Stadler-Züge rollen jetzt am Vesuv
Text: stz.
Nach rund 20 Monaten intensiver Prüf- und Zulassungsarbeit ist der erste neue Stadler-Zug auf dem Schmalspurnetz der Circumvesuviana in den kommerziellen Betrieb gestartet. Das Bahnnetz verbindet Neapel unter anderem mit Pompeji, Sorrent und den Gemeinden rund um den Vesuv.
Die italienische Zulassungsbehörde ANSFISA hatte Ende Juni die Genehmigung für die Inbetriebnahme des ersten Fahrzeugs erteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwölf Züge nach Neapel geliefert worden. Gemäss dem regionalen Verkehrsunternehmen Ente Autonomo Volturno (EAV) sollen bis Ende 2026 alle zwölf Fahrzeuge eingesetzt werden. Bis 2027 sieht der Zeitplan von Stadler insgesamt 46 Züge vor.
Die neuen elektrischen Triebzüge wurden speziell für die besonderen Anforderungen der Circumvesuviana entwickelt. Das historische Bahnnetz verfügt über eine Spurweite von lediglich 950 Millimetern. Die Fahrzeuge sind sowohl mit der bestehenden Signaltechnik als auch mit dem neuen europäischen Zugsicherungssystem ETCS kompatibel, das derzeit aufgebaut wird.
Die dreiteiligen Züge bestehen aus leichten Aluminium-Wagenkästen, sind rund 40 Meter lang und bieten Platz für bis zu 396 Passagiere, darunter 90 Sitzplätze. Je fünf Türen auf beiden Seiten sollen einen schnellen Fahrgastwechsel ermöglichen. Die Züge sind barrierefrei und verfügen über eigene Bereiche für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder. Überwachungs- und Diagnosesysteme sollen zudem die Sicherheit und die Wartung verbessern.
Der Rahmenvertrag zwischen Stadler und EAV umfasst die Herstellung und Lieferung von bis zu 60 elektrischen Triebzügen. In einer ersten Bestellung wurden 16 Fahrzeuge sowie deren Wartung während fünf Jahren vereinbart. Finanziert wird die Beschaffung unter anderem mit Mitteln aus dem italienischen Aufbau- und Resilienzplan.
Mit der Inbetriebnahme erreicht das Grossprojekt einen wichtigen Meilenstein. Die neuen Fahrzeuge sollen die teilweise jahrzehntealten Züge der Circumvesuviana ersetzen und die Zuverlässigkeit, den Komfort und die Kapazität auf einem der bekanntesten Regionalbahnnetze Italiens erhöhen. Für Stadler mit Hauptsitz in Bussnang ist das Projekt zugleich ein weiterer wichtiger Referenzauftrag auf dem italienischen Markt.