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Schulden steigen weltweit – Franken gewinnt weiter an Stärke

Schulden steigen weltweit – Franken gewinnt weiter an Stärke
Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile
Lesezeit: 2 Minuten

Eine aktuelle Analyse von Raiffeisen Schweiz zeigt: Der Schuldenpfad vieler Staaten dürfte sich fortsetzen, begleitet von zunehmender finanzieller Repression. Gleichzeitig rückt die Schweiz noch stärker in die Rolle eines sicheren Hafens – mit entsprechend steigendem Aufwertungsdruck auf den Franken.

Text: pd/stz.

Die Tragfähigkeit öffentlicher Haushalte wird angesichts wachsender Schuldenberge und steigender Zinskosten zunehmend infrage gestellt. Ein nachhaltiger Schuldenabbau durch starkes Wirtschaftswachstum und konsequente Sparpolitik erscheint derzeit unrealistisch. Stattdessen dürfte in vielen Ländern versucht werden, die Schuldenlast über tiefere Realzinsen schrittweise zu entwerten.

«Wachstum allein wird das globale Schuldenproblem nicht lösen, und eine harte Sparpolitik ist politisch schwer durchsetzbar. Darum dürfte in vielen Ländern die finanzielle Repression – also die Entlastung des Staatshaushalts auf Kosten der Sparer – in den kommenden Jahren zunehmen», sagt Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen.

Die Schweiz nimmt in diesem Umfeld eine Sonderrolle ein. Dank Schuldenbremse konnte die Schuldenquote seit der Jahrtausendwende gesenkt werden, während sie international weiter steigt. In Kombination mit stabilen Rahmenbedingungen und vergleichsweise tiefen Zinsen macht dies den Standort besonders attraktiv – und erhöht den Druck auf den Franken zusätzlich.

Makroökonomische Faktoren wie der Leistungsbilanzüberschuss und das hohe Nettoauslandsvermögen sprechen ohnehin für eine strukturelle Aufwertung der Schweizer Währung. Die zunehmende Verschuldung im Ausland verstärkt diesen Trend weiter. Damit gerät auch die Schweizerische Nationalbank in eine schwierige Lage: Klassische Instrumente wie Negativzinsen oder Deviseninterventionen stehen zwar zur Verfügung, werden wegen ihrer Nebenwirkungen jedoch nur noch zurückhaltend eingesetzt. Andere Optionen gelten derzeit als kaum realistisch, eine überzeugende Lösung ist nicht in Sicht.

Trotz des starken Frankens zeigt sich die Schweizer Exportwirtschaft bemerkenswert robust. Die Exporte erreichten 2025 erneut ein Rekordniveau. Entscheidend ist dabei weniger der Wechselkurs als vielmehr die globale Nachfrage. Schweizer Unternehmen profitieren von ihrer Spezialisierung auf hochwertige, wissensintensive und schwer substituierbare Produkte.

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Gleichzeitig beschleunigt die Frankenstärke den strukturellen Wandel innerhalb der Exportwirtschaft:

Branchen wie Chemie, Pharma und Präzisionsindustrie gewinnen weiter an Gewicht, während preissensitive Sektoren wie Maschinenbau, Metall, Glas oder Textilien an Bedeutung verlieren. Dadurch wird die Exportwirtschaft insgesamt weniger anfällig gegenüber Wechselkursschwankungen.

Diese Entwicklung hat jedoch auch eine Kehrseite. Die Konzentration auf wenige Branchen und grosse Unternehmen nimmt zu. So steht die Pharmaindustrie inzwischen für mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte, und in wichtigen Wachstumsbereichen entfällt ein grosser Teil der Ausfuhren auf wenige Konzerne.

«Die Schweiz profitiert von ihrer Spezialisierung, macht sich dadurch aber auch verletzlicher. Ein branchenspezifischer Schock hätte heute deutlich grössere volkswirtschaftliche Auswirkungen als noch vor zehn Jahren», sagt Hasenmaile.

Insgesamt bestätigt die Analyse die Rolle der Schweiz als stabiler Anker in einer zunehmend verschuldeten Welt. Dieses Vertrauen stärkt zwar den Standort, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf die Währung. Für exportorientierte Unternehmen bleibt der starke Franken damit ein zentraler Wettbewerbsfaktor.

Umso wichtiger wird der professionelle Umgang mit Währungsrisiken. Geeignete Absicherungsstrategien können kurzfristige Schwankungen dämpfen und Planungssicherheit schaffen. Diese bildet die Grundlage dafür, dass Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und weiter ausbauen können.

Der Raiffeisen-Wirtschaftsmonitor Q1 2026

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