Stadler holt ersten Lokauftrag in Kanada
Text: pd/stz.
Für Stadler ist der Auftrag ein Meilenstein: Erstmals verkauft das Unternehmen Lokomotiven nach Kanada und stärkt damit seine Position auf dem nordamerikanischen Markt. Die neuen Fahrzeuge sollen den Schienenpersonenverkehr des Landes modernisieren und dessen Dekarbonisierung vorantreiben.
Die Lokomotiven kombinieren einen dieselelektrischen Antrieb mit einem batteriegestützten Traktionssystem. Dieses soll den Treibstoffverbrauch und die Emissionen senken und zugleich die betriebliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Die Batterien liefern Energie für den Antrieb, die Hilfssysteme und die Versorgung der angehängten Personenwagen.
Vier Megawatt Leistung für Kanadas Fernverkehr
Mit Batterie- und Dieselantrieb erreichen die Lokomotiven eine Leistung von bis zu vier Megawatt am Rad, eine Anfahrzugkraft von 350 Kilonewton und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde. Damit eignen sie sich für schnelle Beschleunigungen, starke Steigungen und den Einsatz im weitläufigen Fernverkehrsnetz von VIA Rail.
Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen und in den Batterien gespeichert. An Bahnhöfen und in anderen umweltsensiblen Bereichen können die Fahrzeuge rein elektrisch verkehren und dadurch Lärm und Abgase deutlich reduzieren. Das Batteriesystem stellt zudem bei Leistungsspitzen zusätzliche Energie bereit.
Auch die Betriebssicherheit soll vom Hybridantrieb profitieren: Fällt der Dieselantrieb aus, kann die Lokomotive mit Batteriekraft noch einen zugänglichen Ort erreichen.
«Unsere Hybridlokomotiven vereinen Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit», sagt Iñigo Parra, Executive Vice President Division Spain bei Stadler. Durch die Integration des batteriegestützten Betriebs in eine leistungsstarke Fernverkehrslokomotive erhalte VIA Rail eine zukunftsorientierte Lösung, die sowohl die Umweltziele als auch die betriebliche Flexibilität unterstütze und den Service für die Fahrgäste verbessere.
Für Temperaturen bis minus 50 Grad
Stadler entwickelt die Lokomotiven für die besonderen klimatischen Bedingungen Kanadas. Die Fahrzeuge sollen selbst bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad zuverlässig verkehren. Das Design basiert auf Technologien, die sich seit mehr als zehn Jahren unter anderem in Schweden und Norwegen bewährt haben.
Die neuen Lokomotiven werden sowohl grosse Ballungszentren als auch abgelegene Gemeinden bedienen. Damit unterstützen sie VIA Rail beim Ziel, landesweit zuverlässige und umweltfreundlichere Mobilität anzubieten.
Stadler legt die Flotte zudem auf eine möglichst nachhaltige Nutzung aus. Die Fahrzeuge erreichen gemäss Unternehmensangaben Recyclingquoten von über 92 Prozent und Verwertungsquoten von mehr als 95 Prozent. Die Batteriesysteme sind für eine lange Lebensdauer und anschliessende Second-Life-Anwendungen konzipiert.
Neue Tochtergesellschaft in Kanada
Für Entwicklung, Produktion und Lieferung ist Stadler Valencia verantwortlich, das Kompetenzzentrum der Gruppe für Lokomotiven. Am Standort arbeiten mehr als 500 Ingenieure in Entwicklung und Konstruktion. Teile der Endmontage sowie der Tests und Inbetriebnahme werden jedoch in Kanada ausgeführt.
Zusätzlich zur Lieferung der 45 Lokomotiven übernimmt Stadler während 20 Jahren die technische Unterstützung und Ersatzteilversorgung. Dafür gründet das Unternehmen eine neue kanadische Tochtergesellschaft. Deren Mitarbeiter werden an den wichtigsten Wartungsstandorten von VIA Rail in Montreal, Toronto, Winnipeg und Vancouver stationiert.
Das Projekt soll qualifizierte Arbeitsplätze in Produktion, Prüfung und Instandhaltung schaffen und zugleich den Transfer von Fachwissen und moderner Bahntechnologie nach Kanada fördern.