St.Gallen

St.Galler Bauern servieren den «letzten Cervelat»

St.Galler Bauern servieren den «letzten Cervelat»
Mitte-Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann, SGBV-Präsident Ruedi Thomann, SVP-Ständerätin Esther Friedli und SVP-Nationalrat Walter Gartmann am St.Galler Marktplatz
Lesezeit: 2 Minuten

Mit Cervelats und klaren Worten hat der St.Galler Bauernverband am 26. August gegen die Ernährungsinitiative mobilisiert. Gemeinsam mit Vertretern aus der Politik suchten Bauern in St.Gallen das Gespräch mit der Bevölkerung. Sie warnen vor staatlichen Eingriffen, höheren Lebensmittelpreisen und einer Schwächung der heimischen Landwirtschaft.

Text: pd/stz.

Der Cervelat als politisches Symbol: Unter dem Motto «Der letzte Cervelat» hat der St.Galler Bauernverband am Mittwoch in St.Gallen auf die aus seiner Sicht weitreichenden Folgen der Ernährungsinitiative aufmerksam gemacht. Unterstützt wurde die Aktion von Ständerätin Esther Friedli, Nationalrat Walter Gartmann und Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann.

Gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaft suchten sie das Gespräch mit Passanten und erläuterten ihre Argumente gegen die eidgenössische Volksinitiative. Auch an weiteren Orten im Kanton engagierten sich Bauern am nationalen «Tag des letzten Cervelats». Schweizweit fanden Aktionen an 82 Standorten statt.

Abstimmung über 70 Prozent Selbstversorgung

Die Schweizer Stimmberechtigten entscheiden am 27. September 2026 über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser».

Die Initiative verlangt, dass künftig mindestens 70 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel im Inland produziert werden. Gleichzeitig soll die Landwirtschaft stärker auf pflanzliche Lebensmittel ausgerichtet werden. Hinzu kommen verbindliche Ziele für sauberes Trinkwasser, Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit sowie den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Die Vorgaben müssten innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden.

Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur Ablehnung. Nach Einschätzung des Bundesrats wären die Ziele nur mit tiefgreifenden staatlichen Eingriffen in die landwirtschaftliche Produktion erreichbar.

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Bauernverband warnt vor höheren Preisen

Der St.Galler Bauernverband teilt diese Einschätzung. Um den geforderten Selbstversorgungsgrad zu erreichen, müsste der Staat nach Ansicht des Verbands die Produktion und den Konsum tierischer Lebensmittel stark einschränken. Gleichzeitig würden zusätzliche Vorgaben die Produktion verteuern und das Angebot in den Läden verkleinern.

Davon wären laut dem Verband besonders Familien und Menschen mit tiefem Einkommen betroffen. Höhere Preise für Schweizer Lebensmittel könnten zudem den Einkaufstourismus fördern und damit die inländische Wertschöpfung schwächen.

«Wer die Versorgungssicherheit stärken will, erreicht dies nicht mit Verboten oder staatlichen Vorgaben zum Speiseplan», sagt SGBV-Präsident Ruedi Thomann. Sinnvoller sei es, den Konsum von Schweizer Lebensmitteln zu fördern, sowohl von pflanzlichen als auch von tierischen Produkten, und die Wertschöpfung in der heimischen Landwirtschaft zu stärken.

Grasland prägt die Schweizer Landwirtschaft

Der Bauernverband verweist zudem auf die natürlichen Voraussetzungen der Schweiz. Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche bestehen aus Grasland. Nutztiere spielten deshalb eine zentrale Rolle für eine standortgerechte Lebensmittelproduktion. Kühe, Schafe und Ziegen könnten Gras verwerten, das sich nicht direkt für die menschliche Ernährung eigne, und daraus Milch und Fleisch erzeugen.

Die Aktion mit dem Cervelat sollte diese Zusammenhänge sichtbar machen und den Dialog mit der Bevölkerung fördern. Der St.Galler Bauernverband lehnt die Ernährungsinitiative klar ab. Der «letzte Cervelat» soll dabei bewusst überspitzen, was der Verband befürchtet: weniger Wahlfreiheit, höhere Preise und mehr staatliche Vorgaben für Landwirtschaft und Ernährung.

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