Iran-Krieg torpediert Chancen auf wirtschaftliche Erholung
Text: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG
Grundsätzlich gab es im Februar in der Schweiz mehrere positive Meldungen, die auf eine Erholung der wirtschaftlichen Situation hindeuteten. Mit den Angriffen der USA und Israel auf den Iran Ende des Monats und der militärischen Ausweitung des Konfliktgebiets auf weitere Staaten des Orients dürften sich die weiteren Aussichten wieder verdüstern.
2025 hat das Bruttoinlandsprodukt in der Schweiz pro Kopf um 0,5 Prozent zugenommen. Laut Staatssekretariat für Wirtschaft SECO war dieser Wert 2023 noch im Minusbereich (-0,1%) und 2024 mit 0,2 Prozent deutlich niedriger gelegen. Am 16. Februar wurde das Flash-BIP für das vierte Quartal mit einem Plus von 0,2 Prozent bekanntgegeben. Der Dienstleistungssektor sei demnach nur verhalten gewachsen, der Industriesektor stagnierte.
Das Bruttoinlandprodukt in der Schweiz war 2025 wieder etwas höher als in den Jahren zuvor.
Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF sieht im Januar hingegen eine deutliche Aufhellung der Situation, der Geschäftsindikator sei nun im zweiten Monat hintereinander gestiegen. Die Unternehmen sehen die Geschäftserwartungen des kommenden Halbjahres wesentlich günstiger als zu Jahresbeginn des Vorjahres.
Vor allem blicke das verarbeitende Gewerbe optimistischer in die Zukunft, heisst es in der Publikation. Auch die vermehrte Personalsuche zeige die positiven Aspekte, wie überhaupt die positive Entwicklungstendenz im Januar «recht breit in die Schweizer Wirtschaft» hineinwirke.
Positive Signale gibt es aus dem Aussenhandel der Schweiz. Die Exporte sind im Dezember saisonbereinigt um 2,3 Prozent höher gelegen als im Vorjahr (-4,4%). Die Importe sind im gleichen Zeitraum um 0,9 Prozent zurückgegangen. Bei den Exporten zeigt sich eine Steigerung im Bereich Chemie und Pharma, bei den Importen sind die Importe aus den Vereinigten Staaten wieder um einen Drittel gestiegen.
Die Quote der Arbeitslosen ist im Januar auf 3,4 Prozent gestiegen, das sind gegenüber dem Vorjahresmonat plus 12,2 Prozent. Der Landesindex der Konsumentenpreise ist im Januar im Vergleich zum Dezember um 0,1 Prozent gefallen, gegenüber Januar 2025 gilt ein Anstieg von 0,1 Prozent.
Anzeichen für steigende Industrieproduktion in Europa
Das Statistikamt der Europäischen Union meldet für das abgelaufene vierte Quartal eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Union um 0,3 Prozent, sowohl im Euro-Raum als auch in der Gesamt-EU. Damit sollte das BIP im Euro-Raum 2025 um 1,5 Prozent und in der gesamten EU um 1,6 Prozent gestiegen sein.
Die Europäische Kommission hat in ihrer Herbstprognose für den Euro-Raum und die Gesamt-EU ein BIP-Wachstum 2026 von 1,4 Prozent vorausgesagt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Prognose hält.
Das Statistikamt der EU meldet für das vierte Quartal eine Steigerung des BIP.
Auch in Europa gab es vor dem Aufflammen des Iran-Konflikts Zeichen des Aufschwunges. So hat die Industrie in der Euro-Zone in letzter Zeit deutlich positiver agiert. Der S&P Global-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe meldet den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.
Die Industrieproduktion ist in der EU im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent gestiegen. Im Euro-Raum waren es 1,2 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Industrieproduktion stieg im Jahr 2025 gegenüber dem Jahr 2024 sowohl im Euro-Raum als auch in der EU um 1,5 Prozent. Die jährliche Inflation ist im Euro-Raum auf 1,7 Prozent gesunken. Die Arbeitslosen-Quote liegt bei 6,2 Prozent.
Die USA meldet ein schwächeres Wirtschaftswachstum
Die Wirtschaftsdaten aus den USA sind etwas weniger erfreulich als auch schon. Vom Bureau of Economic Analysis liegen endlich die Daten für das vierte Quartal vor. Nach einer Zunahme des BIP im dritten Quartal um 4,4 Prozent betrug das Wachstum im vierten Quartal nur noch 1,4 Prozent.
Höhere Konsumausgaben und Investitionen trugen zum Wachstum bei, höhere Staatsausgaben und Exporte wirkten bremsend. Für das Gesamtjahr 2025 wird jetzt ein BIP-Wachstum von 2,4 Prozent erwartet, nach 2,8 Prozent im Jahr davor.
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Die Anzahl neu geschaffener Stellen in den USA ist nicht so hoch, wie ursprünglich angenommen.
Der Arbeitsmarkt in den USA ist eine wichtige Komponente zur Beurteilung der Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Im Januar sank die Arbeitslosenquote leicht auf 4,3 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 betrug die Arbeitslosenrate 4,18 Prozent, für 2026 werden 4,12 Prozent erwartet.
Das US-Bureau of Labor Statistics musste allerdings erklären, dass 2025 erheblich weniger neue Stellen geschaffen wurden als ursprünglich angenommen.
Am 19. Februar hat die überraschende Erkenntnis des Supreme Courts in Washington, wonach die meisten von Präsident Trump verhängten Zölle illegal seien, weltweit für Aufregung gesorgt. Es gab Meldungen, dass einzelne Staaten sich bemühen wollen, Rückerstattungen für zu viel bezahlte Zölle zu erhalten. Ein sichtlich wütender Donald Trump hat sodann weltweite Zölle von 10 Prozent verhängt und am nächsten Tag diese auf 15 Prozent aufgestockt. Zurzeit kann niemand einschätzen, was das Zoll-Debakel für den Welthandel bedeuten wird.
Im Februar scheint die Grönland-Debatte wieder in den Hintergrund getreten zu sein. Und auch die Lage um Venezuela scheint sich beruhigt zu haben. Doch damit kam der nächste Paukenschlag. Ende Februar griffen die USA und Israel zahlreiche militärische und nukleare Ziele im Iran an, um dessen Raketen- und Atomprogramme zu schwächen. Dabei wurden Teile der Führung und militärische Infrastruktur getroffen.
Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie US-Militärbasen im Nahen Osten (u. a. Kuwait, Bahrain und Katar). Zudem drohte der Iran, den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus anzugreifen und weitete Angriffe auf regionale Ziele aus. US-Präsident Donald Trump versprach, die Strasse von Hormus zu schützen, damit die Öl- und Gastransporte weiterhin stattfinden können.
US-Präsident Trump verspricht, die wichtigen Handelswege für Öl im Osten zu sichern.
Die weltweiten Finanzmärkte wurden durch das Aufflammen des Krieges im Iran ziemlich erschüttert. Auch der Swiss Market Index SMI hat innerhalb einer Woche um mehr als 5 Prozent nachgelassen und es fragt sich, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Im Zuge des Anstieges des Ölpreises könnte es zu einer neuen Teuerung kommen, die sich auf die Wirtschaft dämpfend auswirkt.
Goldpreis profitiert vom Aufflammen des Irak-Kriegs
Mit den ersten Bomben auf den Iran hat die Nachfrage nach Gold nochmals zugenommen. Sicherheit ist derzeit sehr gefragt. Die Kunden von Philoro kaufen Gold – aber auch Silber – in einem historischen Ausmass. Das Volumen ist im Moment fünfmal so hoch wie an einem regulären Handelstag.
Der Goldpreis war auf Anfang Februar stark eingebrochen, doch er stieg im Verlauf des Monats Wellenartig an und erhielt mit dem Iran-Konflikt einen weiteren Impuls. Gold stieg damit auf einen Wert von 4'100 Franken pro Unze (mehr als 5'200 US-Dollar). Die aktuellen Abwärtsbewegungen an den Aktienmärkten macht Gold bis zu einem gewissen Grad mit, aber wesentlich weniger ausgeprägt.
Im Rahmen der «View from the Room Session» der Standard Bank in Kapstadt (Südafrika) wurde von den anwesenden 300 Experten mehrheitlich die Meinung vertreten, dass der Goldpreis in diesem Jahr bis auf 6000 Dollar je Feinunze steigen könnte.
Der Leiter des Bereiches Edelmetalle der Bank, Adraian Hammond sprach sogar von 7000 Dollar im nächsten Jahr und rechnet damit, dass weitere Zinssenkungen den Goldpreis um bis zu 10'000 Dollar je Unze steigen lassen könnten.
Mit der Feier des chinesischen Neujahrs wuchs auch der Bedarf nach Gold im Reich der Mitte.
Am Rande dieser Entwicklung melden Experten steigende Nachfrage nach Gold in der Volksrepublik China und einen Zuwachs an chinesischen Gold-ETFs um 6,2 Milliarden US-Dollar oder 38 Tonnen. Die Peoples Bank of China hat ihre Bestände auf 2'308 Tonnen Gold erhöht.
Das gerade zu Ende gegangene Neujahrsfest in China hat wie üblich den Schmuckmarkt belebt. Ähnlich in Indien, wo die hohen Preise den Schmuckmarkt, der traditionell zum Jahreswechsel besonders aktiv ist, deutlich belebt haben. Weltweit gesehen ist der Zuwachs an Gold-ETFs Ende Januar vorübergehend langsamer geworden.
Apropos Gold-Boom: Eine Frau aus der Oberpfalz in Deutschland wollte auch vom steigenden Goldpreis profitieren und bestellte bei irgendeiner Quelle im Internet eine Goldmünze. Als das die Lieferung ankam, stellte sich heraus, dass die Frau Opfer eines Betrugs geworden war. Statt der Münze lag nämlich eine so gut wie wertlose Gemüsegurke im Paket. Rund 3300 Euro waren damit verloren.
Die Polizei nahm zwar eine Anzeige auf, machte jedoch wenig Hoffnung, die Täter zu finden. Durch einen Medienbericht wurde jedoch die Philoro-Filiale in Leipzig auf den Fall aufmerksam. Philoro entschied kurzerhand, der Frau eine vergleichbare Münze zukommen zu lassen – ohne Verpflichtung, einfach um den Schaden auszugleichen.
Warum erzähle ich diese Geschichte? Weil sie zeigt, worum es im Edelmetallhandel im Kern geht: nämlich um Vertrauen. Gold kann man prüfen, wägen und analysieren. Vertrauen nicht. Es entsteht über Jahre – und zeigt sich manchmal in einem einzigen Moment. In Augenblicken, in denen Menschen beweisen, dass Vertrauen mehr wert sein kann als eine Unze Gold.
Mit goldenen Grüssen
Christian Brenner
Zum Autor: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG
Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens Philoro sowie Verwaltungsrat der Philoro Global Trading, der Philoro North America und der Philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der Philoro Edelmetalle GmbH in Deutschland agiert. Er war in den vergangenen Jahren zudem Gastreferent an der Universität St.Gallen (HSG) und ist Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK. Seit November 2024 ist Brenner österreichischer Honorarkonsul für die Kantone St.Gallen und beide Appenzell.