St.Gallen

Ostschweizer Exportwirtschaft im Gegenwind

Ostschweizer Exportwirtschaft im Gegenwind
René Walser (Bereichsleiter Privat- und Geschäftskunden, Mitglied der Geschäftsleitung, St.Galler Kantonalbank), Regierungspräsident Beat Tinner und Moderatorin Sabine Bianchi
Lesezeit: 3 Minuten

Am Trend- und Konjunkturforum «Horizonte» der St.Galler Kantonalbank in Widnau diskutierten rund 420 Gäste die wirtschaftliche Lage der Ostschweiz. Während der Binnenmarkt robust bleibt, sieht sich die exportorientierte Industrie – insbesondere im Rheintal – mit US-Zöllen, starkem Franken und geopolitischen Spannungen konfrontiert.

Text: Fabian Alexander Meyer/rheintal24.ch

Die Weltwirtschaft befindet sich im Umbruch – und die exportstarke Ostschweiz spürt die Auswirkungen unmittelbar. Am SGKB-Forum «Horizonte» vom 2. März im Widebaumsaal Metropol in Widnau analysierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Medien die aktuelle Lage und ordneten die Rolle der Schweiz im globalen Spannungsfeld neu ein. Rund 420 Gäste folgten der Einladung der St.Galler Kantonalbank.

Konjunktur: Binnenmarkt stabil, Industrie unter Druck

Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie & Analyse der St.Galler Kantonalbank, beschrieb eine uneinheitliche Entwicklung. Der Binnenmarkt erweise sich weiterhin als tragende Stütze der Ostschweizer Wirtschaft. Demgegenüber bleibe die Lage in der Exportwirtschaft anspruchsvoll. Neben der seit Jahren verhaltenen Nachfrage aus Europa, insbesondere aus Deutschland, belasten historisch hohe US-Zölle die Industrie zusätzlich.

Besonders betroffen sei das Rheintal, eine der exportorientiertesten Regionen der Schweiz. Die Auftragslage sei gedämpft, und die Unsicherheit bleibe hoch. Zwar gebe es Anzeichen dafür, dass die Talsohle in der Industrie erreicht sei, doch es fehlten klare Impulse für eine nachhaltige Erholung. Im Bau laufe es vergleichsweise gut, während Detailhandel und Industrie weiterhin gefordert seien. Trotz unterdurchschnittlichem Wachstum könne jedoch nicht von einer Rezession gesprochen werden.

Dominik Schmidlin (Leiter Anlagestrategie und Analyse, St.Galler Kantonalbank), Thomas Stucki (Leiter Investment Center St.Galler Kantonalbank), Sabine Bianchi (Moderation)
Dominik Schmidlin (Leiter Anlagestrategie und Analyse, St.Galler Kantonalbank), Thomas Stucki (Leiter Investment Center St.Galler Kantonalbank), Sabine Bianchi (Moderation)

Zinsen tief, Währungsrisiken im Fokus

Thomas Stucki, Leiter Investment Center der St.Galler Kantonalbank, ging auf die geldpolitische Situation ein. Er rechnet mit weiterhin tiefen Zinsen. Trotz tiefer Inflation bestehe derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf für die Schweizerische Nationalbank.

Währungsseitig dürfte der Euro gegenüber dem Franken relativ stabil bleiben. Der US-Dollar hingegen entwickle sich zunehmend zum zentralen Risikofaktor für exportorientierte Unternehmen. Der starke Franken verschärfe die Wettbewerbssituation zusätzlich.

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Geopolitik als Stresstest

Die geopolitischen Spannungen, unter anderem im Nahen Osten, wurden ebenfalls thematisiert. Diese führten zu erhöhter Unsicherheit, etwa mit Blick auf Energiepreise und Investitionsentscheide. Gleichzeitig betonten die Referenten die Anpassungsfähigkeit der Ostschweizer Unternehmen. Die Region habe bereits frühere Krisen gemeistert und verfüge über eine ausgeprägte Resilienz.

Im Podiumsgespräch vertieften Regierungspräsident Beat Tinner und René Walser, Mitglied der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank, die Erkenntnisse aus politischer und wirtschaftlicher Perspektive. Tinner unterstrich die Bedeutung klarer Prioritäten und effizienter Prozesse im Staat. Die fortschreitende Digitalisierung im Kanton St.Gallen, etwa bei der Abwicklung von Arbeitslosendossiers oder mit dem digitalen «Gründerschalter» für Unternehmensgründungen, erhöhe die Verlässlichkeit staatlicher Dienstleistungen und entlaste die Wirtschaft.

Sebastian Ramspeck (Journalist und SRF-Korrespondent)
Sebastian Ramspeck (Journalist und SRF-Korrespondent)

Europa zwischen den Grossmächten

Den internationalen Kontext setzte Sebastian Ramspeck, internationaler Korrespondent des SRF. Er sprach von einer «neuen Weltunordnung», in der Machtpolitik zunehmend Regeln ersetze. Mit dem schwindenden Einfluss des Westens verliere das internationale Recht an Bedeutung. Europa sei im Spannungsfeld zwischen den USA und China zunehmend vom handelnden Akteur zum Spielball geworden.

Für die Schweiz bedeute diese Entwicklung einen Stresstest ihres Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells. Offenheit, Neutralität und internationale Vernetzung müssten unter veränderten Rahmenbedingungen neu austariert werden.

Das SGKB-Forum «Horizonte» zeigte: Die Ostschweizer Wirtschaft steht vor anspruchsvollen Monaten. Während die exportorientierte Industrie mit Gegenwind kämpft, bleibt der Binnenmarkt stabil. Entscheidend wird sein, wie flexibel Unternehmen und Politik auf die veränderte Weltlage reagieren.

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