Gast-Kommentar

Kritik an Trumps Kriegsgebaren im Iran nimmt zu

Kritik an Trumps Kriegsgebaren im Iran nimmt zu
Immer mehr Stimmen im US-Kongress fordern von Donald Trump ein Ende des Irankrieges
Lesezeit: 7 Minuten

Angesichts der instabilen Weltlage werden die Wachstumsprognosen in der Schweiz leicht nach unten korrigiert. In Europa dürfte sich die Wirtschaft langfristig merklich abkühlen und auch die US-Wirtschaft wächst nicht mehr so stark wie ursprünglich angenommen. Womöglich als Ablenkungsmanöver gegen die Kritik an Trumps Kriegsgebaren im Iran, steigt der US-Präsident erneut in den Zoll-Streit ein. Der Goldpreis sinkt aktuell, doch Prognosen sehen ein Langfrist-Szenario von 8'000 US-Dollar pro Unze.

Text: Christian Brenner

In der Schweiz trüben die angespannte internationale Lage und die anhaltende Unsicherheit den Konjunkturausblick. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat seine Wachstumsprognose für 2026 deshalb leicht von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt. Für 2027 bleibt die Erwartung hingegen unverändert bei 1,7 Prozent.

Die Wachstumsprognose in der Schweiz wurde für 2026 leicht von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt.

Als wichtigste Belastungsfaktoren nennt das SECO den Krieg im Nahen und Mittleren Osten, die gestiegenen Energiepreise und die daraus resultierende Unsicherheit. Entsprechend vorsichtiger fallen inzwischen auch die Erwartungen für den privaten Konsum und die Exporte aus. Leicht verbessert hat sich dagegen der Ausblick für den Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote wird im Jahresdurchschnitt nun bei 3,0 Prozent gesehen, nachdem zuvor 3,1 Prozent erwartet worden waren.

Im April stiegen die Preise in der Schweiz gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent
Im April stiegen die Preise in der Schweiz gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent

Das vierteljährlich erscheinende Flash-BIP des SECO sieht für das erste Quartal 2026 in der Schweiz ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Zum Wachstum trugen Industrie- und Dienstleistungssektor gleichermassen bei, stellt das SECO fest. Im letzten Quartal 2025 war das Wachstum nur bei 0,2 Prozent gelegen.

Die Inflationsrate lag in der Schweiz von April 2025 bis April 2026 bei 0,6 Prozent. Gegenüber dem Vormonat März stiegen die Preise um 0,3 Prozent. Das Bundesamt für Statistik führt diesen Anstieg vor allem auf höhere Preise für Benzin, Diesel und Heizöl zurück. Teurer wurden auch Luftverkehr und Pauschalreisen ins Ausland. Gesunken sind dagegen die Preise in der Parahotellerie und Hotellerie sowie für Automieten und Carsharing.

Kurzfristiges Aufbäumen der Wirtschaft in Europa

In Europa gibt es bezüglich Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungszahlen kurzfristig positive Impulse, doch langfristig verdüstert sich das Bild. In der Europäischen Union hat das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zugenommen, in der gesamten EU um 0,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das für die Euro-Zone ein Zuwachs von 0,8 Prozent, in der gesamten EU von 1,0 Prozent.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist in beiden Gebieten gegenüber dem letzten Quartal um 0,1 Prozent gestiegen. Im letzten Quartal war die Steigerung noch bei 0,2 Prozent gelegen. Die Beschäftigtenzahl stieg im Euro-Raum um 0,5 Prozent (0,6% im Vorquartal) in der gesamten EU um 0,6 Prozent (so wie im Vorquartal).

Mahlwerk  
Laut EU-Kommission dürfte das BIP-Wachstum in der EU 2026 nur noch 1,1 Prozent betragen
Laut EU-Kommission dürfte das BIP-Wachstum in der EU 2026 nur noch 1,1 Prozent betragen

Die EU-Kommission rechnet in ihrer Frühjahrsprognose 2026 mit einer neuerlichen Abschwächung des BIP-Wachstums. Haupttreiber sind der Energieschock und die höhere Inflation. Die faktische Schliessung der Strasse von Hormus verringerte den Seetransport von Öl und verflüssigtem Erdgas um rund 15 bis 20 Prozent. Schäden an der Energieinfrastruktur führten zusätzlich zu Produktionsausfällen.

Nach 1,5 Prozent BIP-Wachstum im Jahr 2025 dürfte die EU 2026 nur noch um 1,1 Prozent wachsen. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als in der Herbstprognose 2025 angenommen worden war. Gleichzeitig dürfte die Inflation auf 3,1 Prozent steigen und damit um 1 Prozentpunkt höher ausfallen als bisher erwartet. Für die Euro-Zone erwartet die EU-Kommission 2026 jetzt ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent.

Der Arbeitsmarkt im EU-Raum dürfte sich dieses Jahr etwas abkühlen
Der Arbeitsmarkt im EU-Raum dürfte sich dieses Jahr etwas abkühlen

Auch der Arbeitsmarkt schwächt sich ab: Das Beschäftigungswachstum dürfte 2026 auf 0,3 Prozent sinken, die Arbeitslosenquote bei rund 6 Prozent bleiben. Zugleich dürfte das gesamtstaatliche Defizit in der EU von 3,1 Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahr 2025 auf 3,6 Prozent im Jahr 2027 steigen.

Die jährliche Inflationsrate lag im April im Euro-Raum bei 3,0 Prozent (nach 2,6% im März) und 2,2 Prozent im Vorjahr, in der gesamten EU bei 3,2 Prozent nach 2,8 Prozent im März und 2,4 Prozent im Vorjahr.

US-Wirtschaftsprognosen nach unten korrigiert

Das reale Bruttoinlandsprodukt der USA ist im ersten Quartal nach einer aktuellen, zweiten Schätzung des Bureau of Economic Analysis (BEA) um 1,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. In der ersten Veröffentlichung war noch ein Plus von 2,0 Prozent erwartet worden. Im vierten Quartal hatte das Wachstum 0,5 Prozent betragen. Zum Anstieg trugen laut BEA vor allem Exporte, Investitionen, Konsumausgaben sowie Staatsausgaben bei. Die Importe, die in der BIP-Berechnung negativ eingehen, nahmen ebenfalls zu.

Die Abwärtskorrektur gegenüber der Erstschätzung ergibt sich vor allem aus geringeren Investitionen und schwächeren Konsumausgaben. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics stieg die Produktivität im Grosshandel. Die Arbeitslosenquote lag im April unverändert bei 4,3 Prozent, zeigt jedoch im Vergleich zu den Vorjahren eine leichte Abschwächung des Arbeitsmarkts.

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Die Inflation lag in den USA im April mit 3,8 Prozent über den Erwartungen.

Die jährliche Inflationsrate in den USA stieg im April 2026 auf 3,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2023. Gegenüber März nahm sie um 0,5 Prozentpunkte zu und lag damit über den Erwartungen. Haupttreiber war der Energiesektor: Die Energiekosten erhöhten sich um 17,9 Prozent und verzeichneten damit den stärksten Jahresanstieg seit September 2022. Im März hatte das Plus noch 12,5 Prozent betragen. Benzin verteuerte sich um 28,4 Prozent, Heizöl um 54,3 Prozent.

US-Präsident Donald Trump kündigte im Krieg gegen den Iran mehrmals eine Lösung an, doch konnte er den Krieg bislang nicht beenden. Im US-Kongress gab es mittlerweile mehrere sogenannte «War Powers Resolutions», die darauf abzielen, die US-Militärbeteiligung zu beenden oder nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kongresses fortzuführen. Vielleicht als Ablenkungsmanöver gegen die innenpolitischen Misstöne stieg Trump erneut in den Zoll-Streit ein. Die USA haben angekündigt, auf Importe aus rund 60 Volkswirtschaften zusätzliche Zölle von 10 bis 12,5 Prozent zu erheben. Für die Schweiz ist dabei ein Satz von 12,5 Prozent vorgesehen, der den derzeitigen pauschalen 10-Prozent-Zoll ersetzen würde. Die Begründung lautet, dass die betroffenen Länder angeblich nicht genügend gegen Produkte aus Zwangsarbeit-Lieferketten vorgehen.

Potenzial des Goldpreises langfristig bei 8'000 US-Dollar

Der Goldmarkt zeigt sich zum Ende des Monats Mai in einer Verfassung, die vor allem eines widerspiegelt: tiefsitzende Unsicherheit. Die Lage im Iran und im Nahen Osten hat den Markt in eine Richtung gedrängt, in der selbst Gold – sonst Inbegriff des Stabilen – kurzfristig an Halt verliert. Der abrupte Rückgang auf 4'373 US-Dollar am 28. Mai markierte den tiefsten Stand des Monats und verdeutlichte, wie schnell Anleger derzeit Positionen räumen. Dass der Preis sich bis zum Monatsende wieder stabilisierte, ändert wenig am Grundmuster: Der Markt reagiert nervös, und er reagiert schnell.

Besonders deutlich wird das am Terminmarkt. Die Zahl der offenen Kontrakte fiel auf 328'612 – ein Niveau, das zuletzt vor 17 Jahren verzeichnet worden ist. Dieser Rückzug ist kein Zeichen mangelnden Interesses an Gold, sondern Ausdruck eines Umfelds, in dem Marktteilnehmer Risiken konsequent abbauen. Die geopolitische Lage ist unklar, die kurzfristigen Ausschläge schwer kalkulierbar. Zusätzlich macht die Aussicht auf Zinserhöhungen durch die Notenbanken Gold gegenüber verzinsten Anlagen unattraktiver. Allerdings, die rekordhohen Gold-Käufe vieler Zentralbanken dürften langfristig den Goldpreis stützen. Das Ende des Irankrieges könnte damit zu einer neuen Rallye beim gelben Edelmetall führen.

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Wer jetzt in Gold investiert kann stark profitieren, wenn sich die aktuellen Prognosen bewahrheiten
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Nachdem bekanntlich zunächst die amerikanische Grossbank Wells Fargo 8'000 US-Dollar je Unze Gold als denkbares Ziel bis 2027 bekannt gab, doppelt nun die Deutsche Bank nach, wenn auch der Zeithorizont etwas länger ist. Die Analysten der Deutschen Bank erklären in einer Studie, warum Gold in den nächsten fünf Jahren auf 8'000 US-Dollar klettern könnte. Sie beschreiben: Die Welt sei «zurück in einem Kampf der Supermächte». Sie erinnern daran, dass die Zentralbanken bis Ende der Siebzigerjahre bis zu 70 Prozent ihrer Reserven in Gold hielten.

Laut der Deutschen Bank dürften die Goldreserven bei Zentralbanken bald 40 Prozent betragen.

Ihre Prognose basiert auf folgendem Modell: Gold macht derzeit rund 30 Prozent der weltweiten Zentralbankreserven aus. Dieser Anteil dürfte wieder auf etwa 40 Prozent steigen. Die Annahme der Analysten: Je einer Million Feinunzen Gold, die Zentralbanken oder Investoren erwerben, steigt der Goldpreis um ein Prozent. Die 8'000 US-Dollar als Ergebnis der Berechnung bezeichnen sie als «Return of History»-Szenario in einer Welt mit stärkerer geopolitischer Fragmentierung und einer Verlagerung von Reserven aus dem Dollar in Gold, weil sich insbesondere die Schwellenländer vom Dollar loslösen wollen. Aus der Sanktionierung von Russland bei Ausbruch des Ukraine-Krieges haben viele Staaten ihre Lehren gezogen.

Apropos «Return of History»: 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm stand Jim Thorpe am Start – der erste indigene Olympiasieger der Vereinigten Staaten und eines der grössten Leichtathletik-Talente seiner Zeit. Am Morgen seines Wettkampfs stellte er fest, dass seine Laufschuhe gestohlen worden waren. Für viele wäre das das Ende gewesen. Thorpe suchte stattdessen in Abfalleimern nach Ersatz. Er fand ein zusammengewürfeltes Paar alter Schuhe. Einer davon war deutlich zu gross. Also zog er mehrere Socken übereinander an, damit der Schuh halbwegs passte. Mit diesen improvisierten Schuhen trat er an. Und gewann Gold.

Nicht weil die Umstände perfekt waren. Nicht weil er die beste Ausrüstung hatte. Sondern weil er sich entschied, mit dem zu arbeiten, was ihm zur Verfügung stand. Es ist eine bemerkenswerte Erinnerung daran, dass Erfolg oft nicht aus idealen Voraussetzungen entsteht, sondern aus der Fähigkeit, das Beste aus einer unvollkommenen Situation zu machen.

Ich wünsche Ihnen eine Woche, in der Sie aus der Not eine Tugend machen.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

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