Wie modulare Systeme und Kreislaufwirtschaft die Zukunft des Bauens prägen
Die Bauwirtschaft befindet sich in einem Wandel: Steigende Kosten, Fachkräftemangel, knapper werdende Ressourcen und wachsende Anforderungen an Flexibilität rücken nachhaltige Lösungen in den Fokus. Die Lignox Holzbau AG aus Märstetten reagiert darauf mit einer strategischen Neuausrichtung. «Der Schritt von der Kifa Systembau zu Lignox war für uns mehr als ein Rebranding», sagt CEO Christian Rungger. «Wir haben unser Geschäftsmodell grundlegend weiterentwickelt und auf die Anforderungen eines spürbar veränderten Marktes ausgerichtet.»
«Wir sehen eine Verschiebung hin zu schnell verfügbaren und skalierbaren Lösungen.»
Im Zentrum steht dabei ein modulares, skalierbares Bausystem
Während klassische Bauprojekte häufig lange Planungs- und Realisierungsphasen benötigen, setzt Lignox auf vorgefertigte Systeme, die flexibel eingesetzt werden können. «Wir sehen eine deutliche Verschiebung im Markt hin zu schnell verfügbaren und skalierbaren Lösungen», sagt Rungger. «Gerade öffentliche Auftraggeber und Unternehmen benötigen heute Gebäude, die kurzfristig verfügbar sind und sich bei Bedarf anpassen, erweitern oder neuen Nutzungsanforderungen entsprechend umnutzen lassen, also Bauen im Kreislauf statt für den Abriss. Dadurch entstehen nachhaltige Baukonzepte mit hoher Lebensdauer sowie ein ressourcenschonender Umgang über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg.»
Lignox verfügt über jahrelange Expertise im Holzsystem- und Modulbau und realisiert Projekte vom Wohnungsbau bis hin zu Schul-, Gesundheits- und Gewerbebauten. «Diese Erfahrung erlaubt es uns, industrielle Prozesse mit Effizienz und Qualität zu verbinden», so Rungger. «Gleichzeitig denken wir Projekte heute ganzheitlicher und treten vermehrt als Gesamtleistungsanbieter auf.»
Ein zentraler Vorteil des modularen Holzbaus liegt in der industriellen Vorfertigung
«Der Bau eines Gebäudes in der Halle ermöglicht uns eine ganz andere Effizienz und Qualität als auf der Baustelle», sagt Rungger. Der Standort Märstetten bietet mit grosszügigen Lagerflächen und einer auf grossvolumige Module ausgerichteten Infrastruktur ideale Voraussetzungen für diese Vorfertigung. «Wir können unter konstanten Bedingungen produzieren und sind deutlich weniger abhängig von Wetter und externen Einflüssen.»
Der Modulbau gilt als Hoffnungsträger der Bauindustrie – schneller, nachhaltiger und effizienter als konventionelle Bauweisen. Gleichzeitig stehen jedoch viele Unternehmen der Branche unter Druck. Für Rungger greift die oft genannte Erklärung von fehlendem Vertrieb, mangelnder digitaler Akquise oder einer nicht konstanten Auslastung allerdings zu kurz. «Viele Modulbauer wollen industriell produzieren, bewegen sich aber weiterhin in einem stark individualisierten Projektmarkt. Industrie benötigt Standardisierung, Wiederholbarkeit und eine stabile Auslastung. Der Markt verlangt dagegen häufig individuelle Lösungen», sagt Rungger.
Diesen Widerspruch gelte es zu lösen und die richtige Balance zwischen Effizienz und Individualität zu finden. «Natürlich besteht hier ein gewisser Zielkonflikt», räumt Rungger ein. «Wir begegnen diesem jedoch, indem wir unsere Systeme so entwickeln, dass sie flexibel konfigurierbar sind und gleichzeitig einen hohen Vorfertigungsgrad ermöglichen. Dadurch entstehen keine Produkte von der Stange, sondern massgeschneiderte Lösungen auf Basis eines durchdachten, skalierbaren Systems und für uns die Voraussetzung für eine wirtschaftliche und konstante Produktionsauslastung.»
«Viele Kunden möchten nicht mehr zwingend besitzen, sondern flexibel nutzen.»
Gleichzeitig setzt Lignox verstärkt auf neue Geschäftsmodelle
«Wir entwickeln uns weg vom reinen Projektgeschäft hin zu Nutzungs- und Mietmodellen», sagt Christian Rungger. «Das bedeutet einen Paradigmenwechsel: Viele Kunden möchten heute nicht mehr zwingend besitzen, sondern flexibel nutzen.» Insbesondere bei temporären Bauten, wachstumsgetriebenen Projekten oder sich verändernden Nutzungsanforderungen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Modulare Gebäude können flexibel eingesetzt, erweitert, rückgebaut und an anderen Standorten erneut genutzt werden.
Zusätzliche Stärke erhält das Unternehmen durch die Einbettung in die Manser Group AG. «Die Integration eröffnet uns neue Möglichkeiten, insbesondere bei Innovation, Synergien und Skalierung», sagt Rungger. «Durch gemeinsam genutzte Strukturen, Prozesse und gebündelte Kompetenzen können wir effizienter arbeiten, unsere Marktposition ausbauen und die technologische Weiterentwicklung vorantreiben.»
Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt der Standort
«Märstetten bietet uns ideale Voraussetzungen», sagt Rungger. «Wir profitieren von der Nähe und der guten logistischen Anbindung zu wichtigen Märkten in der Ostschweiz und im Grossraum Zürich. Gleichzeitig haben wir hier die nötigen Flächen und Strukturen für eine effiziente Produktion.» Hinzu kommen logistische Vorteile: Selbst grossdimensionierte Module lassen sich von hier aus effizient transportieren.
Auch die Organisation des Unternehmens trägt zur Agilität bei: Mit einer schlanken und flachen Struktur agiert Lignox flexibel und kann rasch auf Marktveränderungen reagieren. Kurze Entscheidungswege und direkte Abstimmungen ermöglichen schnelle Reaktionszeiten sowie die unmittelbare Umsetzung neuer Entwicklungen.
Daneben ist Nachhaltigkeit natürlich ein Thema: «Holzbau hat grosses Potenzial, keine Frage», sagt er. «Aber man muss genau hinschauen, wo die tatsächlichen Vorteile liegen. Nachhaltigkeit darf kein Schlagwort sein, sondern muss sich im gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zeigen.» Entscheidend seien dabei insbesondere die Mehr- und Umnutzung von Gebäuden, die Wiederverwendbarkeit von Bauteilen oder Modulen sowie der Einsatz des jeweils richtigen Materials am richtigen Ort, um die Stärken jedes Materials optimal zu nutzen. Im Zusammenspiel von Materialwahl, Produktion und Nutzung liege «der entscheidende Hebel für echte Nachhaltigkeit».
Die Zukunft ist für Christian Rungger eindeutig: «Der modulare Holzbau wird weiter an Bedeutung gewinnen», ist er überzeugt. «Die Anforderungen an Flexibilität, Industrialisierung, jedoch nicht um jeden Preis, Geschwindigkeit und Ressourceneffizienz steigen ebenso wie jene an Kooperationen und Zusammenschlüsse innerhalb der Branche. Auch der Einsatz von KI in Prozessen, industrielles Denken sowie ganzheitliche Gebäudekonzepte werden zunehmend wichtiger.»
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer