Ostschweiz

«Frankenstärke als kontinuierliche Fitnesskur»

«Frankenstärke als kontinuierliche Fitnesskur»
Martin Schlegel (SNB-Vizepräsident), Monika Rühl (Direktorin Economiesuisse), Lucius Gerig (EVP Stadler Rail), Pascal Gantenbein (Professor für Finanzmanagement an der Universität Basel) sowie Roland Ledergerber (IHK-Präsident und Gastgeber des Abends)
Lesezeit: 2 Minuten

Inflation, Zinsen, Frankenstärke: Wohin geht die geldpolitische Reise? Dieser Frage widmete sich der IHK Business Outlook am 28. März mit Martin Schlegel, Vizepräsident der Nationalbank. Die Bühnengäste aus Wirtschaft und Akademie waren sich einig: Die SNB leiste sehr gute Arbeit, auch wenn die Frankenstärke ein Belastungsfaktor für die hiesige Exportindustrie sei. Rund 200 Gäste folgten der Einladung in den St.Galler Pfalzkeller.

Text: pd

Die Überraschung war gross, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am vergangenen Donnerstag eine Leitzinssenkung von 1,75 % auf 1,5 % verkündete. «Der verminderte Inflationsdruck liess diesen Schritt zu», begründete SNB-Vizepräsident Martin Schlegel im Pfalzkeller den Entscheid. Nach Inflationsraten von bis zu 3,5 % im August 2022 habe sich die Teuerung deutlich abgeschwächt und befinde sich nun wieder klar innerhalb des Zielbands von 0 bis 2 %.

Preisstabilität als Standortvorteil

Die Nationalbank berücksichtigte mit ihrem Entscheid auch die im letzten Jahr erfolgte reale Aufwertung des Frankens. Martin Schlegel betonte klar: «Die SNB beobachtet den Wechselkurs genau, aber Kernaufgabe ist und bleibt die Preisstabilität.» Diese zu gewährleisten sei der wichtigste Beitrag, den die SNB für eine funktionierende Wirtschaft leisten könne.

Monika Rühl, Direktorin von Economiesuisse, pflichtete bei: «Preisstabilität schafft Planungssicherheit für Unternehmen und Konsumenten». Dies sei ein klarer Standortvorteil für die Schweiz. Umso wichtiger sei die Unabhängigkeit der Nationalbank, erklärte Pascal Gantenbein, Professor für Finanzmanagement an der Universität Basel. Die Forschung zeige klar, dass die Unabhängigkeit einer Zentralbank die Preisstabilität begünstige.

SNB-Vizepräsident Martin Schlegel: «Kernaufgabe der SNB ist und bleibt die Preisstabilität.»
SNB-Vizepräsident Martin Schlegel: «Kernaufgabe der SNB ist und bleibt die Preisstabilität.»

Frankenstärke als Herausforderung für Exportindustrie

Die hiesige Exportindustrie nahm den Leitzinsentscheid mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis. Stellvertretend sagte Lucius Gerig, EVP der Division Schweiz und Konzernleitungsmitglied bei Stadler: «Die Aufwertung des Frankens hat uns zuletzt stark getroffen.» Der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller mit weltweit rund 14'500 Mitarbeitern befinde sich in hartem Wettbewerb im Euro-Raum. Erschwerend komme hinzu, dass Stadler sehr langfristige Verträge abschliesse, bei denen das Währungsrisiko schlichtweg mitspiele. Trotzdem betonte Lucius Gerig, die Wechselkursentwicklung zwinge Stadler Rail zu Innovation, Verlässlichkeit gegenüber den Kunden und Investitionen in die Berufsbildung. «Die Frankenstärke wirkt wie ein kontinuierliches Fitnessprogramm.»

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Die Schweiz, ein Sonderfall

«Die Schweiz, ein Sonderfall – einmal mehr», stellte IHK-Direktor Markus Bänziger mit Blick auf den ersten Zinsschritt einer Zentralbank fest. Im Vergleich zum Ausland sei die Schweiz mit tiefer Teuerung durch die letzten drei Jahre gekommen. Als Gegenbeispiel führte Bänziger das Euro-Land Estland auf, wo die Inflation zeitweise fast 25 % betrug.

Gemeinhin attestierten die Bühnengäste der Nationalbank gute Arbeit. IHK-Präsident Roland Ledergerber, der durch den Abend führte, hielt in seinem Schlussstatement an die Adresse von Martin Schlegel fest: «Wir haben in der Schweiz Preisstabilität. Sie machen einen sehr guten Job.»

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