«Das Umfeld für steigende Edelmetall-Preise ist intakt»
Text: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG
In der Schweiz sehen die neusten Prognosen ein Wachstum von 1 bis 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für 2026 voraus. Die Inflation wird für dieses Jahr mit 0,3 Prozent bis 0,4 Prozent angenommen, die Arbeitslosigkeit sollte sich mit 3,1 Prozent nicht ändern. Ob es sich so entwickeln wird, ist aber einigermassen unklar. Bundespräsident Guy Parmelin pocht auf ein rasches Abkommen mit den USA, um den Zoll-Deal von 15 Prozent für Exporte nach Übersee in trockene Tücher zu bringen.
Wie die Tagesschau des Fernsehens SRF berichtet, gibt es im Parlament allerdings Widerstand. US-Präsident Donald Trump setzte der Schweiz eine Frist bis 31. März für ein verbindliches Abkommen. Kommt bis zu diesem Datum keine Einigung zustande, drohte er damit, die reduzierten Zölle nicht dauerhaft beizubehalten.
Der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise blieb im Dezember im Vergleich zum Vormonat unverändert. Im Jahresvergleich betrug die Teuerung 0,1 Prozent. Damit beträgt die durchschnittliche Jahresteuerung 2025 0,2 Prozent. Das Bundesamt für Statistik meldet gesunkene Preise für Pauschalreisen ins Ausland, für Medikamente und diverse Gemüsesorten. Das Mieten privater Verkehrsmittel sowie die Preise in der Hotellerie und Parahotellerie sind hingegen gestiegen.
Der Leitzins in der Schweiz liegt bei 0 Prozent. Der nächste Zins-Entscheid wird per 19. März erwartet. Der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Martin Schlegel, betrachtet Negativzinsen nicht als optimal, betont aber, dass die SNB sie nicht vollständig ausschliesst, sollte es die Preisstabilität erfordern.
Gleichbleibendes BIP-Wachstum im EU-Raum erwartet
Die Europäische Kommission hat in ihrer Herbstprognose für den Euro-Raum ein BIP-Wachstum 2026 von 1,2 Prozent vorausgesagt (1,3% 2025). In der Gesamt-EU sollte das Wachstum mit 1,4 Prozent gleichbleiben wie 2025. Die Bank Austria erwartet in ihrer jüngsten Publikation für die meisten zentral- und osteuropäischen Länder ein Wirtschaftswachstum für 2026 von 2,0 bis 3,3 Prozent. Das ist deutlich mehr als für die Länder der Euro-Gruppe mit 1 bis 1,5 Prozent.
Die Konsumtätigkeit privater Haushalte werde demnach weiter anhalten, dazu kämen ein Plus bei den Reallöhnen, angespannte Arbeitsmärkte und nachlassende Inflationsraten, heisst es in der Studie.
In der Gesamt-EU wird 2026 mit 1,4 Prozent das gleiche BIP-Wachstum wie im Vorjahr erwartet.
Das europäische Statistikamt Eurostat meldet, dass die Industrieproduktion im Euro-Raum im November 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent gestiegen ist. Nach Mitteilung von Eurostat liegt die jährliche Inflationsrate im Dezember in der EU mit 2,3 Prozent und im Euro-Raum mit 1,9 Prozent um 0,2 Punkte niedriger als im Vorjahr.
Wirtschaftswachstum der USA nach oben korrigiert
Das Bureau of Economic Analyses hatte zuvor die Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal revidiert und mit 4,4 Prozent etwas höher gewertet, als erwartet. Zurückgeführt wird das auf Aufwärtskorrekturen bei Exporten und Investitionen. Die Federal Reserve Bank of Atlanta schätzt für das vierte Quartal ein BIP-Wachstum von 5,4 Prozent.
In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Dezember um 2,7 Prozent, unverändert gleich hoch wie im November. Am 28. Januar hat die US-Notenbank Fed – entgegen der Wünsche der Trump-Administration – die Leitzinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent gleich belassen. Als Jahresinflation 2026 gehen die Analysten von 2,1 Prozent aus.
US-Präsident Donald Trump hat im Januar die sowieso schon instabile Weltlage durch mehrere Interventionen nochmals zusätzlich massiv erschüttert. Am 3. Januar haben nach monatelangem Geplänkel über die Mitwirkung venezolanischer Behörden am Drogenhandel US-Spezialtruppen den – nicht anerkannten – Präsidenten Nicolás Maduro und seine Ehefrau in Caracas in Haft genommen und nach New York ausgeflogen, wo ihm nun der Prozess wegen Verschwörung zur Begehung von Drogen-Terrorismus in den USA und ähnliche Delikte zu Last gelegt werden.
Die Festnahme des Präsidenten von Venezuela war ein beispielloser aussenpolitischer Eingriff der USA.
Am 7. Januar erhoben die Vereinigten Staaten Ansprüche auf Grönland, einem zum Territorium des NATO-Partners Dänemark gehörenden – weiterreichenden autonomen – Gebiets. Dänemark, die offiziellen Vertreter Grönlands und Sprecher der politischen Parteien in Grönland verurteilen diese Wünsche scharf. Sowohl ein «Kaufangebot» als auch die Drohung einer militärischen Inbesitznahme werden nicht nur von Dänemark, sondern auch von der Europäischen Union heftig zurückgewiesen.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte konnte schliesslich eine neue Verhandlungsrunde mit den USA erreichen. Man schien sich auf eine besondere Rechtsstellung amerikanischer Stützpunkte in Grönland geeinigt zu haben.
Auch interessant
Ebenfalls am 7. Januar brachen die immer grösser werdenden Demonstrationen gegen das Mullah-Regime im Iran aus, die sich von der Hauptstadt Teheran über das ganze Land verbreiteten. Das Regime ging mit schärfster Brutalität dagegen vor. Zuletzt sprach man von mehr als 2500 Toten, manche Quellen sehen die effektiven Zahlen getöteter noch wesentlich höher.
US-Präsident Trump drohte mit einem Militärschlag und in der Nacht vom 14. Januar wurde der Luftraum über dem Iran gesperrt – alle Angriffsvorbereitungen schienen getroffen. Aber in letzter Sekunde wurde der Schlag – vorerst abgesagt – allerdings werden die US-Marineverbände in der Umgebung um einen weiteren Flugzeugträger-Verband verstärkt. Es bleibt offen, ob das nur eine weitere Drohgebärde ist oder doch mehr folgt.
Nach Edelmetall-Hype kurzzeitig massiver Kursrutsch
Diese territorialen und machtpolitischen Einmischungen der USA sorgten gepaart mit den Angriffen von US-Präsident Donald Trump auf Fed-Chef Jerome Powell oder der Äusserung, dass für Trump ein schwacher Dollar egal sei, zu einer Aufwärtsspirale beim Gold- und Silberpreis, die in einen Hype mündete. Die Edelmetalle wurden mit der Meldung über die rekordhohen Jahresrenditen von 2025 für eine breite Front von Anlegern attraktiv. Einzelne Medien berichteten auch, dass Spekulanten am Werk waren. So zeigten der Gold- und der Silberpreis im Verlauf des Januars steil nach oben. Gold und Silber knackten die psychologisch wichtigen Marken von 5000 US-Dollar beziehungsweise 100 US-Dollar pro Feinunze.
Ende Januar kam es nach der Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank Fed, der sich für eine Erhöhung der Zinsen einsetzen könnte, zu einem massiven Kursrutsch. Als die Preise zu fallen begannen, wurde der Effekt verstärkt durch automatisierte Handelsprogramme und Forderungen an Investoren, Sicherheitsleistungen einzuzahlen (Margin Calls). Der Einbruch dauerte aber nur wenige Tage.
Es gibt mehrere Faktoren, die für einen erneuten Anstieg des Gold- und Silberpreises sprechen
Das Umfeld für steigende Edelmetallpreise bleibt intakt. Es gibt mehrere Faktoren. Viele Zentralbanken kaufen in rekordhohem Tempo Gold, weil sie sich vom US-Doller entkoppeln wollen. Geopolitische Konflikte lassen Anleger zu Gold und Silber als sichere Anlage greifen. Niedrige Zinssätze erhöhen den Goldpreis, da Gold im Vergleich zu Anleihen oder Sparkonten an Attraktivität gewinnt.
Und es wird unfassbar viel Geld gedruckt, weil die Verschuldung in manchen Staaten auf einem Rekordhoch ist. Das entwertet Währungen – und diese Entwertung lässt sich mit Gold etwas aufhalten. Bei Silber spielt die hohe Nachfrage der Industrie und die strukturell knappe Verfügbarkeit eine grosse Rolle. Aber auch Gold zu fördern, wird immer aufwändiger und teurer.
Nun wird interessant, ob der neue Fed-Chef tatsächlich höhere Zinsen einführen wird und wie sich die Machtverhältnisse in den USA eventuell verändern im Hinblick auf die Midterm-Wahlen im Herbst. Die geopolitischen Unsicherheiten, die vermutlich andauern, dürften weitere Impulse liefern für Preisanstiege bei Gold und Silber. Es gibt auch gegenläufige Entwicklungen wie die Bemühungen um ein Friedensabkommen im Ukraine-Krieg.
Im vergangenen Jahr kam es wiederum zu einer rekordhohen weltweiten Nachfrage nach Gold. Der Bedarf überstieg 2025 erstmals 5'000 Tonnen und erreichte 5'002 Tonnen. Dies berichtet die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) in ihrem Jahresreport. Die Käufe der Zentralbanken in Höhe von 863 Tonnen blieben historisch hoch, haben sich jedoch etwas verlangsamt. Die Nachfrage nach Gold-Investmentprodukten lag 84 Prozent über dem Vorjahr und erreichte mit 2'175 Tonnen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen des WGC. Neben dem Bedarf nach Münzen und Barren trugen insbesondere die Gold-ETFs wesentlich zur Dynamik bei und verzeichneten mit 801 Tonnen den grössten absoluten Zuwachs.
Apropos Zentralbank: Im Tresor der Bank of England lagerte jahrzehntelang eine gewaltige Menge Gold – sicher verwahrt, präzise inventarisiert, streng bewacht. Barren aus der ganzen Welt, gehalten im Auftrag von Staaten und Zentralbanken.
Das Absurde daran: In vielen Fällen wusste man exakt, wo das Gold lag – aber nicht immer zweifelsfrei, wem es eigentlich gehörte. Der Grund liegt in der Praxis des internationalen Zentralbankwesens. Gold wurde über Jahrzehnte hinweg verliehen, getauscht, geswappt, verpfändet und wieder zurückgeführt. Auf dem Papier wechselte das Eigentum mehrfach, physisch blieb der Barren jedoch oft am selben Ort. Buchhalterisch korrekt – operativ effizient – aber historisch zunehmend unübersichtlich. So kam es, dass bei späteren Prüfungen zwar jeder einzelne Barren vorhanden war, die Eigentumsketten jedoch teils so komplex wurden, dass erst umfangreiche Rekonstruktionen Klarheit schufen. Nicht über das Ob – sondern über das Wem. Die Lehre daraus: Besitz ist nicht gleich Eigentum!
Ich wünsche Ihnen eine Woche, in der Sie die Übersicht bewahren.
Mit goldenen Grüssen
Christian Brenner
Zum Autor: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG
Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens Philoro sowie Verwaltungsrat der Philoro Global Trading, der Philoro North America und der Philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der Philoro Edelmetalle GmbH in Deutschland agiert. Er war in den vergangenen Jahren zudem Gastreferent an der Universität St.Gallen (HSG) und ist Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK. Seit November 2024 ist Christian Brenner österreichischer Honorarkonsul für die Kantone St.Gallen und beide Appenzell.