Ostschweiz

Tourismusgipfel in luftiger Höhe

Tourismusgipfel in luftiger Höhe
Paul Dominik Hasler, Christof Sonderegger, Hansruedi Müller, Benedikt Weibel, Peter Hummel, Nicolò Paganini, Pia Wertheimer, Markus Spring, Thomas Kirchhofer, Hans Peter Danuser und Urs Brütsch
Lesezeit: 3 Minuten

Eine Handvoll ausgewählter Tourismusprofis hat sich am 30. Juni in der Ostschweiz zum informellen «Tourismusgipfel» getroffen. Gegenstand waren die erfreulichen Entwicklungen beim Randwandern sowie die Perspektiven, die sich der Region und der Schweiz damit bieten.

Mit von der Partie waren Vertreter von Herzroute und Bodensee-Radweg, zwei Pionierprojekten in diesem Segment. Ebenso dabei war eine Gruppe hochkarätiger und erfahrener Tourismusfüchse (R.E.D «Retired Extremely Dynamic»), welche die Entwicklungen kommentierten und auszuwerten halfen.

Boom Radwandern
Das Radwandern beschert der Schweiz Zuwachsraten im Tourismus, die bemerkenswert sind. Gerade aufgrund der Einschränkungen im Reisebereich (Corona und Massnahmen) entwickelt sich der heimische Markt prächtig. Das Radwandern nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Mehrere Regionen haben diese Chance erkannt und warten auf mit neuen Angeboten oder einem verstärkten Streckennetz.

Pionierin in Sachen E-Bike-Radwandern ist die Herzroute, welche im kommenden Jahr auf 20 Jahre einer Erfolgsgeschichte zurückblickt. Sie diente am Gipfel als Blaupause und Inspiration für weitere Projekte. Aber auch der Bodenseeradweg wird 40 und darf als Pionierleistung gelten, auf die noch heute aufgebaut werden kann.

Fokus Ostschweiz
Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen Bodensee Tourismus zeigte auf, wie das Radwandern immer mehr Profil bekommt in der Tourismusszene. Er stellte dabei auch den Gravel-Event «DEAD ENDS & cake» von Initiant Dominik Bokstaller vor.

Eine von Graubünden Ferien kürzlich in Auftrag gegebene Studie schlüsselt die unterschiedlichen Radreisetypen auf und zeigt die Relevanz der Zielgruppen auf. Mit dem Genussfahrer ist eine zentrale Gästeschaft vorhanden. Dieser kommt mehrheitlich per E-Bike in unsere Gegend und bringt erfreuliche Umsätze dank Qualitätsbewusstsein, fortgeschrittenem Alter und breitem Interesse an Kultur und Region.

Die St.Gallen-Bodensee Tourismus hat sich daher zusammen mit Thurgau Tourismus mit zwei neuen Angeboten am Markt positioniert:

  • Velo-Rallye Bodensee: Ein Mix aus Sehenswürdigkeiten und Zusatzstrecken, welche sich spezifisch an die Gäste des Bodensee-Radweges richten. Mit einem Abstecher ins «Hinterland» öffnen sich neue Qualitäten und Weitblicke. Damit reagiert man auch auf die zuweilen knapp werden Kapazitäten auf dem Bodenseeradweg, der an guten Tagen bis 4'000 Personen pro Messstelle zählen kann. Nehmen nur 5% dieser Gäste einen «Umweg» in Kauf, wird dies spürbar sein für die neu angepriesenen Destinationen.
  • Rheinwelten: RheinWelten verläuft auf dem bestehenden Radwegnetz vom Oberalppass bis zur Grenze in Basel entlang des Rheins. In 14 Erlebniswelten entdecken Reisebegeisterte mit dem E-Bike regionale, kulinarische und kulturelle Highlights. Damit wird eine Strecke aufgewertet, die bis anhin schön zum Fahren war (Rheindamm), der Region aber wenig Wertschöpfung brachte.

Fokus Schweiz
Mit der Herzroute steht der Ostschweiz eine nationale Infrastruktur erster Güte zur Verfügung. Die Strecke startet am Bodensee in Rorschach und führt über 13 Tagesetappen und erstaunliche 720 Kilometer zum Genfersee.

Das Projekt, das 2003 seinen Anfang nahm, darf heute als die Pionierroute in Sachen E-Bike-Tourismus gesehen werden und steht in vielerlei Hinsicht auch heute noch als Massstab da:

  • IIdeale Verzahnung mit dem Öffentlichen Verkehr durch E-Bike-Vermietung an allen Etappenpunkten (Bahnhöfe). Sanfter Tourismus beginnt mit der Anfahrt.
  • Hohes Serviceniveau durch einen kostenlosen Routenführer, zweisprachig, 300 Seiten stark. Keine andere Radstrecke der Welt bietet dieses Niveau an Information und Serviceleistung.
  • Starke Partnerschaften mit über 300 Betrieben an der Strecke, sodass die Reise mehr als nur Fahren umfasst. Inzwischen sind die Strecken belebt durch eine Vielzahl kleiner Angebote am Weg.
  • Spürbarer Wertschöpfungseffekt gerade in ruralen Gegenden, wo Landwirtschaft und Gemeinden auf einen Zustupf angewiesen sind.

Paul Dominik Hasler, Begründer und Streckenchef der Herzroute, zeigte auf, was in diesen 20 Jahren erreicht wurde, und machte mit einer Bemerkung deutlich, dass allenfalls auch die Ostschweiz in den Genuss einer «Herzschlaufe» gelangen könnte, die derzeit in Entwicklung ist.

Prominente Fachleute
Das gemeinsame Gipfeltreffen wurde spannend durch die Reflexionen der versammelten Gäste. Eine illustre Runde reflektierte die genannten Trends und zeigte auf, wie die Thematik aus ihrer Blickrichtung zu werten ist:

  • Hans Peter Danuser von Platen, ehemaliger Kur- und Verkehrsdirektor von St.Moritz, Dozent für Tourismus und Branding, Verwaltungsrat Herzroute AG
  • Hansruedi Müller, Tourismusprofessor Universität Bern
  • Urs Brütsch, Berater Mobilität und Tourismus, UB Services GmbH
  • Nicolò Paganini, Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Tourismusverbandes
  • Christof Sonderegger, langjähriger Starfotograf der Schweizerischen Tourismusszene
  • Benedikt Weibel, ehemaliger Generaldirektor der SBB und Experte in Sachen Mobilität und Tourismus
  • Roland Huber, ehemaliger Tourismusdirektor diverser Destinationen, swiss50plus
  • Markus Spring, Tourismusprofi und Herzrouten-Fan

Mit einer gemeinsamen Fahrt von Altstätten über den St.Anton auf den Rossbüchel (Fünfländerblick) konnte den nationalen Gästen auch gleich die imposante Szenerie von Herzroute und Bodenseegebiet demonstriert werden.

Die anschliessende Diskussion zeigte auf, dass in einem dichten Land wie der Schweiz, der sanfte Tourismus die einzige Lösung ist, eine hohe Erlebnisqualität ohne ein weiteres Ansteigen des Autoverkehrs und der negativen Effekte zu bekommen.

Thomas Kirchhofer präsentiert die neuen Projekte im Perimeter Ostschweiz
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