Der neue NZZ-Chef und seine St.Galler Connection
Text: stz.
Die NZZ hat ihre wichtigste Personalfrage entschieden: Mark Dittli folgt auf Eric Gujer, der die neu geschaffene Funktion des Herausgebers Deutschland übernimmt. Dittli ist Mitgründer und Geschäftsführer des Finanzmagazins «The Market», das seit Ende 2023 vollständig zur NZZ gehört. Seine Ernennung ist damit ein Wechsel innerhalb der Mediengruppe.
Eine frühere Station seiner Laufbahn führt zu einem St.Galler Unternehmen. Anfang 2018 wechselte Dittli nach seiner Zeit als Chefredaktor der «Finanz und Wirtschaft» in einem Teilzeitpensum zur «Republik». Im Juni übernahm er vorübergehend auch deren Chefredaktion. Gemeinsam mit der damaligen Chefin vom Dienst Andrea Arezina leitete er die Redaktion bis zum Herbst.
Zu den finanziellen Geburtshelfern des Magazins gehörte die St.Galler Mettiss AG. Die «Republik» führte das aus der Textilbranche hervorgegangene Immobilienunternehmen in ihrem Finanzierungsplan vom November 2017 ausdrücklich als einen von drei Anschubfinanzierern auf. Die Beteiligung erfolgte demnach im Rahmen des sozialen und kulturellen Engagements der Firma.
Hinter diesem Engagement steht Michael Mettler
Der Architekt ist Geschäftsführer des Familienunternehmens und der Bruder des Bieler Innovationsberaters Markus Mettler. Dieser wiederum ist mit Nadja Schnetzler verheiratet, einer Mitgründerin der «Republik». Michael Mettler unterstützte über die Mettiss AG somit ein Medienprojekt, das seine Schwägerin mit aufgebaut hatte.
Zum Familienkreis gehört auch Nemo: Der Sohn von Nadja Schnetzler und Markus Mettler gewann 2024 den Eurovision Song Contest für die Schweiz. Michael Mettler unterstützte Nemo öffentlich und rief vor dem Wettbewerb zur Stimmabgabe auf.
Die Mettiss AG ist weiterhin in der öffentlich zugänglichen Aktionärsliste der «Republik» aufgeführt. Dort werden ihr 4445 Aktien zugerechnet, entsprechend 1,5 Prozent des Aktienkapitals und 0,4 Prozent der Stimmen.
Die Beteiligungsquote bildet die ursprüngliche Finanzierung allerdings nicht vollständig ab: Laut Finanzierungsplan floss der überwiegende Teil der Investitionen der damaligen Geldgeber in Darlehen mit Rangrücktritt.
Dittlis «Republik»-Vergangenheit spielt auch in der politischen Einordnung seiner Wahl eine Rolle
Lukas Hässig greift auf «Inside Paradeplatz» die Zuschreibung Dittlis als «ein wenig verkappter Linker» auf und verweist dabei auf dessen frühere Tätigkeit beim Onlinemagazin. Die NZZ selbst betont bei seiner Ernennung dagegen seine liberale Grundhaltung sowie seine journalistische und unternehmerische Erfahrung.
Eine besondere Pointe liefert Michael Mettler selbst. Am 17. November 2024 veröffentlichte er auf LinkedIn sein Kündigungsschreiben an die NZZ. Anlass war eine Werbekampagne mit Donald Trump. «Unter Ihrer redaktionellen Führung ist die NZZ entgleist», schrieb er an Eric Gujer. Künftig wolle er mehr Zeit der «Republik», dem «Guardian» und anderen Medien widmen.
Nun übernimmt mit Dittli ein früherer Chefredaktor des von Mettiss mitfinanzierten Magazins die Nachfolge jenes Mannes, mit dessen Kurs Mettler öffentlich gebrochen hatte.