Appenzell Ausserrhoden

Wagner schliesst nach 81 Jahren – über 70 Jobs weg

Wagner schliesst nach 81 Jahren – über 70 Jobs weg
Für das Appenzeller Industrieunternehmen zeichnet sich nach mehr als acht Jahrzehnten eine einschneidende Veränderung ab
Lesezeit: 3 Minuten

Die Wagner AG aus Waldstatt plant, ihre Geschäftsaktivitäten schrittweise an industrielle Partner zu übertragen und das Unternehmen anschliessend geordnet zu schliessen. Voraussichtlich 71 Arbeitsplätze sind betroffen; eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Weiterführung des gesamten Familienunternehmens konnte nicht gefunden werden. Der definitive Entscheid fällt erst nach Abschluss des am 23. September eröffneten Konsultationsverfahrens.

Text: pd/stz.

Seit Ende Juni 2026 befindet sich Wagner in einer provisorischen, stillen Nachlassstundung. Produktion und Lieferfähigkeit konnten seither ohne Unterbruch aufrechterhalten werden. Gleichzeitig prüften Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Eigentümer und die provisorische Sachwalterin verschiedene Sanierungs- und Transaktionsmöglichkeiten. Im Zentrum stand eine Übernahme und Weiterführung als Gesamtunternehmen.

Diese Bemühungen führten zu keiner ausreichend belastbaren und wirtschaftlich tragfähigen Gesamtlösung. Der Verwaltungsrat beabsichtigt deshalb, die Geschäftsaktivitäten während einer Übergangsphase an verschiedene industrielle Partner zu übertragen. Anschliessend soll die Wagner AG im Rahmen des Nachlassverfahrens geordnet liquidiert werden.

«Für unsere Familie und für mich persönlich ist dieser geplante Schritt ausserordentlich schwierig», sagt CEO und Mitinhaber Silvan Halter, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt. Wagner habe sich über viele Jahrzehnte erfolgreich an neue Herausforderungen angepasst. Auch in den vergangenen Monaten sei intensiv nach einer Lösung für die Weiterführung des gesamten Unternehmens gesucht worden.

Silvan Halter
Silvan Halter

Für einen grossen Teil der Kunden und Projekte bestehen nach Angaben von Wagner bereits mögliche Anschlusslösungen. Diese werden nun mit den jeweiligen Kunden abgestimmt. Ziel ist es, möglichst viele Projekte bei geeigneten Partnern weiterzuführen und die Übertragung geordnet und mit möglichst geringen Risiken zu gestalten.

Parallel dazu prüft das Unternehmen mit industriellen Partnern und weiteren Betrieben in der Region, für welche Mitarbeiter sich neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben. Grundsätzlich sind 71 Arbeitsplätze von der geplanten Einstellung beziehungsweise Übertragung der Geschäftsaktivitäten betroffen. Wie viele Mitarbeiter eine Anschlussbeschäftigung finden können, ist noch offen.

Die Planung steht unter dem Vorbehalt des laufenden Konsultationsverfahrens. «Bis zum definitiven Entscheid werden wir alle Vorschläge aus dem Konsultationsverfahren sorgfältig prüfen», betont Halter.

Als Ursachen für die schwierige finanzielle Lage nennt Wagner mehrere aufeinanderfolgende Krisen und strukturelle Belastungen. Seit 2018 hätten der Nachfragerückgang und die Transformation in der Automobilindustrie, die Corona-Pandemie mit ihren Lieferkettenproblemen sowie der Ukraine-Krieg und die Energiekrise die Substanz des Unternehmens geschwächt.

Hinzu kommen laut Wagner eine schwache Nachfrage in wichtigen Kundensegmenten und erhebliche Überkapazitäten in Europa und weltweit. Diese verschärften den internationalen Preis- und Wettbewerbsdruck, insbesondere durch Anbieter aus China. Hohe Energie- und Personalkosten sowie die langfristige Entwicklung des Schweizer Frankens erschwerten zudem die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Produktionsstandorts gegenüber Europa und Asien.

Das Unternehmen verweist auf zahlreiche strategische und operative Massnahmen in den vergangenen Jahren. Die Eigentümer hätten die Weiterentwicklung und verschiedene Sanierungsbemühungen mit erheblichen zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt. Dennoch habe sich keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die langfristige Weiterführung als Gesamtunternehmen ergeben.

Während der geplanten Übergangsphase soll die Produktion weiterlaufen. Nach aktuellem Planungsstand will Wagner den operativen Betrieb bis mindestens Mitte Januar 2027 sicherstellen. Gemeinsam mit den Kunden werden nun Produktionsmengen und Übergangszeiträume konkretisiert. Je nach Kundenbedarf und wirtschaftlicher Tragfähigkeit könnten einzelne Aktivitäten auch über Januar hinaus fortgeführt werden.

Die Wagner AG (gegründet 1945) entwickelt und produziert anspruchsvolle Komponenten und Baugruppen aus Metall und Kunststoff. Zu ihren Kunden gehören Unternehmen der Automobilindustrie, des Maschinen- und Anlagenbaus sowie weiterer Industriezweige. Ihre Kompetenzen umfassen Metalldruckguss, Kunststoffspritzguss, Werkzeugbau und mechanische Bearbeitung sowie die Kombination verschiedener Werkstoffe zu leichten und funktionalen Bauteilen.

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