St.Gallen

Humboldt AI will Bewerbungen transparenter machen

Humboldt AI will Bewerbungen transparenter machen
Thomas Bigliel und Kathrin Neumüller
Lesezeit: 3 Minuten

Mit Humboldt AI ist in St.Gallen die erste KI-basierte Karriere- und Lebenslaufberatung der Schweiz entstanden. Das von Kathrin Neumüller und Thomas Bigliel gegründete Unternehmen entwickelt digitale Tools, die Bewerbern nachvollziehbares Feedback zu Lebenslauf, Marktwert und Chancen im Bewerbungsprozess geben sollen.

Text: stz.

Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt und damit auch die Art, wie Menschen sich bewerben und wie Unternehmen Personal auswählen. Genau hier setzt Humboldt AI an: Das 2026 in St.Gallen gegründete Unternehmen entwickelt KI-gestützte Karriere-Tools für den Schweizer Arbeitsmarkt. Im Zentrum steht der Anspruch, Bewerbungsprozesse transparenter, fairer und verständlicher zu machen.

Gegründet wurde Humboldt AI von Kathrin Neumüller und Thomas Bigliel. Neumüller promovierte an der Universität St.Gallen zum Thema «Employee Inspiration» und forscht an der Schnittstelle von Inspiration, Führung und Organisationen. Bei Humboldt AI verantwortet sie als Founder und Co-CEO das Business Development. Bigliel ist ebenfalls Founder und Co-CEO und für Technologie sowie Produktentwicklung zuständig. Er bringt Erfahrung in Marketingtechnologie, Produktmanagement und digitalen Geschäftsmodellen mit.

Die Grundidee von Humboldt AI ist einfach: Bewerber sollen nicht länger im Ungewissen bleiben, wenn Bewerbungen unbeantwortet bleiben oder standardisierte Absagen ohne Begründung eintreffen. «Wir glauben an einen Bewerbungsprozess, der fair, transparent und respektvoll ist. Deshalb geben wir Bewerbenden zurück, was heute oft fehlt: ehrliches, nachvollziehbares Feedback», sagt Neumüller.

Zu den Angeboten gehören unter anderem CV-Check, Lohn-Check, ATS-Check, KI-Check, Bewerbungsfoto-Check, Arbeitszeugnis-Check und Arbeitsvertrag-Check

Der Humboldt-AI-Algorithmus verbindet nach Angaben des Unternehmens Forschungsergebnisse aus Personal-, Leadership- und Verhaltensforschung mit gelebter Rekrutierungspraxis im Schweizer Arbeitsmarkt. Dabei werden sowohl menschliche Bewertungslogiken als auch technische Selektionsmechanismen, etwa von Applicant-Tracking-Systemen, berücksichtigt. Ziel sei erklärbares, praxisnahes und faires Feedback.

Das Unternehmen positioniert sich bewusst nicht als weiteres Aussortierungssystem, sondern als Gegenmodell zur Blackbox vieler Bewerbungsprozesse. «Der Mensch im Mittelpunkt. KI im Hintergrund», heisst es bei Humboldt AI. Anders als klassische ATS-Systeme wolle man Menschen nicht anhand intransparenter Kriterien bewerten und aussortieren, sondern ihnen Orientierung geben, Stärken und Lücken sichtbar machen und konkrete Verbesserungen ermöglichen.

Die Relevanz des Themas ist gross. Stellensuchende investieren oft viel Zeit in ihre Bewerbungsunterlagen, erhalten aber häufig keine konkrete Rückmeldung. Humboldt AI sieht darin nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine strukturelle Schwäche des Arbeitsmarkts. Fehlendes Feedback führe zu Frust, Unsicherheit und im schlimmsten Fall zu einer Abwärtsspirale. Das Unternehmen will diese Lücke mit datenbasierten, nachvollziehbaren Analysen schliessen, etwa mit der kostenlosen CV-Analyse.

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Neben der eigenen Plattform arbeitet Humboldt AI mit der Universität St.Gallen sowie mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zusammen

Zudem publizierten Neumüller und Bigliel bereits in Fachmedien wie dem KMU-Magazin, Personal Schweiz und HR Performance zu Themen rund um Führung, KI, Recruiting und Arbeitswelt.

Für Unternehmen und Personalverantwortliche wirft die Entwicklung grundsätzliche Fragen auf: Ist das klassische Junior-Profil durch KI unter Druck? Verändert künstliche Intelligenz den Berufseinstieg? Und ersetzt KI künftig Recruiter, oder macht sie deren Arbeit gezielter und menschlicher? Humboldt AI will diese Debatten nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftlich führen.

Mit dem Standort St.Gallen, dem HSG-Hintergrund und dem Fokus auf den Schweizer Arbeitsmarkt positioniert sich Humboldt AI an der Schnittstelle von Forschung, HR-Praxis und Career-Tech. Das Ziel der Gründer ist ambitioniert: weniger Blackbox, mehr Fairness und mehr Transparenz im Bewerbungsprozess.

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