IGöV warnt vor teurem Sparkurs
Text: pd/stz.
Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr, Sektion Ostschweiz, stellt die Notwendigkeit eines gesunden kantonalen Finanzhaushalts nicht infrage. Sie verlangt jedoch, die vorgesehenen Sparmassnahmen am Nutzen für sämtliche beteiligten öffentlichen Haushalte zu messen. Neben der unmittelbaren Entlastung müssten auch die Folgen für Erreichbarkeit, Nachfrage und Wirtschaft berücksichtigt werden.
Nach Angaben der IGöV sollen die Massnahmen den Kanton netto um rund 3,7 Millionen Franken jährlich entlasten. Zusammen mit tieferen Beiträgen von Gemeinden und Bund beträgt das Massnahmenvolumen rund 10,5 Millionen. Geplant sind unter anderem Linienaufhebungen, dünnere Fahrpläne, der Verzicht auf Ausbauten und der Rückzug aus einzelnen Mitfinanzierungen.
Ein gestrichener Kurs trifft das ganze Netz
Der öV funktioniert als verknüpftes System. Auch Linien in Randregionen führen Fahrgäste zu den Hauptachsen und sichern den Zugang zu Arbeitsplätzen, Ausbildung und Einkauf. Fällt ein Zubringerkurs weg, können gleich mehrere Anschlüsse verloren gehen. Besonders betroffen wären Lernende, Schichtarbeiter und Menschen ohne eigenes Auto.
Aus Sicht der IGöV reicht die Wirkung deshalb weit über die einzelne Linie hinaus: Schlechtere Verbindungen erschweren den Alltag und mindern die Attraktivität von Gemeinden als Wohn- und Wirtschaftsstandorte.
Weniger Angebot spart nicht im gleichen Mass Kosten
Ein erheblicher Teil der Betriebskosten fällt unabhängig vom einzelnen Kurs an. Kürzungen könnten zudem abgestimmte Fahrzeug- und Personaleinsätze weniger effizient machen. Gleichzeitig drohten Einnahmeausfälle auf Anschlusslinien.
Auch Kostenverlagerungen seien einzurechnen: Gemeinden könnten stärker für Schul- und Sozialtransporte, Parkierung oder Verkehrssicherheit aufkommen müssen. Zudem würden laut Vorlage rund 3,2 Millionen Franken an Bundesbeiträgen wegfallen. Ob diese Mittel bei einem späteren Angebotsausbau wieder verfügbar wären, sei offen.
Effizienz statt Abwärtsspirale
Die IGöV warnt vor einer Abwärtsspirale: Schlechtere Verbindungen lassen Fahrgastzahlen und Einnahmen sinken, was weitere Kürzungen begünstigen kann. Ein Umstieg aufs Auto erhöhe zudem den Druck auf Strassen und Parkplätze und erschwere das Erreichen der Klimaziele.
Vor den Entscheiden fordert die Organisation deshalb eine nachvollziehbare Prüfung der Auswirkungen auf Anschlüsse, Reisezeiten, Nachfrage und Kosten. Gemeinsam mit Gemeinden und Transportunternehmen sollen Lösungen gesucht werden, die den Betrieb effizienter machen und zugleich die Grundversorgung sowie zentrale Anschlussketten sichern.