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Rheintaler Wirtschaftsforum: Mit Bauchgefühl aus der Krise

Rheintaler Wirtschaftsforum: Mit Bauchgefühl aus der Krise
Nestle-CEO Mark Schneider: «Die 2020er-Jahre werden auf geisterhafte Weise den 1970er-Jahren gleichen.»
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Der Krisenmodus hält Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Atem. Das 27. Rheintaler Wirtschaftsforum, das dem Thema Risiko gewidmet war, hätte aktueller nicht sein können. Die Referate skizzierten Wege in und aus der Krise.

Alle Bilder des Events finden Sie hier.

Beim letzten Rheintaler Wirtschaftsforum im Januar 2020 stand noch die Klimakrise im Fokus, dann kam die Corona-Pandemie, im Februar 2022 folgte der Angriff Russlands auf die Ukraine. Im dritten Anlauf konnte das 27. Wirtschaftsforum in der Aegetenhalle in Widnau am 2. Juni mit über 700 Teilnehmenden erfolgreich durchgeführt werden. Die geopolitische und wirtschaftliche Lage der letzten Monate und Jahre bot reiches Anschauungsmaterial für das Thema des Forums: «Risiko, Verantwortung, Führung – wie wir in und nach Krisen zukunftsfähig bleiben».

Mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Nestlé-CEO Mark Schneider, Risikoforscher Gerd Gigerenzer, Migros-Chefin Ursula Nold und Überraschungsgast Matthias Hüppi war das Wirtschaftsforum wiederum hervorragend besetzt.

Wahl zwischen zwei Übeln

«Wir müssen damit leben, dass wir nicht in einem perfekten System leben», sagte EJPD-Vorsteherin Karin Keller-Sutter. Da gebe es auch mal Spannungen, und nicht jeder tatsächliche oder vermeintliche Widerspruch könne immer aufgelöst werden. «Dieses Kunststück schaffen nur Ideologien.» Gerade während der Corona-Krise habe der Bundesrat immer wieder «zwischen zwei Übeln» entscheiden müssen. Keller-Sutter räumte ein, dass der Bundesrat gewiss nicht unfehlbar sei, dennoch sei er eine gute Institution, die es zu verteidigen gelte.

Der Berliner Risikoforscher Gerd Gigerenzer gab Inputs, wie Wirtschaft und Politik in risikoreichen Zeiten «richtige» Entscheide treffen können. Es gelte, dies datenbasiert wie intuitiv zu tun. Gigerenzers Sympathie gehört letztlich dem «Entscheid aus dem Bauch». Er stelle aber fest, dass «wir uns immer weiter weg von einer Leistungskultur zu einer Absicherungskultur bewegen». Zielführend sei indes eine «positive Fehlerkultur statt defensive Absicherung».

Viele Risiken, die bleiben

Ursula Nold, die Präsidentin der Verwaltung des Migros-Genossenschaftsbunds, zeichnete nach, wie sich die Migros in Krisenzeiten nachhaltig verhält. Es gebe weder Geheim- noch Patentrezepte für Erfolg, doch gelte es, nach dem Scheitern immer wieder aufzustehen. Davon kann auch Matthias Hüppi ein Lied singen. Der ehemalige Sportmoderator und heutige Präsident des FC St.Gallen gab als Überraschungsgast Einblick in den Alltag eines Fussballclubs, wo Risiko und Unsicherheit permanente Begleiter sind.

Immer wieder Krisenszenarien durchspielen muss auch Nestlé, der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern, wie dessen CEO Mark Schneider schilderte. Schneiders Blick auf die nächsten Jahre war pessimistisch: «Die 2020er-Jahre werden auf geisterhafte Weise den 1970er-Jahren gleichen.» Dies in anderer Form mit Inflation, Stagflation, Beschränkungen in Lieferketten und der Energiewirtschaft. «Nur wenn man sich darauf einstellt», so Schneider, «wird man auch damit umgehen können.»

Das nächste Rheintaler Wirtschaftsforum findet am 20. Januar 2023 wieder in Widnau statt. Die Anmeldung ist ab sofort unter www.wifo.ch möglich.

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