Genuss mit Wirkung
Noch steht das Projekt am Anfang: Die Zahl der Partner ist überschaubar, die Bekanntheit im Markt begrenzt. Für Wild, der das Projekt bei Rotary betreut, ist das kein Widerspruch zur grossen Vision: «Wir befinden uns in der Aufbauphase. Entscheidend ist jetzt, die richtigen Produzenten und Kunden zu gewinnen, die an dieses Modell glauben.» Dabei geht es nicht nur um Produkte, sondern um eine Haltung. «Rosaly richtet sich an Menschen, die nicht einfach konsumieren wollen, sondern einen Mehrwert suchen. Sei es als Geschenk oder für sich selbst.»
Was dieser Mehrwert konkret bedeutet, zeigt sich unmittelbar: Mit jedem Kauf wird ein Teil des Verkaufserlöses ohne Umwege in soziale Projekte geleitet. Unterstützt werden schon heute etwa die Sans-Papiers-Anlaufstelle St.Gallen, Projekte wie Cheira mit Notfallboxen für Verbrennungsopfer in afrikanischen Dörfern oder Angebote für MS-Betroffene und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen in der Region. Die Wirkung ist dabei kein Nebenaspekt, sondern das Herzstück des Modells.
«Ein wichtiger Baustein ist der Ausbau des Netzwerks.»
Ein Kauf mit doppelter Wirkung
Im Zentrum steht ein strukturiertes System: Regionale Produkte werden über die gemeinsame Plattform vertrieben, ein definierter Anteil des Verkaufserlöses fliesst direkt in soziale Projekte. «Wir schaffen Transparenz darüber, wohin das Geld geht», sagt Wild. «Das erhöht die Glaubwürdigkeit und stärkt die Identifikation der Kunden mit dem Produkt.» Geniessen, stärken und Gutes tun greifen dabei unmittelbar ineinander.
Ein wichtiger Baustein ist der Ausbau des Netzwerks. Gesucht werden Produzenten aus der Ostschweiz aus den Bereichen Lebensmittel, Kunst und Handwerk, die Teil dieses Modells werden wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Betrieb die Produkte selbst herstellt oder als Händler vertreibt. «Entscheidend ist die Bereitschaft, sich auf gemeinsame Werte einzulassen und Verantwortung zu übernehmen», so Florian Wild. Ziel ist es, ein offenes Ökosystem aufzubauen, das laufend wächst.
Bereits heute zeigt sich die Breite dieses Ansatzes: Neben der Vogelsanger Weine AG gehören unter anderem die St.Galler Schokoladenmanufaktur Bonneheure, Kündig Feinkost AG aus Rorschach, das Imkerpaar Sonja Martin und Andreas Altenburger aus Schönengrund sowie eigene Kunstkarten zum Netzwerk. Weitere Partner und Produkte sollen kontinuierlich dazukommen.
Konkreter Nutzen für Unternehmen
Für die beteiligten Unternehmen eröffnet «Rosaly.Social» konkrete Perspektiven: Sie erhalten Zugang zu zusätzlichen Absatzkanälen, stärken ihre Sichtbarkeit und positionieren sich im Bereich gesellschaftlicher Verantwortung. Gleichzeitig bietet das Modell auch für Firmenkunden einen direkten Nutzen. Unternehmen können ihren Beitrag einfach leisten, indem sie Rosaly-Produkte für Mitarbeitergeschenke, Kundengeschenke oder Firmenanlässe einsetzen – und so Wertschätzung mit Wirkung verbinden.
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Vogelsanger Weine AG in St.Gallen-Winkeln. Shopleiterin Ramona Eglin sieht in «Rosaly.Social» eine konsequente Weiterentwicklung: «Wir stehen seit jeher für Qualität, Herkunft und persönliche Beratung. Dass wir diese Werte nun mit einem sozialen Beitrag verbinden können, passt sehr gut zu uns.»
Die Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen, Transparenz und einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Produktepartner profitieren von einer grösseren Reichweite und einer positiven Wahrnehmung bei Kunden und Mitarbeitern. Gleichzeitig leisten sie mit jedem verkauften Produkt einen konkreten Beitrag zu gesellschaftlichen Themen.
«Ein Teil des Verkaufserlöses wird direkt in soziale Projekte geleitet.»
Professionalität und Transparenz als Fundament
Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt in der Organisation: Ein achtköpfiges Kernteam bündelt Fachwissen aus Marketing, Vertrieb, Finanzen sowie Produktion und Logistik. Diese Struktur sorgt für Professionalität und Stabilität. Gleichzeitig wird das Projekt ehrenamtlich geführt, was den uneigennützigen Fokus zusätzlich unterstreicht.
Die Herausforderung liegt darin, den zusätzlichen Mehrwert zu vermitteln. Denn die Produkte bewegen sich etwas über dem üblichen Preisniveau. «Es geht darum, die Geschichte dahinter verständlich zu machen», sagt Eglin. «Wenn Kunden sehen, dass ein Teil ihres Einkaufs direkt etwas bewirkt, entsteht eine andere Form der Wertschätzung.»
Für sie ist spürbar, dass sich das Konsumverhalten verändert. «Viele Kunden achten heute stärker darauf, woher ein Produkt kommt und unter welchen Bedingungen es entstanden ist. ‹Rosaly.Social› greift diesen Trend auf und übersetzt ihn in ein konkretes Angebot.»
Allen unterstützten Projekten gemeinsam ist ein hoher Anspruch: Sie müssen transparent aufgebaut sein, ein konkretes Problem adressieren und ihre Wirkung nachvollziehbar darstellen. «Wir wollen sicherstellen, dass die Mittel dort ankommen, wo sie tatsächlich etwas bewirken», sagt Wild. Der persönliche Kontakt zu den Projektverantwortlichen spielt dabei eine zentrale Rolle.
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Wachstum mit Haltung
Der Rotary Club Rosenberg bringt dafür Erfahrung mit. Über zwei Jahrzehnte hinweg begleitete er ein Schulprojekt in Honduras, das heute selbstständig funktioniert. «Solche Engagements zeigen, dass nachhaltige Hilfe möglich ist», sagt Florian Wild. «Diese Erfahrung fliesst direkt in «Rosaly.Social» ein.»
Das Modell verbindet drei Elemente: Produzenten bringen hochwertige Produkte ein, Kunden treffen bewusste Kaufentscheidungen und Projektpartner setzen die Mittel gezielt ein. «Dieses Zusammenspiel ist entscheidend», sagt Ramona Eglin. «Nur so entsteht ein funktionierender Kreislauf.»
Langfristig stellt sich die Frage nach der Entwicklung. Bleibt «Rosaly.Social» ein regionales Modell oder wird daraus mehr? Für Wild ist die Richtung offen, die Zielsetzung aber eindeutig: «In fünf Jahren möchten wir sagen können, dass wir eine Plattform aufgebaut haben, die Wirkung erzielt. Für Produzenten, Kunden und die unterstützten Projekte.»
Auch Eglin sieht Potenzial über die Region hinaus, knüpft dies aber an Voraussetzungen: «Solche Modelle funktionieren nur, wenn sie glaubwürdig bleiben. Qualität, Transparenz und echte Partnerschaften sind entscheidend. Wenn das stimmt, kann daraus etwas Nachhaltiges entstehen.» Dass die Vogelsanger Weine AG davon überzeugt ist, steht ausser Frage; die «Rosaly-Weine» erfreuen sich schon heute grosser Beliebtheit.
Wer mitmachen will findet weitere Informationen unter:
www.rosaly.social
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer