Neues Raumkonzept macht den Bodenseeraum sichtbarer
Text: pd/stz.
Das Raumkonzept ist die strategische Leitlinie für die räumliche Entwicklung der Schweiz. Gemeinsam von Bund, Kantonen und Gemeinden erarbeitet, entwirft es ein Zielbild und drei strategische Stossrichtungen, wie sich das Land bis 2050 entwickeln soll (siehe Abbildung). Neu bildet das überarbeitete Konzept zwölf Handlungsräume in der Schweiz ab, die darlegen, wie die Ziele und Strategien in den jeweiligen Regionen konkretisiert werden: Einer davon ist der Internationale Bodenseeraum.
Der Bodenseeraum ist ein funktionaler Raum: Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Verkehr und Bildung finden grenzüberschreitend statt. Die Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee setzt sich deshalb bereits seit Langem gemeinsam mit anderen politischen und wirtschaftlichen Akteuren für die verstärkte Zusammenarbeit und Wahrnehmung als eigenständiger und starker Wirtschafts- und Lebensraum ein (vgl. Box) und hat sich im Überarbeitungsprozess des Raumkonzepts entsprechend eingebracht.
Etappenziel erreicht: der Internationale Bodenseeraum wird sichtbar
Das Raumkonzept dient Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden als gemeinsame Orientierung für raumrelevante Entscheidungen. Dazu gehören etwa die Abstimmung von Siedlungsentwicklung und Verkehr, der Umgang mit knappen Flächen oder die Entwicklung von Wirtschafts- und Lebensräumen.
Mit der Verankerung des Internationalen Bodenseeraums im Raumkonzept Schweiz ist ein Etappenziel erreicht: Der polyzentrische Raum über die Regions- und Landesgrenzen hinweg wird sichtbar und klar benannt.
Nächster Schritt: Den Zielen konkrete Taten folgen lassen
Mit der Verankerung im Raumkonzept als eigenständiger Handlungsraum ist der Rahmen und der gemeinsame Wille formuliert, den Internationalen Bodenseeraum als starken Wirtschafts- und Lebensraum zu etablieren. Die verabschiedeten Ziele sind vielfältig:
- Zentren stärken (St.Gallen und Konstanz-Kreuzlingen)
- Agglomerationen und Städte profilieren
- Grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern
- Vernetzung des grenzüberschreitenden Bildungs- und Forschungsstandorts
- Stärkung der polyzentrischen Region mit ihrer hohen (auch naturräumlichen) Lebensqualität
- Voralpine und alpine Räume verantwortungsvoll nutzen
- See- und Flusslandschaften aufwerten
- Landwirtschaftsgebiete erhalten und vernetzen
- Verkehrsanbindung verbessern
- Grenzüberschreitendes S-Bahnnetz ausbauen
- Funktionierendes Strassennetz sicherstellen
- Ausbau des Wirtschafts- und insbesondere des Hightech-Standorts sowie Stärkung seiner Ausstrahlungskraft
- Energieversorgung
Die Kantone St.Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell nennen in einer gemeinsamen Mitteilung vier Prioritäten:
- eine gute nationale und internationale Erreichbarkeit der Ostschweiz
- eine abgestimmte Entwicklung von Siedlung, Verkehr und Landschaft
- die Stärkung des Wirtschafts- und Innovationsstandorts
- die vertiefte grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bodenseeraum
Die vielfältigen Akteure können wichtige Beiträge zum Erreichen der gesteckten Ziele leisten. Damit das gelingt, sind nun die Verantwortlichkeiten zu definieren und die Organisation der konkreten Zusammenarbeit in die Wege zu leiten.
Ein Beispiel, wie die Zusammenarbeit im funktionalen Raum erfolgreich gelingen kann, sind die Agglomerationsprogramme. In gemeinsamen Trägerschaften entwickeln die Kantone und Regionen Zielbilder für die grenzüberschreitend koordinierte Entwicklung von Siedlung und Verkehr sowie darauf abgestimmte Umsetzungsprojekte. Gemeinden und Kantone setzen die definierten Massnahmen um und tragen so zum gemeinsam definierten Zielbild bei. Diese aus Sicht der Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee erfolgreiche Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit könnte auf weitere Themenbereiche übertragen werden.
Entscheidend ist, dass die beteiligten Akteure aus Wirtschaft und Politik jetzt ins Handeln kommen, die im Raumkonzept formulierten Ziele aufgreifen und in geeigneten Gefässen vorantreiben. Damit aus dem im Raumkonzept gesteckten Rahmen ein aktiver und starker Handlungsraum wird – der polyzentrische Internationale Bodenseeraum.
Das Raumkonzept Schweiz kann online abgerufen werden: raumkonzept-schweiz.ch
Vom «Metropolitanraum Bodensee» zum «Internationalen Bodenseeraum»
Die Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee hat bis 2019 federführend den Prozess zur Etablierung des «Metropolitanraums Bodensee» geleitet, der sich als dynamischer, grenzüberschreitender Wirtschafts- und Lebensraum präsentiert und entsprechende Anerkennung im neuen Raumkonzept der Schweiz finden sollte.
Ein wichtiger Meilenstein wurde mit der Verabschiedung der gemeinsamen Charta zum «Metropolitanraum Bodensee» erreicht, welche am 19. Februar 2020 von 30 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft der grenzüberschreitenden Region unterzeichnet wurde. Seit Februar 2019 liegt die Federführung für die Weiterentwicklung beim Kanton St.Gallen.
Daraus hervorgegangen ist ein gemeinsames Zielbild der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden für den «Internationalen Bodenseeraum». Dieses nimmt die zentralen Anliegen der Charta des «Metropolitanraums Bodensee» auf und stellt gleichzeitig die charakteristischen Eigenschaften als grenzüberschreitender, polyzentrischer Handlungsraum ins Zentrum.
Im neuen Raumkonzept Schweiz ist nun der «Internationale Bodenseeraum» verankert und soll sich als Begriff etablieren.