Ex-FCSG-Aktionäre brechen Schweigen
Text: stz.
Die vergangenen Wochen haben hohe Wellen rund um den FC St.Gallen 1879 geworfen. Nun melden sich die langjährigen FCSG-Aktionäre Roland Gutjahr, Martin Jäger, Ernst Eisenhut und Patrick Thoma mit einem gemeinsamen Statement zu Wort. Sie wollen, wie sie schreiben, einige Hintergründe erläutern, damit die Ereignisse besser eingeordnet werden können.
Ausgangspunkt war nach Darstellung der Aktionäre der Ende 2026 auslaufende Arbeitsvertrag von Präsident Matthias Hüppi. Deshalb habe man frühzeitig die Führungszukunft des FCSG absichern und mögliche Lösungen sorgfältig vorbereiten wollen. In einem persönlichen Gespräch am 11. März 2026 fragten die Aktionäre Matthias Hüppi, ob er bereit wäre, dem Club auch über Ende 2026 hinaus zur Verfügung zu stehen, allenfalls in Teilzeit oder in einem Mandatsverhältnis.
«Unser Wunsch war es, Kontinuität, Erfahrung und Stabilität für Grün-Weiss zu bewahren», schreiben Roland Gutjahr, Martin Jäger, Ernst Eisenhut und Patrick Thoma. Zudem sei die Idee eingebracht worden, Hüppi zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Dieser habe um Bedenkzeit gebeten und zugesagt, seine Entscheidung nach seinen Ferien spätestens Ende Juni mitzuteilen.
Am gleichen Tag sei auch Christoph Hammer gefragt worden, ob er bereit wäre, zu einem späteren Zeitpunkt das Präsidium zu übernehmen, falls Matthias Hüppi diese Aufgabe nicht mehr weiterführen möchte. Ziel sei ein sorgfältig abgestimmter und gemeinsam geplanter Übergang gewesen.
Gleichzeitig habe Peter Germann signalisiert, im kommenden Jahr zurücktreten zu wollen. Deshalb habe das gesamte Aktionariat nach einer Lösung gesucht, bei der die Verantwortung für die sportliche Zukunft und die Teamzusammenstellung auf mehrere Schultern verteilt werden könne. Zudem sei vorgeschlagen worden, im Bereich Recht eine Frau in den Verwaltungsrat aufzunehmen, auch als Antwort auf den wiederholt geäusserten Wunsch nach einer breiteren und zeitgemässen Vertretung.
Dieses Vorgehen sei innerhalb des Kreises der Hauptaktionäre jederzeit abgestimmt und einstimmig beschlossen worden
Umso überraschter seien die Aktionäre gewesen, als sie am 28. März 2026 die Rücktrittserklärung von Benedikt Würth sowie von den Mitunterzeichnern Peter Germann, Christoph Hammer und Patrick Gründler erhalten hätten. Diese Rücktritte seien nicht auf die Generalversammlung hin angekündigt worden, sondern bereits auf das Ende des Geschäftsjahres per 30. Juni 2026.
Dadurch sei der geplante sanfte Übergang erheblich erschwert worden. Hätten die Aktionäre nach dem Rücktritt von vier der insgesamt sechs Verwaltungsräte nichts unternommen, wäre die strategische Leitung des FC St.Gallen ab dem 1. Juli 2026 praktisch handlungsunfähig gewesen. Man sei dadurch abrupt unter massiven Druck geraten und zeitlich enorm gefordert gewesen, die Zusammensetzung eines neuen Verwaltungsrates vorzubereiten.
Dies sei weiterhin in der Hoffnung geschehen, dass Matthias Hüppi dem Club mindestens bis 2027 als Präsident erhalten bleibe. Nachdem Christoph Hammer seinen Rücktritt erklärt und sich damit als möglicher künftiger Präsident aus dem Rennen genommen habe, sei Stefan Kölliker für eine mögliche Nachfolge von Matthias Hüppi angefragt worden.
Die möglichen neuen Kandidaten, darunter eine Frau, seien den damals amtierenden Verwaltungsräten unter Geheimhaltung zur Kenntnis gebracht worden. Gleichzeitig seien diese gebeten worden, den Übergangsprozess zu begleiten, damit eine geordnete und reibungslose Stabsübergabe möglich werde.
Ziel sei eine Fortführung der bewährten und erfolgreichen Strategie gewesen, unter Berücksichtigung ökonomischer und risikobewusster Handlungen. Damit sollten identifizierte wirtschaftliche Risiken reduziert und gleichzeitig die Basis gelegt werden, um auch künftig sportliche Spitzenleistungen zu ermöglichen.
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Nach dem Cupsieg habe sich die Situation jedoch in eine Richtung entwickelt, die alle Beteiligten bedauerten
Die Aktionäre schreiben, sie seien von den unmittelbar nach dem Spiel getätigten Aussagen und Ereignissen überrumpelt worden. Nicht, weil sie naiv gewesen seien, sondern weil sie von einem Konsens ausgegangen seien, die Übergangsphase zum Wohl des Clubs geordnet und gemeinsam zu gestalten.
«Eines möchten wir jedoch festhalten: Nie, aber wirklich nie, war es unsere Absicht, etwas Erfolgreiches zu zerstören. Wie könnten wir auch? Seit neun Jahren haben wir mit grossem Engagement dazu beigetragen, dass aus dem kleinen Pflänzchen Grün-Weiss ein starker Baum wachsen konnte», heisst es im Statement.
Um der verworrenen Situation rasch ein Ende zu setzen, hätten Martin Jäger, Ernst Eisenhut, Roland Gutjahr und Patrick Thoma gemeinsam mit allen Hauptaktionären in einer kurzfristig einberufenen Sitzung mit schwerem Herzen beschlossen, ihre Aktien den Aktionären Philipp Bienz, Remo Bienz, Rolf Schubiger, der Brauerei Schützengarten AG, Patric Müller und Jérôme Müller zum Verkauf anzubieten. Damit wollen sie einen Beitrag zur Beruhigung der angeheizten Situation leisten.
Die vier Aktionäre hoffen, dass es dem kleineren Aktionärskreis gelingt, wieder Brücken zu bauen und einen gemeinsamen Weg mit dem bisherigen Verwaltungsrat zu finden. Der FC St.Gallen solle auch in den kommenden Jahren erfolgreich, stabil und geeint in die Zukunft gehen können.
«Wir wünschen allen Beteiligten viel Erfolg, kluge Entscheidungen und den nötigen Zusammenhalt. Tragt Sorge zu unserem grün-weissen FC St.Gallen 1879 und bewahrt das, was diesen Verein so besonders macht. Hopp Sanggalle!», schliessen Roland Gutjahr, Martin Jäger, Ernst Eisenhut und Patrick Thoma ihr Statement.