«House of Excellence» schafft Raum für Innovation
Seit bald 30 Jahren steht Geoinfo für digitale Lösungen im Umgang mit raumbezogenen Daten. Aus einem Zusammenschluss von vier Geometern und einer IT-Firma 1997 ist ein Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern gewachsen, das heute schweizweit tätig ist. Mit dem Umzug an die Schützenstrasse werden erstmals grosse Teile des Unternehmens unter einem Dach vereint. «Für uns ist dieser Standort weit mehr als ein Büro», sagt CEO Adrian Eichrodt. «Wir haben hier ein Umfeld geschaffen, in dem sich Kompetenzen bündeln und neue Ideen schneller entstehen.»
«Im Zentrum steht die Vernetzung und Modellierung von Raumdaten.»
Vernetzung und Modellierung von Raumdaten
Im Zentrum der Tätigkeit steht die Vernetzung und Modellierung von Raumdaten, von klassischen Karten bis hin zu komplexen digitalen Abbildungen von Infrastrukturen. Mit dem Geoportal betreibt Geoinfo heute die grösste privat organisierte Plattform für Geodaten in der Schweiz. Über 400 Gemeinden sowie zahlreiche Ingenieur- und Architekturbüros greifen darauf zurück. Die Datenbasis ist enorm: Tausende Datensätze, zehntausende Ebenen und stetig wachsende Datenmengen bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen in Planung, Bau und Betrieb.
Die Möglichkeiten gehen dabei weit über klassische Kartendarstellungen hinaus. «Wir arbeiten daran, künftig auch Echtzeitdaten und Prognosen abzubilden und zusätzliche Anwendungen für Infrastruktur, Energie oder Entsorgung zu entwickeln», sagt Eichrodt. «Damit lassen sich Prozesse nicht nur besser verstehen, sondern auch aktiv steuern.» Gerade in Bereichen wie Abwasser, Verkehrsflüsse oder Energieversorgung eröffnen sich damit neue Ansätze, die sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile bringen.
Der neue Hauptsitz ist eng mit dieser strategischen Entwicklung verknüpft. Das Gebäude «Am Gleis» in Herisau wurde gemeinsam mit Waldburger + Partner konzipiert und setzt auf Flexibilität, Offenheit und langfristige Nutzbarkeit. Ausgangspunkt war ein anspruchsvolles Grundstück an der Schützenstrasse, das zuvor kaum sinnvoll genutzt werden konnte. Daraus entstand ein Bau, der sich in die Topografie einfügt und gleichzeitig einen markanten städtebaulichen Akzent setzt.
Kurze Wege und durchdachte Begegnungszonen
Für Projektleiter Nico Stutz war früh entscheidend, dass das Gebäude mehr leisten muss als reine Flächenbereitstellung. «Wir wollten eine Struktur schaffen, die sich an veränderte Bedürfnisse anpassen kann und die Zusammenarbeit aktiv unterstützt.» Grosszügige, stützenfreie Räume, modulare Elemente und flexible Grundrisse ermöglichen es, Teams und Arbeitsformen laufend weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sorgen kurze Wege und durchdachte Begegnungszonen dafür, dass Austausch nicht dem Zufall überlassen bleibt.
Auch technisch folgt der Neubau einem bewussten Ansatz: Statt auf maximale Komplexität setzt das Gebäude auf reduzierte, langlebige Lösungen. Der Minergie-P-Standard, eine hochwertige Gebäudehülle und ein durchdachtes Energiekonzept sorgen für tiefe Betriebskosten und ein angenehmes Raumklima. Ergänzt wird dies durch eine Wärmepumpe mit Erdsonden sowie natürliche Kühlung im Sommer. «Einfachheit bedeutet für uns nicht Verzicht, sondern Qualität», sagt Stutz. «Je robuster ein System ist, desto zuverlässiger funktioniert es im Alltag.»
Parallel zur baulichen Entwicklung hat Geoinfo auch seine Arbeitsweise weiterentwickelt. Das «House of Excellence» ist geprägt von offenen Strukturen, flexiblen Arbeitsmodellen und einer Umgebung, die Austausch fördert. Begegnungsflächen, Rückzugsorte und hybride Arbeitsmöglichkeiten schaffen die Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit. «Wir setzen auf Vertrauen und Eigenverantwortung», sagt Eichrodt. «Wenn Menschen Freiraum erhalten, entstehen bessere Lösungen.»
Ein zentrales Element ist dabei der Verzicht auf klassische Arbeitsplatzzuteilung. Statt fixer Plätze stehen unterschiedliche Zonen zur Verfügung, die je nach Aufgabe genutzt werden. Das fördert nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Durchmischung der Teams. Wissen zirkuliert schneller, Schnittstellen werden reduziert und neue Ideen entstehen im direkten Austausch.
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Gestärkte Zusammenarbeit und lokale Verankerung
Diese Entwicklung zeigt bereits Wirkung: «Die räumliche Nähe erleichtert den Austausch zwischen verschiedenen Fachbereichen, reduziert Abstimmungsaufwand und stärkt das gemeinsame Verständnis», sagt CEO Eichrodt. Gleichzeitig entstehe eine Unternehmenskultur, die stärker auf Zusammenarbeit ausgerichtet ist als zuvor, als Geoinfo noch auf drei Standorte in Herisau verteilt war.
Mit dem neuen Hauptsitz positioniert sich Geoinfo auch als attraktive Arbeitgeberin für hochqualifizierte Fachkräfte. Gesucht sind Spezialisten aus den Bereichen Geoinformation, Vermessung, Ingenieurwesen, IT und Softwareentwicklung. Die Chancen dafür stehen gut; Arbeitsumgebungen dieser Art sind in der Ostschweiz noch selten.
Apropos Ostschweiz: Die Verankerung in der Ostschweiz bleibt ein zentrales Element der Unternehmensstrategie. «Unsere Innovationskraft entsteht hier in Herisau», sagt Eichrodt. «Von hier aus entwickeln wir Lösungen, die in der ganzen Schweiz im Einsatz stehen.» Gleichzeitig setzt Geoinfo weiterhin auf enge Partnerschaften mit lokalen Unternehmen, die Daten erfassen oder die Systeme bei ihren Kunden einsetzen.
Das Gebäude ist Teil der Überbauung «Am Gleis», in der Geoinfo als Ankermieterin auftritt. «Neben den eigenen Flächen stehen weitere Bürobereiche zur Verfügung, die gezielt an innovative Unternehmen vermietet werden», so Projektleiter Stutz. Gemeinsame Infrastrukturen wie Foyer, Meetingräume oder Dachterrasse fördern den Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg und schaffen zusätzliche Synergien. «Damit entsteht schrittweise ein Umfeld, das über ein einzelnes Unternehmen hinaus Wirkung entfaltet.»
Text: Stephan Ziegler
Bild: Rebekka Grossglauser