Werkplatz Schweiz gewinnt trotz Gegenwind an Rückhalt
Text: pd/stz.
Der Standort Schweiz gewinnt bei den befragten Industriebetrieben an Attraktivität. Seine Stärken werden positiver beurteilt als noch 2025, das Qualitätsmerkmal «Made in Switzerland» erreicht in der Bewertung sogar einen neuen Höchstwert. Die aktuelle Erhebung der Universität St.Gallen zeichnet damit das Bild einer widerstandsfähigen Industrie, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen am Heimstandort festhält.
Allerdings profitieren nicht alle Unternehmen gleichermassen. Während mehr Betriebe Margen von über 20 Prozent erzielen, wächst zugleich die Gruppe mit niedrigen Margen. Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Branche driftet damit weiter auseinander.
Innovation verliert an Schwung
Ein Warnsignal liefert der Umsatzbeitrag neuer Produkte und Dienstleistungen. Ihr Anteil sank von 22 Prozent im Jahr 2023 auf 17 Prozent im Jahr 2025. Neue Angebote tragen damit weniger zum Geschäft bei. Die Studienautoren sehen in der nachlassenden Innovationsdynamik neben dem Kostendruck und den geopolitischen Unsicherheiten einen wesentlichen Handlungsbedarf.
Gleichzeitig greifen internationale Entwicklungen stärker in den Produktionsalltag ein. 42 Prozent der befragten Unternehmen berichten von starken Auswirkungen geopolitischer Veränderungen, deutlich mehr als im Vorjahr.
Auch die US-Zölle hinterlassen Spuren: 27 Prozent der Unternehmen verzeichnen dadurch weniger Verkäufe in den USA, 34 Prozent melden Störungen in den Lieferketten. China bleibt trotz geopolitischer Risiken ein wichtiger Produktionsstandort.
Grossunternehmen orientieren sich stärker ins Ausland
Unterschiede zeigen sich auch zwischen grossen und kleineren Unternehmen. Für Grossunternehmen sind die Nachbarländer als Absatz- und Beschaffungsmärkte inzwischen wichtiger als die Schweiz. KMU bleiben dagegen stärker auf den Heimmarkt ausgerichtet. Die internationale Verflechtung und die Bedeutung des Schweizer Marktes entwickeln sich somit je nach Unternehmensgrösse unterschiedlich.
Der «Swiss Manufacturing Survey» wurde 2026 zum zehnten Mal durchgeführt. Verantwortlich sind Prof. Dr. Thomas Friedli, Simon Gmeiner und Simon Gese vom Institut für Produktions- und Supply Chain Management der Universität St.Gallen. Zwischen dem 8. April und dem 30. Juni beteiligten sich 404 Personen aus 388 Schweizer Unternehmen an der Erhebung. Von den Unternehmen, die Angaben zu ihrer Grösse machten, sind 78 Prozent KMU mit höchstens 249 Mitarbeitern.
St.Galler Tagung diskutiert Antworten für die Industrie
Wie Unternehmen auf veränderte Wettbewerbsbedingungen reagieren können, steht im Oktober 2026 an der St.Galler Produktionsmanagement-Tagung zur Diskussion. Im Mittelpunkt stehen die Integration neuer Technologien, die Weiterentwicklung von Prozessen und die Frage, wie sich Industriebetriebe für künftige Anforderungen aufstellen.
An der Tagung wird auch der «Swiss Manufacturing Award» verliehen. Die Auszeichnung geht an eines der 388 an der Studie beteiligten Unternehmen, das sich besonders um den Werkplatz Schweiz verdient gemacht hat.