KI macht Kinofilm ohne Dreh realistisch
Text: pd/stz.
Während Mailand und Cortina d’Ampezzo mit den Olympischen Winterspielen die grosse Bühne für sportliche Höchstleistungen bieten, entstand parallel dazu ein anderes Experiment mit Signalwirkung. Die AMA AI Media Agency aus St.Gallen realisierte mit «MAX’s Hero Paws» ein einminütiges Kurzvideo, das vollständig mittels AI Content Creation produziert wurde – in nur zwei Tagen.
Das Video übersetzt die Bildwelt des Wintersports in eine augenzwinkernde Traumsequenz: Ein Hund namens Max döst – und aus seinem Nickerchen wird ein filmisches Abenteuer mit Pisten, Schanzen und Rodelbahnen. Der eigentliche Kern des Projekts liegt jedoch weniger in der Handlung als in der Produktionsweise.
48 Stunden statt klassischer Drehphase
Zwei Tage gelten in der traditionellen Filmproduktion kaum als ausreichend, um ein Set aufzubauen, Szenen einzuleuchten oder Darsteller zu disponieren. In der KI-gestützten Produktion hingegen wird dieser Zeitraum zum Beleg einer neuen Effizienz. Sobald ein visuell dichtes Minutenvideo innerhalb von 48 Stunden realisierbar ist, stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist ein vollständig KI-produzierter Kinofilm nur noch eine Frage der Zeit?
Technologisch erscheint dieses Szenario zunehmend plausibel. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass KI keineswegs «alles von selbst» erledigt. Die Arbeit verschwindet nicht – sie verlagert sich.
Interdisziplinäres Know-how bleibt zentral
Wer ernsthaft KI-Film produziert, agiert nicht als Knopfdrucker, sondern als Dirigent. Storytelling, Dramaturgie, Schnittlogik, Bildsprache, visuelle Konsistenz, Bewegungsführung und Sounddesign bleiben entscheidende Faktoren. Spätestens beim Ton zeigt sich, dass filmische Qualität weiterhin vom Zusammenspiel von Musik, Atmosphäre und akustischer Dramaturgie abhängt.
KI ersetzt diese Kompetenzen nicht, sondern bündelt sie. Die eigentliche Revolution liegt daher weniger in der Automatisierung als in der radikalen Effizienzsteigerung kreativer Prozesse. Produktionswissen wird verdichtet, Entscheidungswege werden kürzer, Iterationen schneller.
Pasquale de Sapio, der hinter dem Projekt steht und aus der klassischen Medienproduktion kommt, versteht KI nicht als Zauberstab, sondern als Instrument. Produktionsabläufe, Timing, Qualitätskontrolle und das Zusammenspiel von Bild und Ton bleiben auch im KI-Workflow zentrale Erfolgsfaktoren.
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Zwischen Demokratisierung und Qualitätsfrage
Die beschleunigte Produktion hat auch eine Kehrseite: Sinkende Produktionshürden können zu einer Flut formal beeindruckender, aber inhaltlich austauschbarer Inhalte führen. Doch jede technologische Demokratisierung brachte zunächst eine Phase der Quantität, bevor sich neue Qualitätsmassstäbe etablierten.
Der Wettbewerb verschiebt sich damit von der Frage, wer produzieren kann, hin zu jener, wer eine relevante Geschichte erzählt und sie so inszeniert, dass sie in Erinnerung bleibt.
Ob und wann ein vollständig KI-produzierter Spielfilm im Kino läuft, hängt weniger von der Technik als vom Reifegrad der Workflows und der kreativen Führung ab. «MAX’s Hero Paws» versteht sich in diesem Kontext als Fallstudie – und als Signal, dass das KI-Kino näher ist, als viele annehmen.
