Thurgau

IHK Thurgau: Wirtschaft fordert mehr Handlungsspielraum

IHK Thurgau: Wirtschaft fordert mehr Handlungsspielraum
IHK-Präsidentin Kristiane Vietze
Lesezeit: 2 Minuten

An der Generalversammlung der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK) standen die grossen Übergänge der Schweiz im Zentrum. Migration, Fachkräftemangel und geldpolitische Unsicherheiten prägen laut den Referenten zunehmend den wirtschaftlichen Alltag.

Text: pd/red

Die Schweiz befinde sich gleichzeitig in mehreren grundlegenden Umbruchphasen, erklärte IHK-Präsidentin Kristiane Vietze. Betroffen seien unter anderem Altersvorsorge, Energieversorgung, Digitalisierung, Demographie und Sicherheitspolitik. Vietze bezeichnete diesen Zustand als «Liminalität», einen Schwellenzustand zwischen alter und neuer Ordnung. «Das System braucht, was die Gesellschaft zurzeit nicht einig ist zu wollen», sagte sie und verwies auf politische Polarisierung und blockierte Reformen.

Unsicherheit trifft KMU direkt

Für Unternehmen zeigt sich diese Lage konkret im Tagesgeschäft. Investitionsentscheide, Personalplanung oder strategische Ausrichtung würden durch Unsicherheiten bei Energie, Arbeitsmarkt und Regulierung erschwert. Vietze rief die Unternehmer dennoch zum Handeln auf: «Wer darauf wartet, dass sich die Verhältnisse klären, bevor er handelt, wartet zu lange.» Gefragt seien Szenarien, Engagement und belastbare Netzwerke. Die IHK verstehe sich als Plattform für Orientierung und faktenbasierte Wirtschaftspolitik.

Kritik an 10-Millionen-Initiative

Deutlich positionierte sich die Kammer gegen eine Begrenzung der Bevölkerung auf 10 Millionen. Pascale Ineichen, stellvertretende Direktorin der IHK, verwies auf die starke internationale Verflechtung der Schweizer Wirtschaft. Jeder zweite Franken werde im Ausland verdient. Gleichzeitig drohe in den nächsten zehn Jahren ein Fachkräftemangel von bis zu 500'000 Personen, davon rund 60'000 in der Ostschweiz.

Massnahmen wie Digitalisierung, höhere Erwerbsquoten oder ein höheres Rentenalter könnten die Lücke nur teilweise schliessen. Eine Einschränkung der Zuwanderung würde den Wettbewerb um Fachkräfte zusätzlich verschärfen. Auch die bilateralen Verträge mit der EU und die Zusammenarbeit in Forschung und Sicherheit stünden auf dem Spiel. Ohne Zugang zum Schengener Informationssystem würde die grenzüberschreitende Polizeiarbeit massiv erschwert, so Ineichen.

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SNB sieht steigende Risiken

Für den geldpolitischen Ausblick war SNB-Direktoriumsmitglied Dr. Petra Tschudin zu Gast. Sie verwies auf die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf die Inflation. Der Konflikt im Nahen Osten habe die Energiepreise steigen lassen und kurzfristige Inflationserwartungen erhöht. Die Schweizerische Nationalbank beobachte die Lage genau und sei bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine übermässige Aufwertung des Frankens zu verhindern. Den Leitzins beliess die SNB zuletzt bei 0 Prozent.

Petra Tschudin
Petra Tschudin

Veränderungen im Vorstand

Die Generalversammlung genehmigte Bericht und Jahresrechnung 2025 einstimmig. Neu in den Vorstand gewählt wurden Martina Wüthrich und Lukas Gmür. Verabschiedet wurden Dennis Reichardt, Dominik Hasler und Urs Neuhauser. Christian Sallmann übernimmt neu das Amt des Vizepräsidenten. Zudem verwies IHK-Direktor Jérôme Müggler auf den operativen Start des I+D Campus in Kreuzlingen, der in eine eigenständige Stiftung überführt wurde.

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