Fokus Nachfolge- und Steuerplanung

Nachfolge beginnt im Kopf

Nachfolge beginnt im Kopf
Matt Moser
Lesezeit: 3 Minuten

Wenn über Unternehmensnachfolge gesprochen wird, stehen meist Zahlen im Zentrum: Bewertung, Kaufpreis, steuerliche Optimierung. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Matt Moser, Associate Partner der St.Galler Nachfolgespezialistin Continuum AG, erläutert, weshalb Nachfolge zuerst eine persönliche und emotionale Auseinandersetzung erfordert und warum ungelöste innere Fragen zu den häufigsten Ursachen gescheiterter Übergaben zählen.

Wenn von Nachfolge die Rede ist, dominieren schnell monetäre Themen», sagt Matt Moser. «Doch die wahren Stolpersteine liegen fast immer in den non-monetären Aspekten.» In der Beratungspraxis begegnet er regelmässig Unternehmern, die ihre Firma über Jahrzehnte aufgebaut haben und fachlich wie finanziell bestens vorbereitet sind – emotional jedoch nicht. «Deshalb sprechen wir bewusst von Vor-Nachfolge. In dieser Phase steht nicht der Betrieb im Mittelpunkt, sondern der Mensch.»

«Der wichtigste Punkt lautet: Bin ich bereit?»

Loslassen als Entwicklungsaufgabe

Für viele Unternehmer ist die Firma weit mehr als ein Arbeitsplatz. Sie ist Lebenswerk, Identität, oft auch sozialer Mittelpunkt. «Die klassischen Patrons haben ihre Unternehmen mit enormer Hingabe aufgebaut. Sie haben Verantwortung getragen, Risiken übernommen und ihre Firma durch Krisen geführt», sagt Moser. «Loszulassen ist deshalb keine formale Handlung, sondern eine echte Entwicklungsaufgabe.»

Die zentrale Frage sei dabei nicht finanzieller Natur. «Der wichtigste Punkt der Vor-Nachfolge lautet nicht: Ist der Preis richtig? Sondern: Bin ich bereit? Nicht finanziell, sondern emotional.» Wer diese Frage nicht ehrlich beantworte, riskiere Konflikte nach der Übergabe – unabhängig davon, wie gut Verträge und Zeitpläne ausgestaltet seien. Hier beginnt also die eigentliche Arbeit. Moser gibt ein Beispiel aus seiner Beratungspraxis. «Ein Unternehmer hatte die Übergabe an seinen Sohn perfekt geplant. Sechs Monate nach der Übergabe sass er noch immer täglich im Betrieb, kommentierte Entscheide und verunsicherte damit sowohl den Nachfolger als auch die Belegschaft.» Was gefehlt habe, sei nicht Struktur, sondern persönliche Vorbereitung. «Der Mann hatte sich nicht auf das Danach vorbereitet.»

«Plötzlich fehlen die täglichen Herausforderungen.»

Das Gefühl, gebraucht zu werden

Das Loslassen wird zusätzlich erschwert, wenn mit der Übergabe zentrale Lebensinhalte wegfallen. «Plötzlich fehlen die täglichen Herausforderungen, der soziale Austausch verändert sich, das Gefühl, gebraucht zu werden, nimmt ab.»

Ein Unternehmensverkauf oder eine Übergabe ist deshalb immer auch ein Übergang in einen neuen Lebensabschnitt, vergleichbar mit der Pensionierung. «Dieses neue Kapitel verdient Vorbereitung – nicht erst am Tag der Übergabe.»

Hilfreich sei es, sich frühzeitig mit neuen Prioritäten auseinanderzusetzen. «Welche Ziele habe ich jenseits des Unternehmens? Welche Projekte habe ich aufgeschoben? Was will ich künftig gestalten?» Diese Fragen sollten bewusst vor den strategischen und finanziellen Nachfolgethemen beantwortet werden. «Der Übergang gelingt besser, wenn diese Auseinandersetzung auf rationaler, vor allem aber auf emotionaler Ebene vorher stattfindet.»

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Die Freiheit, sich neuen Themen zuzuwenden

Besonders anspruchsvoll ist oft der Moment, in dem der ehemalige Inhaber miterlebt, wie der Nachfolger eigene Entscheide trifft. «Wenn dabei Unverständnis oder gar Ärger aufkommt, hilft eine einfache Frage: Warum sollte ich eingreifen?» Die häufige Antwort «Weil ich es besser weiss» sei meist eine Illusion, so Moser. «Und selbst wenn nicht: Es ist nicht mehr meine Verantwortung.» Genau darin liege ein oft unterschätzter Gewinn der Übergabe. «Die Freiheit, sich neuen Themen zuzuwenden und Befriedigung in anderen Bereichen zu finden.»

Kommunikation ist entscheidend

Eine zentrale Rolle spielt auch die Familie. «Oft weiss sie erstaunlich wenig über die tatsächlichen Wünsche, Zeitpläne und Vorstellungen des Patrons», sagt Matt Moser. «Deshalb ist Kommunikation entscheidend.» Gerade in Unternehmerfamilien lohne es sich, Werte, Prinzipien und Erwartungen schriftlich festzuhalten. «Diese Klarheit schafft Stabilität – nicht nur für die Übergabe, sondern über Generationen hinweg.» Nachfolge scheitere selten an Zahlen, ist Moser überzeugt. «Sie scheitert an ungeklärten Emotionen, unausgesprochenen Erwartungen, undefinierten Rollen.» Wer sich frühzeitig mit diesen Themen auseinandersetze, lege den Grundstein für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe und für einen erfüllten neuen Lebensabschnitt. «Die gelungenste Nachfolge ist jene, bei der nicht nur das Unternehmen erfolgreich weiterlebt, sondern auch der Übergeber eine neue, tragfähige Identität.»

Text: Stephan Ziegler

Bild: zVg

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