Thurgauer Raiffeisenbanken bauen Anlagegeschäft aus
Text: pd/stz.
Eine auf den ersten Blick negative Kennzahl wertet Reto Inauen als erfreuliches Signal: Die Kundeneinlagen der 14 Thurgauer Raiffeisenbanken gingen im ersten Halbjahr um 53 Millionen Franken oder 0,4 Prozent zurück. «Unsere bestehenden Kunden investieren ihre Spareinlagen vermehrt in Wertschriftenanlagen», erklärt der Präsident des Verbands Thurgauer Raiffeisenbanken.
Diese Entwicklung zeigt sich deutlich im Depotvolumen, also im Gesamtwert sämtlicher Wertpapiere der Kunden: Es erhöhte sich seit Ende 2025 um 337 Millionen Franken oder 9,4 Prozent auf 3,936 Milliarden Franken. Entsprechend legte der Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 9,7 Prozent auf 20,4 Millionen zu.
Bewusstsein für Anlagen wächst
Die Thurgauer Raiffeisenbanken seien längst mehr als reine Hypothekarbanken, betont Inauen. Er geht davon aus, dass das Anlage- und Vorsorgegeschäft weiter stark wachsen wird. «Mit Blick auf die tiefen Zinsen und die Inflation steigt das Bewusstsein, dass es sinnvoll ist, einen Teil des Ersparten anzulegen.»
Der 60-Jährige verdeutlicht dies mit einem Beispiel: «Wer vor sieben Jahren ein Vermögen von 100’000 Franken mit einer ausgewogenen Strategie angelegt hat, hat seither rund 35 Prozent Rendite erzielt.» Mit einer Aktienstrategie wären im selben Zeitraum sogar rund 70 Prozent möglich gewesen. Auf einem Sparkonto hätte das Vermögen dagegen lediglich um gut ein Prozent zugenommen und inflationsbereinigt faktisch an Wert verloren.
Zinsengeschäft bleibt wichtigstes Standbein
Trotz des kräftigen Wachstums im Anlagebereich bildet das Zinsengeschäft weiterhin das wichtigste Standbein der Thurgauer Raiffeisenbanken. Hier machten sich die anhaltend tiefen Zinsen bemerkbar: Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft sank gegenüber der Vorjahresperiode um 4,6 Prozent auf 69 Millionen Franken. Das Handelsgeschäft blieb mit 6,3 Millionen praktisch unverändert.
Der Geschäftsaufwand erhöhte sich geringfügig um 0,1 Prozent auf 62,7 Millionen. Unter dem Strich resultierte ein Bruttogewinn von 40,5 Millionen Franken. Das sind 3,2 Millionen oder 8,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.
Auch das Kreditgeschäft entwickelte sich stabil. Die Kundenausleihungen nahmen seit Ende 2025 um 31 Millionen auf 15,896 Milliarden zu. Die Hypothekarforderungen erhöhten sich um 87 Millionen Franken oder 0,6 Prozent auf 15,464 Milliarden. Die Bilanzsumme blieb mit 18,333 Milliarden Franken nahezu unverändert.
Eigenkapital und Mitgliederbasis gestärkt
Die Thurgauer Raiffeisenbanken stärkten zudem ihre Eigenkapitalbasis. Das Eigenkapital stieg im ersten Halbjahr um 22 Millionen Franken auf 1,694 Milliarden. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Genossenschafter um 245 auf 119’211.
Obwohl das Marktumfeld anspruchsvoll bleiben dürfte und die geopolitischen Unsicherheiten anhalten, blickt Inauen zuversichtlich auf die zweite Jahreshälfte. Neben der weiter wachsenden Bedeutung der Vermögensverwaltung rechnet er mit einer stabilen Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen.
Zu den Thurgauer Raiffeisenbanken gehören 14 regionale Genossenschaften mit insgesamt 41 Bankstellen. Sie beschäftigen 591 Mitarbeiter, darunter 46 Auszubildende. Die Banken weisen eine konsolidierte Bilanzsumme von mehr als 18,3 Milliarden Franken aus und betreuen rund 200’000 Kunden. Davon sind 119’211 als Genossenschafter zugleich Mitbesitzer ihrer Bank.