Liechtensteiner übernimmt FIS-Spitze
Text: stz.
Es war eine Wahl auf Messers Schneide und zugleich ein Entscheid mit grosser Signalwirkung für den internationalen Schneesport: Alexander Ospelt ist neuer Präsident der FIS. Der Liechtensteiner gewann die Abstimmung am FIS-Kongress in Belgrad mit 65 zu 64 Stimmen gegen den bisherigen Präsidenten Johan Eliasch. Damit erreichte Ospelt exakt das absolute Mehr, das für die Wahl nötig war.
Die Abwahl Eliaschs markiert einen tiefen Einschnitt. Der schwedisch-britische Unternehmer, der seit 2021 an der Spitze des Weltverbandes stand, war in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Viele Verbände warfen ihm einen autoritären Führungsstil, mangelnde Transparenz und Entscheidungen ohne ausreichende Abstimmung mit den zuständigen Gremien vor. Besonders umstritten waren seine Pläne zur stärkeren Zentralisierung der Vermarktungsrechte.
Auch die finanzielle Entwicklung der FIS sorgte für Unruhe
Mehrere grosse Skinationen warnten vor den Folgen der bisherigen Geschäftspolitik und forderten einen Kurswechsel. Gemäss SRF soll sich das Verbandsvermögen während Eliaschs Amtszeit um mehr als 80 Millionen Franken verringert haben; Eliasch selbst bezeichnete dies als Investition in die Zukunft des Sports. Kurz vor der Wahl hatte auch Urs Lehmann seinen Posten als CEO der FIS nach nur neun Monaten wieder abgegeben.
Mit Ospelt verbinden viele nun die Hoffnung auf einen Neuanfang. Der Rechtsanwalt aus Schaan ist im internationalen Schneesport gut vernetzt. Er war Präsident des Liechtensteinischen Skiverbandes und gehört seit zwei Jahren dem FIS-Council an. Seine Wahl gilt als Votum für mehr Stabilität, Dialog und institutionelle Verlässlichkeit.
Für die FIS kommt der Führungswechsel in einer anspruchsvollen Phase
Der Weltverband muss die wirtschaftliche Basis stärken, das Verhältnis zu den grossen Skiverbänden verbessern und gleichzeitig den Schneesport in Zeiten von Klimawandel, neuen Mediennutzungen und wachsendem globalem Konkurrenzdruck weiterentwickeln. Gefragt ist nun eine Führung, die wirtschaftliche Interessen, sportliche Glaubwürdigkeit und die Anliegen der nationalen Verbände zusammenführt.
Ob damit auch der Weg für eine Rückkehr von Urs Lehmann in eine operative Funktion frei wird, bleibt offen. Der frühere Swiss-Ski-Präsident und ehemalige FIS-CEO hatte den Verband wenige Tage vor der Wahl verlassen. Mit dem Machtwechsel an der Spitze könnte sich die Lage jedoch neu ordnen.