St.Gallen

«Hof zu Wil» ringt um wirtschaftliche Zukunft

«Hof zu Wil» ringt um wirtschaftliche Zukunft
Auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter, selbst Wilerin, war bei der Wiedereröffnung dabei
Lesezeit: 3 Minuten

Nach der Sanierung für rund 30 Millionen Franken steht der Hof zu Wil vor finanziellen und betrieblichen Herausforderungen. Die Stiftung beantragt weitere 4,9 Millionen Franken von der Stadt, während sie mit dem Pächterpaar über die Zukunft der Gastronomie streitet. Neben der Finanzierung rücken damit das Geschäftsmodell und die Führungsstrukturen des Wiler Wahrzeichens in den Mittelpunkt.

Text: stz.

Die Gesamteröffnung Anfang Juli sollte den Aufbruch markieren: Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Bischof Beat Grögli und mehr als 5000 Besucher am Eröffnungswochenende würdigten den erneuerten Hof zu Wil. Gut zwei Monate später beschäftigt das historische Ensemble vor allem mit offenen Rechnungen, einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf und der ausserordentlichen Kündigung des Gastronomievertrags.

Für die beteiligten Unternehmen hat die Finanzierungslücke unmittelbare Folgen. Ende August bezifferte die Stiftung offene Rechnungen gegenüber mehr als 50 Betrieben auf rund 1,8 Millionen Franken. Sie anerkennt die Forderungen und will sie vollständig begleichen; Zahlungsaufschübe wurden vereinbart. Daneben besteht ein privates Überbrückungsdarlehen von rund 1,8 Millionen Franken, gebunden an ausstehende Beiträge von Bund und Kanton.

Der renovierte Hof zu Wil wurde am 4. Juli mit viel Prominenz wiedereröffnet
Der renovierte Hof zu Wil wurde am 4. Juli mit viel Prominenz wiedereröffnet

Der beantragte, nicht rückzahlbare Stadtbeitrag von 4,9 Millionen Franken umfasst dagegen 4,35 Millionen für das Bauprojekt, 350’000 Franken für den Betriebsaufbau und 200’000 Franken für Nebenkosten. Er ist von den offenen Rechnungen und dem Darlehen zu unterscheiden. Laut Stiftung wurde der revidierte Baukostenrahmen von 29,88 Millionen Franken eingehalten, die Finanzierung jedoch nicht vollständig gesichert.

Dass zusätzliches Geld benötigt würde, war bereits vor dem Baustart 2023 bekannt. Damals bezifferte die Stiftung die Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Planung auf rund 4,4 Millionen Franken und verwies auf einen Kalkulationsfehler des Architekturbüros. Auf einen Nachtragskredit beim Stadtparlament wurde zunächst verzichtet. Stattdessen sollten andere Finanzierungsquellen erschlossen werden.

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Der ehemalige Wiler Stapi Hans Mäder bei der Neueröffnung
Der ehemalige Wiler Stapi Hans Mäder bei der Neueröffnung

Der damalige Stadt- und Stiftungsratspräsident Hans Mäder erklärte gegenüber Keystone-SDA, man habe sich zwischen Projektstopp und Baustart entscheiden müssen. Die Arbeiten wurden aufgenommen. Spätere Bankgespräche zeigten jedoch, dass die erwarteten Einnahmen, insbesondere aus der Gastronomie, für eine ausreichende Kreditwürdigkeit nicht genügten. Damit blieb eine wesentliche Finanzierungsfrage ungelöst.

Ausgerechnet um die Gastronomie ist inzwischen ein weiterer Konflikt entstanden. Die Stiftung hat Marcel und Angelina Kampe ausserordentlich per Ende September gekündigt. Laut «Blick» sollen sie den Betrieb bis zum 30. September 2026 räumen. Stiftungsratspräsident Andreas Breitenmoser begründete die Kündigung gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» mit ausstehenden Zahlungen. Das Pächterpaar bestreitet die Forderungen und hält die Kündigung für unrechtmässig und missbräuchlich. 

Das Gastgeberpaar Marcel und Angelina Kampe
Das Gastgeberpaar Marcel und Angelina Kampe

Die Kampes führen das Restaurant seit dem 1. Oktober 2024. Einen erheblichen Teil ihrer Aufbauarbeit leisteten sie während der Bauphase. Gegenüber den «Wiler Nachrichten» schilderte Marcel Kampe seine Enttäuschung darüber, dass die Stiftung das Paar zunächst zum Durchhalten ermuntert und nach Abschluss der Arbeiten die Zusammenarbeit gekündigt habe.

Dabei geht es nach Darstellung der Pächter auch um wirtschaftlich relevante Zuständigkeiten: Zum vereinbarten Gastronomiekonzept hätten die Durchführung zahlreicher Veranstaltungen und die Auslastung der Räume gehört. Kampe vermutet, die Stiftung wolle diesen Bereich nun stärker selbst übernehmen. Die Stiftung bestätigt diese Darstellung nicht. Sie verweist auf unterschiedliche Auffassungen zum Vertragsverhältnis und einen längeren Entscheidungsprozess. Die Gastronomie bleibe ein wichtiger Bestandteil des Hofs; über die künftige Ausgestaltung könne erst nach Klärung der bestehenden Situation informiert werden.

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Der Hof ist ein Wahrzeichen Wils
Der Hof ist ein Wahrzeichen Wils

Das Wirtepaar will den Betrieb weiterführen und die Kündigung anfechten. Reservationen würden weiterhin entgegengenommen, auch für Herbst- und Weihnachtsanlässe. Die Frage, wer das Restaurant künftig unter welchen Bedingungen betreibt, ist damit offen. 

Parallel läuft die politische Aufarbeitung. Die SVP reichte laut den «Wiler Nachrichten» am 5. August eine Aufsichtsanzeige ein. Sie thematisiert mögliche Versäumnisse bei Finanzplanung, Risikokontrolle und Information. Ihre Kritik richtet sich besonders gegen Mäder, der als Stadt- und Stiftungsratspräsident zugleich die Geldgeberin und die Projektträgerin repräsentierte. 

Sein Nachfolger Breitenmoser will diese Doppelrolle beenden. Im Interview mit den «Wiler Nachrichten» betonte er zudem, dass eine Finanzierungslösung eine genaue Prüfung der Betriebsrechnung voraussetze. Ein zusätzlicher Kredit allein behebe kein mögliches strukturelles Defizit. Zu klären sei deshalb auch, ob eine einmalige Zahlung oder eine längerfristige finanzielle Unterstützung die sinnvollere Lösung darstelle.

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