Vom persönlichen Schicksal zur gesellschaftlichen Bewegung
Text: stz.
Mit 14 Jahren erhielt Romina Rausch die Diagnose Alopecia Areata. Der plötzliche Haarverlust stellte ihr Leben auf den Kopf. Es folgten Jahre der Unsicherheit, des Versteckens und der Suche nach einem eigenen Umgang mit der Situation. Was ihr fehlte, waren Kopfbedeckungen, die nicht nach Krankheit aussahen, sondern Selbstbewusstsein und Lebensfreude ausstrahlen.
Der Wendepunkt kam mit der Erkenntnis, nicht allein zu sein. Aus dieser Erfahrung heraus begann Romina Rausch, eigene Kopfbedeckungen zu entwerfen – zunächst für sich selbst, später für andere Betroffene. Daraus entstand «Kopfrausch», ein Unternehmen mit Sitz in Waldstatt, das heute für einen neuen Umgang mit Haarverlust steht: weg vom Verbergen, hin zur Sichtbarkeit.
Mit über 200 Perückenmodellen und rund 170 Kopfbedeckungen aus eigener Produktion bietet Kopfrausch nicht nur Produkte, sondern eine Haltung. Alle Angebote werden von Betroffenen entwickelt und getestet – mit dem Ziel, Menschen in einer herausfordernden Lebenssituation zu stärken.
Doch das Engagement von Romina Rausch geht weit über das Unternehmerische hinaus. Sie setzt sich seit Jahren für Aufklärung und Entstigmatisierung ein, gründete 2016 den Verein Alopecia Areata Deutschland/Schweiz und arbeitet mit Organisationen wie der Krebsliga Schweiz zusammen. Ihr Anliegen ist klar: Kein Mensch soll sich wegen Haarverlust verstecken müssen.
Am Grenzdenken 2026 spricht Rausch darüber, wie gesellschaftliche Normen entstehen – und wie sie sich verändern lassen. Sie zeigt auf, dass echte Innovation nicht nur in Technologien liegt, sondern im Mut, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen. Ihre Geschichte steht exemplarisch für das, was Grenzdenken ausmacht: Grenzen erkennen, hinterfragen und bewusst überschreiten.
Romina Rausch macht deutlich, dass es nicht immer darum geht, ein Problem zu lösen – sondern den Blick darauf zu verändern. Oder, wie sie selbst sagt: «Du brauchst nicht dein Leben zu verändern, sondern lebe deine Veränderung.»
Grenzdenken ist eine Denk- und Austauschplattform, die Menschen dazu einlädt, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und neue Perspektiven zuzulassen. Die sechste Ausgabe findet am 5. und 6. Juni 2026 auf dem Lilienberg in Ermatingen statt.
Während eineinhalb Tagen treffen sich Unternehmer, Führungskräfte und Interessierte, um sich in Referaten, Gesprächen und Workshops mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Ziel ist es, bestehende Denkgewohnheiten aufzubrechen und Impulse für neue Sichtweisen und Handlungsansätze zu geben.