Myne vermisst den BH neu
Text: pd/stz.
Ein BH, der drückt, rutscht oder nicht richtig sitzt, ist für viele Frauen Alltag. Genau dieses Problem will Myne aus Domat/Ems lösen. Das Schweizer Tech-Start-up hat einen digitalen Bestell- und Produktionsprozess entwickelt, mit dem massgefertigte BHs ohne Massband, ohne App-Download und ohne klassische Anprobe möglich werden. Der Körper wird per Smartphone, Tablet oder Laptop gescannt, anschliessend berechnet ein Algorithmus ein individuelles Passformprofil. Produziert wird erst dann, wenn bestellt wurde.
Der Ansatz verbindet Technologie, Textilkompetenz und Nachhaltigkeit. Jeder BH von Myne wird für einen bestimmten Körper gefertigt. Es gibt keine Standardgrössen, kein Lager und keine Überproduktion. Entsprechend tief ist auch die Retourenquote: Sie liegt gemäss Unternehmen bei unter einem Prozent. Seit dem Launch im März 2025 zählt Myne in der Schweiz bereits über 1000 Kundinnen. Fast die Hälfte davon hat ein zweites Mal bestellt.
Der Bestellprozess beginnt im Webshop. Die Kundin startet den Scan über die Kamera von Smartphone, iPad oder Laptop. Unterwäsche oder enganliegende Kleidung reichen dafür aus, der Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Das KI-System erfasst dabei über hundert Messpunkte des Körpers, darunter Schulterbreite, Brustumfang und individuelle Merkmale der Brustform, die mit herkömmlichen Grössensystemen kaum präzise abgebildet werden können. Aus diesen Daten entsteht ein Passformprofil, das direkt in die Fertigung übertragen wird.
Datenschutz spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Gesicht wird während des Scans automatisch verpixelt, der Hintergrund entfernt. Übermittelt wird ein anonymisierter Zahlensatz, der zu keinem Zeitpunkt mit Namen oder Kontaktdaten der Kundin verknüpft ist. Die anonymisierten Bilder werden mit einer Datenbank von mehreren Tausend hochauflösenden 3D-Körperscans des Hohenstein-Instituts abgeglichen. Technologiepartner Sizekick unterliegt als deutsches Unternehmen der DSGVO. Die Messdaten dienen ausschliesslich der Fertigung und werden laut Myne weder an Dritte weitergegeben noch zu Werbezwecken genutzt.
Aktuell bietet Myne zwei Modelle an. «Mia» war das erste Modell: weich, leicht, mit feinen Trägern und kaum spürbar auf der Haut. Es richtet sich vor allem an Kundinnen, die im Alltag hohen Tragekomfort suchen. «Ella» entstand auf Wunsch der Kundinnen und bietet mehr Halt und Formgebung. Statt Metallbügeln verwendet Myne eine flexible Silikonverstärkung, die sich dem Körper anpasst und Halt gibt, ohne einzuschneiden oder Druckstellen zu verursachen.
Beide Modelle sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, mit oder ohne sichtbarem Silikonframe sowie mit herausnehmbaren, atmungsaktiven Pads. Zur Auswahl stehen sechs Farben: Black, Lavender, Rose Nude, Poppy Red, Berry Bloom und Cloud White. Ergänzt wird die Kollektion durch passende, ebenfalls massgefertigte Slips.
Auch beim Material setzt Myne auf einen bewussten Ansatz. Verwendet wird Econyl, ein regeneriertes Nylon aus recycelten Fischernetzen und Textilien. Das Material ist langlebig, hautfreundlich und wird nach Angaben des Unternehmens mit jeder Wäsche geschmeidiger. Die BHs sind schonend bei bis zu 40 Grad waschbar. Sollte ein BH beim ersten Tragen nicht zu 100 Prozent passen, fertigt Myne kostenlos einen neuen.
Das On-Demand-Modell ist für Myne nicht primär ein Marketingversprechen, sondern die logische Folge der individualisierten Fertigung. Produziert wird nur, was tatsächlich bestellt und getragen wird. Damit entfallen Lagerbestände, Überproduktion und die Vernichtung unverkaufter Ware. In einer Branche, in der Retourenquoten häufig hoch sind, setzt Myne damit ein deutlich anderes Zeichen.
Gegründet wurde Myne 2024 von Linda und Mathias Durisch. Mit ihrem Hintergrund in Textiltechnik und Industriedesign entwickelten sie einen Prozess, der massgefertigte BHs im industriellen Massstab ermöglichen soll: KI-gestützte Körpervermessung, algorithmische Passformberechnung und automatisierte On-Demand-Produktion in Europa. Die aktuelle Kollektion umfasst Grössen bis 90D.