St.Gallen

FCSG krönt 26 Jahre Sehnsucht mit dem Cuptitel

FCSG krönt 26 Jahre Sehnsucht mit dem Cuptitel
Der FC St.Gallen 1879 hat es geschafft
Lesezeit: 4 Minuten
Die Espen schlagen den FC Stade Lausanne-Ouchy im ausverkauften Wankdorf mit 3:0 und holen erstmals seit 26 Jahren wieder einen Titel in die Ostschweiz. Gaal, Görtler und Witzig schreiben St.Galler Fussballgeschichte.

Text: stz.

Der FC St.Gallen 1879 ist Cupsieger. Nach 26 langen Jahren ohne Titel hat die Ostschweiz wieder ihren grossen Fussballmoment. Im ausverkauften Wankdorf setzte sich die Mannschaft von Enno Maassen gegen den FC Stade Lausanne-Ouchy mit 3:0 durch. Es war ein Final voller Emotionen, Dominanz, Drama, Nervenstärke und am Ende grenzenloser St.Galler Freude.

Schon vor dem Anpfiff war spürbar, dass dieser Nachmittag mehr war als ein gewöhnliches Fussballspiel.

Die St.Galler Fans verwandelten Bern in eine grün-weisse Festhütte. Aus voller Kehle sangen sie ihre Mannschaft nach vorne, und kaum rollte der Ball, war klar: Diese Espen wollten diesen Titel nicht einfach gewinnen, sie wollten ihn erzwingen.

Bereits nach wenigen Sekunden reklamierten die St.Galler ein mögliches Handspiel im Lausanner Strafraum. Schiedsrichter Luca Cibelli liess weiterspielen. Doch der FC St.Gallen blieb sofort im Vorwärtsgang. Aliou Baldé erlief auf der linken Seite einen Ball, suchte Alessandro Vogt im Zentrum und erhielt dafür den ersten Szenenapplaus. Der Druck war früh da.

In der achten Minute explodierte der St.Galler Anhang erstmals.

Nach einem Freistoss brachte Lukas Görtler den Ball nach links zu Aliou Baldé. Dieser legte per Kopf in die Mitte, wo Tom Gaal entschlossen reagierte und den Ball zur frühen Führung ins Tor spitzelte. Der Verteidiger wurde damit zum ersten grossen Helden dieses Cupfinals.

Stade Lausanne-Ouchy fand nur schwer in die Partie. Die Mannschaft um Captain Nicola Sutter wurde immer wieder unter Druck gesetzt. Malko Sartoretti sah bereits in der sechsten Minute Gelb nach einem Foul an Jozo Stanic. Der FC St.Gallen blieb spielbestimmend, suchte über Lukas Daschner, Carlo Boukhalfa und Mihailo Stevanovic immer wieder den Weg nach vorne.

Aliou Baldé war in der ersten Halbzeit ein ständiger Unruheherd.

Nach einem herrlichen Aussenristpass von Carlo Boukhalfa dribbelte er sich durch die Lausanner Defensive, brachte den Abschluss aber nicht gefährlich genug aufs Tor. Wenig später setzte er erneut zum Abschluss an. Auch Tom Gaal hatte nach einem starken Lauf über rechts die Chance auf seinen zweiten Treffer, doch Léo Besson konnte den Schuss erst im Nachfassen kontrollieren.

Stade Lausanne-Ouchy kam nur vereinzelt gefährlich nach vorne. Landry Nomel tauchte nach 20 Minuten links vor Lukas Watkowiak auf, setzte seinen Flachschuss aber am Tor vorbei. Auf der anderen Seite zwirbelte Lukas Daschner einen Freistoss gefährlich vor das Tor, wo Lukas Görtler für Unruhe sorgte. Die Lausanner klärten mit Mühe.

Nach einer Trinkpause bei sommerlichen Temperaturen blieb der FC St.Gallen dominant. Die Espenfans genossen jeden gelungenen Zweikampf, jeden Vorstoss und jede gelungene Aktion. Doch kurz vor der Pause kippte die Stimmung plötzlich.

In der 44. Minute kam es zur grossen Schrecksekunde.

Lukas Watkowiak wartete bei einem Abstoss lange, schoss dann den pressenden Lausanner Spieler an und zog ihn anschliessend an den Hosen zurück. Schiedsrichter Luca Cibelli zückte Rot. Der FC St.Gallen stand plötzlich nur noch mit zehn Mann auf dem Platz.

Für Alessandro Vogt war der Final damit bitter früh zu Ende. Enno Maassen musste reagieren und brachte Lawrence Ati Zigi für den Stürmer. Der fällige Freistoss für Stade Lausanne-Ouchy brachte nichts ein, doch die Partie hatte nun ihr Drama. Zur Pause führte der FC St.Gallen zwar verdient mit 1:0, musste aber eine ganze Halbzeit in Unterzahl überstehen.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich, was diese Mannschaft an diesem Nachmittag auszeichnete.

Der FC St.Gallen zog sich nicht einfach zurück, sondern arbeitete leidenschaftlich weiter. Aliou Baldé lief unermüdlich an, half nach hinten mit und war zeitweise der erste Defensivspieler. Die Espenfans sangen derweil voller Überzeugung: «De FCSG wird Cupsieger!»

Trotz Unterzahl blieb St.Gallen gefährlich. Aliou Baldé profitierte beinahe von einem Missverständnis in der Lausanner Hintermannschaft, legte sich den Ball aber etwas zu weit vor. Im direkten Gegenzug hatte Landry Nomel die grosse Ausgleichschance, schob den Ball aber rechts am Tor vorbei. Es war die Erinnerung daran, dass in diesem Final noch nichts entschieden war.

In der 59. Minute forderten die St.Galler nach einer heiklen Szene mit Aliou Baldé im Strafraum lautstark Penalty. Zunächst lief das Spiel weiter. Nach einem weiteren Angriff, bei dem Carlo Boukhalfa knapp am Tor vorbeischoss, schaltete sich der VAR ein. Vier lange Minuten dauerte die Überprüfung. Dann war die Entscheidung da: Penalty für den FC St.Gallen.

Lukas Görtler übernahm Verantwortung.

Der Captain trat an und versenkte den Ball in der 65. Minute souverän zum 2:0. In diesem Moment bebte das Wankdorf. Görtler, der Anführer, der Antreiber, der emotionale Mittelpunkt dieser Mannschaft, hatte St.Gallen ganz nahe an den Titel geschossen.

Doch Stade Lausanne-Ouchy gab sich nicht geschlagen. In der 70. Minute traf Vasco Tritten den Pfosten. Lawrence Ati Zigi wäre geschlagen gewesen. Es war der letzte grosse Warnschuss an einem Nachmittag, an dem der FC St.Gallen zwar vieles im Griff hatte, aber bis tief in die Schlussphase hinein arbeiten musste.

Enno Maassen brachte frische Kräfte. Colin Kleine-Bekel und Fabrizio Cavegn Besio kamen für den angeschlagenen Jozo Stanic und den ausgepumpten Aliou Baldé. Später wurden auch Victor Ruiz und Christian Witzig eingewechselt. Und dieser letzte Wechsel schrieb die perfekte Pointe.

Kaum 20 Sekunden stand Christian Witzig auf dem Platz, da erzielte er in der Nachspielzeit das 3:0.

Der Joker machte den Deckel drauf, das Wankdorf wurde endgültig zur St.Galler Partyzone. Nach neun Minuten Nachspielzeit pfiff Luca Cibelli ab. Der FC St.Gallen 1879 war Cupsieger.

30’671 Zuschauer sahen einen Final, der alles hatte: eine frühe Führung, eine Rote Karte, einen VAR-Penalty, einen Pfostenschuss, grosse Emotionen und einen Schlusspunkt wie aus einem Drehbuch. In der 79. Minute hatten die St.Galler Fans mit einer Schalparade und «Espenmoos»-Gesängen bereits für Gänsehaut gesorgt. Nach dem Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

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