Appenzell Ausserrhoden

Lokales Handwerk wird zum Aushängeschild der Region

Lokales Handwerk wird zum Aushängeschild der Region
Christoph Lanter, Thomas Biasotto und Mathias Binswanger
Lesezeit: 3 Minuten

Ist lokales Handwerk angesichts hoher Löhne, globaler Konkurrenz und zunehmender Automatisierung noch zukunftsfähig? Bei «Wirtschaft in der Wirtschaft» auf der Schwägalp diskutierten Ökonom Mathias Binswanger, Bergfotograf Thomas Biasotto und Moderator Christoph Lanter über den wachsenden Wert von Herkunft, Authentizität und echter Handarbeit.

Text: stz.

Am 6. Juli wurde die Schwägalp zum Treffpunkt für Unternehmer, Wirtschaftsvertreter und weitere Interessierte. Die achte Ausgabe der Veranstaltungsreihe «Wirtschaft in der Wirtschaft» verband wirtschaftliche Analysen mit persönlichen Einblicken und einer Frage, die für viele regionale Betriebe von grosser Bedeutung ist: Ist lokales Handwerk ein Auslaufmodell oder ein Aushängeschild?

Zum Auftakt begrüsste Christoph Lanter den Gastgeber Jakob Gülünay von der Säntis Schwebebahn zum Gespräch. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen rund um das Unternehmen und der Entscheid, aus der Alliance SwissPass auszusteigen.

Gülünay erläuterte, weshalb unternehmerische Verantwortung bisweilen verlangt, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. Der Schritt eröffne der Säntis Schwebebahn neue Möglichkeiten, Angebote und Preise stärker auf die eigenen Bedürfnisse und jene der Gäste auszurichten.

Handwerk schafft mehr als nur Produkte

Anschliessend rückte das Hauptthema des Abends in den Fokus. Gemeinsam mit Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger und dem Appenzeller Bergfotografen Thomas Biasotto ging Christoph Lanter der Frage nach, weshalb handwerkliche Produkte in einem Hochlohnland wie der Schweiz trotz hoher Produktionskosten wieder stärker geschätzt werden.

Im Gespräch wurde deutlich, dass sich der Wert eines handwerklichen Produkts längst nicht mehr allein aus Material und Arbeitszeit ergibt. Herkunft, Authentizität, Erfahrung und die Geschichte hinter einem Produkt werden zu entscheidenden Bestandteilen der Wertschöpfung.

Regionalität ist damit nicht bloss ein Herkunftsnachweis, sondern selbst ein wirtschaftlicher Mehrwert.

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Ein Bild braucht Zeit, Können und Persönlichkeit

Thomas Biasotto zeigte anhand seiner Arbeit, wie sich dieser Anspruch konkret umsetzen lässt. Der Appenzeller Bergfotograf setzt bewusst auf hochwertige Fine-Art-Prints, Bildbände und limitierte Editionen.

Seine Fotografien erzählen von Landschaft, Heimat und Identität. Sie entstehen nicht als beliebig reproduzierbare Massenware, sondern als sorgfältig entwickelte Werke mit einer persönlichen Handschrift.

Biasottos Arbeit verdeutlichte, dass auch moderne Fotografie handwerkliche Qualitäten benötigt: Zeit, Präzision, Erfahrung, Geduld und ein ausgeprägtes Gespür für den richtigen Moment.

Jakob Gülünay und Christoph Lanter
Jakob Gülünay und Christoph Lanter

Je digitaler die Welt, desto wertvoller das Original

Mathias Binswanger ordnete die Entwicklung aus volkswirtschaftlicher Sicht ein. Je stärker Digitalisierung und künstliche Intelligenz Produktionsprozesse vereinfachen und standardisieren, desto wichtiger werden Eigenschaften, die sich nicht beliebig vervielfältigen lassen.

Originalität, Knappheit, Persönlichkeit und regionale Verwurzelung gewinnen dadurch an Wert. Lokale Produkte können sich gerade deshalb erfolgreich behaupten, weil sie nicht austauschbar sind.

Handwerk wird damit nicht nur zum Wirtschaftsfaktor, sondern auch zum Botschafter einer Region.

Appenzell lebt von seiner Unverwechselbarkeit

Am Beispiel Appenzell wurde sichtbar, wie eng lokale Traditionen, Landschaft, Handwerk und regionale Identität miteinander verbunden sind. Käse, Hackbrett, Bauernmalerei oder Fotografie stehen nicht allein für einzelne Produkte. Sie vermitteln auch eine Geschichte, eine Haltung und ein Lebensgefühl.

Diese Verbindung schafft einen Wert, der sich weder vollständig automatisieren noch kostengünstig ins Ausland verlagern lässt.

Der Abend auf der Schwägalp zeigte deshalb: Lokales Handwerk ist weit mehr als Nostalgie. Es verbindet wirtschaftlichen Erfolg mit kultureller Identität und kann in einer globalisierten und zunehmend digitalisierten Welt zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

Die besondere Atmosphäre der Schwägalp, die Offenheit der Gesprächspartner und der Austausch mit dem Publikum machten die Veranstaltung zu einem gelungenen Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Fragen verständlich, praxisnah und unterhaltsam diskutiert werden können.

Unterstützt wurde der Anlass von Cronberg mit Alessandro Sgro, dem LEADER als Medienpartner sowie Tibor Lörincz von Gate Productions.

Die nächste Ausgabe von «Wirtschaft in der Wirtschaft» wird am Dienstag, 29. September 2026, in der Krone in Speicher aufgezeichnet.

Weitere Informationen: www.wirtschaft-in-der-wirtschaft.ch

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