Ölkrise trifft Schweiz heute weniger hart als 1973
Text: pd/stz.
2026: hohe Energieeffizienz dämpft Kriseneffekte
Die Analyse zeigt allerdings auch, dass weiterhin Abhängigkeiten bestehen und die Transformation zu einer energieautarkeren Schweiz noch unvollendet bleibt. Die Eidgenossenschaft importiert nach wie vor 68 Prozent der genutzten Energie, vor allem Erdöl und Erdgas.
Während die Wirtschaft und insbesondere die Industrie ihre Ölabhängigkeit durch Effizienzgewinne und strukturelle Verschiebungen markant reduziert haben, bleibt der fossile Energieverbrauch bei Haushalten und insbesondere im Verkehr hoch. Rund drei Viertel des gesamten Ölverbrauchs entfallen heute auf den Verkehr, der Rest geht zu einem grossen Teil auf Ölheizungen zurück.
Gleichzeitig hat sich der Exportanteil am BIP seit 1970 fast verdoppelt. Dadurch ist die Schweiz heute wesentlich stärker von der globalen Konjunktur abhängig. Ein weltweiter Wirtschaftsabschwung kann die Schweiz daher auch dann treffen, wenn die Energiepreise für die inländische Produktion grundsätzlich verkraftbar sind. Ein Teil der Abhängigkeit ist demnach geblieben und hat bloss die Form gewechselt.
Die aktuelle Energiekrise bringt auch potenzielle Gewinner hervor. In der Schweiz ist dies insbesondere der Rohstoffhandel. Drei der weltweit führenden Rohstoffhändler haben ihren Sitz in der Schweiz. Sie profitieren von erhöhter globaler Volatilität und haben dies bereits in früheren Krisen unter Beweis gestellt.
Zwar macht der Sektor nur einen kleinen Teil der Gesamtbeschäftigung aus, in einzelnen Regionen trägt er jedoch spürbar zu höheren Steuereinnahmen bei. Zudem kann er in Krisenzeiten eine stabilisierende Wirkung auf das BIP ausüben.
Die heutige Schweiz ist energieeffizienter, diversifizierter und institutionell stabiler. Trotzdem ist sie vor neuen Energiekrisen nicht völlig gefeit, wie der Beginn des Ukrainekriegs 2022 gezeigt hat. Auch die aktuelle Krise kann wie die Ölkrisen der 1970er-Jahre als Anlass dienen, die Transformation weiter voranzutreiben und die Schweiz noch unabhängiger, energieeffizienter und resilienter aufzustellen.
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