Aluminiumbranche trifft sich in Gossau
Text: pd/stz.
Branchenvertreter und Experten diskutierten im «Werk1» in Gossau, wie sich neue Anforderungen auf Unternehmen, Wertschöpfungsketten und Investitionen auswirken. Im Zentrum stand die Frage, wie ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit vereinbart werden können.
Jörg H. Schäfer, Head of Recycling and Sustainability bei Aluminium Deutschland e.V., erinnerte daran, dass Nachhaltigkeit auf drei gleichwertigen Säulen beruhe: Ökologie, Soziales und Wirtschaft. In der öffentlichen Debatte werde Nachhaltigkeit jedoch zunehmend auf CO₂-Reduktion verengt. Dies führe zu steigenden Kosten für Unternehmen, die gleichzeitig im globalen Wettbewerb bestehen müssten.
Schäfer warnte davor, ökologische Kriterien isoliert zu betrachten. Umweltproduktdeklarationen und neue Anforderungen an die Nachverfolgbarkeit von Materialströmen seien mit erheblichem Aufwand verbunden. Wettbewerbsfähigkeit bleibe deshalb eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung.
Ein weiteres zentrales Thema war die Versorgung mit klimafreundlichem Aluminium. Zwar wächst die Nachfrage nach Recycling-Aluminium stark, doch die verfügbaren Mengen reichen bei weitem nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken. Weltweit dürfte der Aluminiumverbrauch bis 2050 nahezu doppelt so hoch sein wie heute. Trotz steigender Recyclingquoten kann ein grosser Teil des Materials wegen langer Produktlebenszyklen erst Jahrzehnte später wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Verpflichtende Rezyklatquoten könnten deshalb zu Marktverzerrungen und Engpässen führen.
Andreas Steffes, Mitglied der Geschäftsleitung von Handel Schweiz, Geschäftsführer des Verbands Schweizerischer Stahl- und Haustechnik sowie des Dachverbands metal.suisse, zeigte auf, dass sich die Welt zunehmend vom Freihandel entfernt. Schutzmassnahmen, Zölle und industriepolitische Eingriffe prägten immer stärker die internationale Wirtschaftspolitik. Besonders die USA und die Europäische Union setzten vermehrt auf die Absicherung strategischer Industrien wie Stahl und Aluminium.
Kritisch äusserte sich Steffes zum europäischen Carbon Border Adjustment Mechanism, mit dem CO₂-Kosten von Importen jenen der inländischen Produktion angeglichen werden sollen. Aus seiner Sicht drohen steigende Materialkosten, eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit und eine weitere Verlagerung von Produktion ins Ausland. Von einer eigenen Schweizer Lösung hält Steffes nichts.
Für die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft seien Abschottung und Schutzzölle kein gangbarer Weg. Sie müsse ihre Stärken vielmehr über Innovation, Produktivität und internationale Vernetzung ausspielen. Die Unsicherheit über künftige Rahmenbedingungen erschwere zudem Investitionsentscheide. Unternehmen müssten laufend in Effizienz und technologische Spitzenleistungen investieren, während regulatorische Anforderungen, Energiepreise und handelspolitische Risiken zunähmen.
Der Kongress endete mit einer Besichtigung des Recyclingunternehmens soRec in Gossau. Dort wurde gezeigt, wie moderne Recyclingprozesse zur Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe beitragen. Für die Branche steht fest: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden künftig noch wichtiger. Ihr Erfolg hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfähig bleiben.