhin auf Offenheit, Kooperation und Diversifizierung setze. Freihandelsabkommen, die Stärkung eines regelbasierten internationalen Systems sowie nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen bildeten zentrale Pfeiler der Aussenwirtschaftsstrategie. Ziel bleibe es, den Zugang zu internationalen Märkten zu sichern und gleichzeitig Abhängigkeiten zu reduzieren.

Parallel dazu unterstütze die Standortförderung die Unternehmen im Inland. Instrumente wie Exportförderung durch Switzerland Global Enterprise, die Neue Regionalpolitik, Innovationscoaching oder digitale Verwaltungsangebote wie EasyGov sollen KMU befähigen, flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Resilienz sei nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Aufgabe.

Unternehmensführung rückte in den Fokus

Die Auswirkungen dieser globalen Entwicklungen auf lokale KMU seien vielfältig. «Die Mitarbeiter erwarteten Orientierung und Entscheidungen», betonte OST-Professor Andreas Löhrer.

Welche konkreten Lösungsstrategien Ostschweizer KMU entwickelt haben, wie sie die kommenden Jahre einschätzen und ob die viel zitierte «schweizerische Komfortzone» tatsächlich dahinschmilzt, wurde im anschliessenden Podium aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.

Philipp Wyser, CEO der Wyon AG, betonte die Bedeutung von Flexibilität, vorausschauendem Handeln, offener Kommunikation und einem guten Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden. Daniel Toppel, CEO der Arcolor AG, ergänzte, dass in einem volatilen Umfeld vor allem schnelle Entscheidungen, Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft gefragt seien.

Ueli Manser, Direktor der Appenzeller Kantonalbank, hob in seinem Schlusswort hervor, dass Resilienz auch eine Frage der Haltung sei, geprägt von Optimismus, Verantwortungsbewusstsein und Lösungsorientierung. Austausch und Vernetzung unter Unternehmen seien deshalb besonders wertvoll.

Die 17. Ausgabe des Unternehmensspiegels besuchten rund hundertvierzig Unternehmer. Sie hörten auch die Grussworte von Yves Noël Balmer, Regierungsrat des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Der nächste Unternehmensspiegel findet am 24. Februar 2027 in St.Gallen beziehungsweise am 11. März 2027 in Teufen statt.

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