Gast-Kommentar

Hoffen auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges

Hoffen auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges
Ende März hat US-Präsident Donald Trump verlautet, dass die Kriegsziele im Iran erreicht seien
Lesezeit: 6 Minuten

In der Schweiz könnte der Iran-Krieg zu schwächerem Wachstum und höherer Teuerung führen. Die Wachstumsprognosen wurden leicht nach unten korrigiert. Die Inflation in Europa nimmt zu. Die Rüstungsindustrie stützt indessen das BIP-Wachstum. Die OECD rechnet mit einer Belebung der US-Konjunktur. Allerdings werde sich die Wirtschaft global abkühlen. Die Ankündigung von US-Präsident Trump, dass der Krieg ein baldiges Ende nimmt, sorgt für eine Erholung der Aktienmärkte. Auch der Goldpreis steigt.

Text: Christian Brenner

Mit Beginn der Angriffe Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran am 28. Februar schnellten die Ölpreise weltweit in die Höhe. Und das, obwohl nur 4 Prozent der Ölexporte über die Meerenge von Hormus Richtung Europa gehen. Der Krieg um den Iran wirft zurzeit alle Prognosen für Wirtschaftswachstum, Inflation und weitere Entwicklung der nationalen Volkswirtschaften an den Anfang zurück.

Die OECD rechnet heuer mit einer Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums auf 2,9 Prozent.

Die Organisation für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung OECD hat aktuell ein «Interim Economic Outlook» veröffentlicht, in dem auf die Entwicklungen nach Ausbruch des Iran Krieges eingegangen wird. Der sprunghafte Anstieg der Energiepreise aufgrund der Sperre der Strasse von Hormus und die Schäden und Schliessung von Energieanlagen werden dieses Jahr zu einer anhaltenden Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums auf 2,9 Prozent führen.

Im kommenden Jahr werden es 3 Prozent sein. Im Euroraum erwarten die Experten dieses Jahr ein BIP-Wachstum von nur 0,8 Prozent. 2027 dürften die Investitionen in der Rüstungsindustrie und höhere Verteidigungsausgaben wieder zu 1,2 Prozent führen. In den USA wird mit einer Belebung der Konjunktur gerechnet. Anstelle der ursprünglich vorhergesagten 1,7 Prozent (Prognose vom Dezember) wird dieses Jahr mit 2,.0 Prozent Wachstum gerechnet.

In der krisengeschüttelten Zeit erfährt der Schweizer Franken einen Aufwertungsdruck
In der krisengeschüttelten Zeit erfährt der Schweizer Franken einen Aufwertungsdruck

In der Schweiz veröffentlichte das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO einen Bericht. Demnach könnten die Konjunkturrisken durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten in der Schweiz zu schwächerem Wachstum und höherer Teuerung führen. Der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken könnte sich bei «Materialisierung verschiedener Risken» verstärken.

Die Wachstumsprognose wurde für das Jahr 2026 um 0,1 Punkte auf 1 Prozent zurückgenommen. 2027 werden 1,7 Prozent erwartet. Im vierten Quartal war die Schweizer Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen, nach einem Rückgang von 0,4 Prozent im dritten Quartal.

Die Erwartungen für die Inflation liessen die Experten in der Schweiz von 0,2 Prozent neu auf 0,4 Prozent hoch setzen. 2027 könnte dann die Inflation auf 0,5 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote wird dieses Jahr auf 3,0 Prozent steigen und erst 2027 wieder auf 2,8 Prozent zurückgehen. Im Dezember waren noch 3,1 Prozent beziehungsweise 2,9 Prozent angesetzt worden.

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Inflation in Europa erreicht neuen Höchststand

In der Europäischen Union ist das Wirtschaftswachstum (saisonbereinigt) im vierten Quartal 2025 sowohl im Euro-Raum als auch in der Gesamtunion um 0,2 Prozent gestiegen. Dies teilte das Statistikamt der Europäischen Kommission Eurostat zuletzt mit. Im Vorquartal war das Wachstum in der EU bei 0,4 Prozent, im Euro-Raum bei 0,3 Prozent gelegen.

Für das Gesamtjahr 2025 wird nun ein Anstieg des BIP im Euro-Raum von 1,4 Prozent (2024 0,9%) und in der EU von 1,5 Prozent (2024 1,1%) ausgewiesen.

Die aktuell wieder steigenden Preise in Europa drücken auf das Portmonee
Die aktuell wieder steigenden Preise in Europa drücken auf das Portmonee

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im März spürbar beschleunigt. Laut einer ersten Schätzung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent, nachdem die Teuerung im Februar noch bei 1,9 Prozent gelegen hatte.

Haupttreiber dieser Entwicklung sind die deutlich gestiegenen Energiepreise, die im Zuge des Ölpreisanstiegs im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt angezogen haben. Damit erreicht die Inflationsrate den höchsten Stand seit Januar 2025.

Allerdings blieb der Anstieg leicht unter den Erwartungen: Ökonomen hatten im Schnitt mit einer Teuerung von 2,6 Prozent gerechnet. Ungeachtet dessen sehen Experten das Risiko weiterer Preissteigerungen, insbesondere falls sich die Energiepreise auf erhöhtem Niveau verfestigen.

USA meldet schwächeres Wachstum im vierten Quartal

Schlüssig über die Wirtschaftslage der USA zu berichten, ist in diesen Tagen im Zeichen des vom Irankrieg ausgelösten weltweiten Energieschocks einigermassen schwierig. Für 2025 war ursprünglich ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent erwartet worden, dann auf 2,4 Prozent nach unten revidiert und übrig geblieben scheinen zum Jahreswechsel 2,1 Prozent.

Der private Konsum in den USA hat im vierten Quartal weniger stark zugenommen als erwartet.

Im vierten Quartal ist die US-Wirtschaft nur um 0,7 Prozent gewachsen (statt der erwarteten 1,4%). Nach 3,8 Prozent im zweiten und 4,4 Prozent im dritten Quartal ist das ein deutlicher Einbruch. Erklärt wird das mit einer schwächeren Zunahme des privaten Konsums (+2% statt +2,4% wie erwartet). Die Exporte sind um 3,3 Prozent zurückgegangen. Ausgelöst durch den Shutdown schrumpften die Staatsausgaben um minus 5,8 Prozent.

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In den USA sind die Verbraucherpreise Anfang Jahr noch gleich hoch geblieben
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Im Februar stieg die Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent gegenüber 4,3 Prozent im Januar. Die Zahl der Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft ist im Februar überraschend stark um 92'000 gefallen, wesentlich stärker als die erwarteten 58'000.

In den USA blieben die Verbraucherpreise im Februar mit einem Anstieg von 2,4 Prozent gleich hoch wie im Januar, was dem niedrigsten Stand seit Mai 2025 entspricht. Die Energiepreise sind wieder leicht angestiegen (0,5%), obwohl Benzin (noch) um minus 5,6 Prozent billiger geworden ist, fallen Heizöl mit plus 6,2 Prozent und Erdgas mit plus 10,9 Prozent deutlich auf. Die jährliche Kerninflation, die Lebensmittel und Energie ausschliesst, blieb mit 2,5 Prozent stabil. Dieser Wert ist der niedrigste seit Januar 2021.

Goldpreis steigt mit Aussicht auf Ende des Iran-Krieges

Der Goldpreis zeigte sich gegen Ende März stabiler als viele erwartet hätten. Nach dem Rücksetzer auf rund 4'100 US-Dollar pro Feinunze konnte sich das Edelmetall wieder über die Marke von 4'500 US-Dollar erholen. Trotz kurzfristigem Druck durch einen starken US-Dollar und steigende Renditen bleibt ein «Crash-Szenario» aus. Mit der Aussicht auf ein Ende des Iran-Krieges erhält auch der Goldpreis positive Impulse.

Viele Aktien-Indizes haben im März stark nachgelassen. Gold machte die Abwärtsbewegung teilwiese mit, jedoch viel weniger ausgeprägt. Das bestätigt einmal mehr seine Rolle als sicherer Hafen. In unsicheren Marktphasen dient es nicht nur als Stabilitätsanker, sondern schützt auch besser vor starken Verlusten als viele andere Anlageklassen.

Entscheidend für die nächsten Wochen wird die US-Zinspolitik sein. Schwache Arbeitsmarktdaten könnten neue Dynamik bringen und Gold wieder nach oben treiben. Gleichzeitig bleibt die strukturelle Nachfrage intakt, insbesondere durch Zentralbanken.

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Analysten warten gespannt darauf, wie die Zinspolitik der US-Notenbank weitergeht.

Analysten beobachten mit grossem Interesse die weitere Konjunkturentwicklung. Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, sprach sich an der Havard University für eine Abwarte-Position aus. Man werde die Inflation beobachten, eine Zinserhöhung sei jetzt noch nicht notwendig. Beobachter erklären die Goldpreiseinbrüche der letzten Zeit mit überwiegend technischen Faktoren an den Terminbörsen, dem stärker gewordenen Dollar und Gewinnmitnahmen.

Auch aufgrund seiner Wertbeständigkeit ist Gold eine besonders beliebte Anlageklasse
Auch aufgrund seiner Wertbeständigkeit ist Gold eine besonders beliebte Anlageklasse

Die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) meldet aktuell einen Zufluss von Gold-ETFs von 108,6 Tonnen in diesem Jahr gegenüber 800,3 Tonnen im Gesamtjahr 2025. Als besonders auffällig wird der asiatische Markt mit einem Zuwachs von 63,6 Tonnen genannt. Europa habe mit 1,4 Tonnen minus leichte Abflüsse zu verzeichnen. Das WGC betont auch die global anhaltende Nachfrage nach Barren und Münzen.

Warum behält Gold auch in Krisenzeiten seinen Glanz? Es hat wohl mit seiner Wertbeständigkeit zu tun. Denn trotz Schwankungen, auf lange Sicht steigt der Goldpreis immer. Schon im antiken Römischen Reich galt Gold als verlässlicher Massstab für Wert. Für eine Unze Gold konnte man sich eine hochwertige Tunika leisten – ein Kleidungsstück, das damals sowohl Alltagstauglichkeit als auch sozialen Status widerspiegelte.

Auch heute reicht eine Unze Gold, um einen massgeschneiderten Anzug zu erwerben. Dies verdeutlicht die langfristige Stabilität der Kaufkraft von Gold. Während Papierwährungen über die Zeit an Wert verlieren können, bleibt Gold ein stiller Referenzpunkt.

Ich wünsche Ihnen eine Woche, in welcher sich Ihre altbewährten Werte auszahlen.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

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