St.Gallen

Väter profitieren im Job stärker von Unterstützung im Team

Väter profitieren im Job stärker von Unterstützung im Team
Die Studienergebnisse zeigen, dass Gleichstellung im Berufsleben nicht allein durch formale Regelungen erreicht werden kann
Lesezeit: 2 Minuten

Eine aktuelle Studie unter Leitung der HSG-Professorin Jamie Gloor zeigt, dass männliche Führungskräfte bei familiären Verpflichtungen im Arbeitsalltag deutlich mehr freiwillige Unterstützung erhalten als ihre weiblichen Kollegen. Diese Dynamik kann bestehende Ungleichheiten verstärken und wirft ein neues Licht auf die Gleichstellungsdebatte rund um den Internationalen Frauentag am 8. März.

Text: pd/stz.

Unterstützung im Arbeitsalltag ist in Teams oft nicht neutral verteilt. Zu diesem Schluss kommt die Studie «More Motivated to Help Male Leaders? Explaining Fatherhood Bonuses via Follower Helping», die unter der Leitung von Jamie Gloor, Professorin für Leadership und Diversity Science an der Universität St.Gallen, durchgeführt wurde. Die Forscher untersuchten Alltagsdynamiken in Arbeitsteams und analysierten, wie Mitarbeitende auf familiäre Verpflichtungen ihrer Vorgesetzten reagieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass Angestellte grundsätzlich eher bereit sind, Führungskräften zu helfen, wenn sie wahrnehmen, dass diese unter einem Konflikt zwischen Arbeit und Familie leiden. Allerdings ist diese Hilfsbereitschaft gegenüber männlichen Führungskräften deutlich stärker ausgeprägt als gegenüber weiblichen – selbst wenn Position, familiäre Verpflichtungen und Arbeitsbelastung vergleichbar sind.

Jamie Gloor
Jamie Gloor

Ein Grund dafür liegt laut der Studie in traditionellen Rollenerwartungen. Wenn männliche Führungskräfte Stress oder Konflikte zwischen Beruf und Familie sichtbar machen, widerspricht dies oft dem verbreiteten Bild, dass Männer nur wenig familiäre Sorgearbeit übernehmen. Diese Abweichung von gängigen Rollenbildern führt dazu, dass Mitarbeiter besonders motiviert sind, Unterstützung anzubieten.

Was als kleine Geste im Berufsalltag beginnt, kann grössere Auswirkungen haben. Denn zusätzliche Unterstützung im Team reduziert nicht nur den Stress der betroffenen Führungskräfte, sondern erhöht auch ihre Sichtbarkeit und kann sich positiv auf ihre Erfolgschancen auswirken. Dadurch entsteht ein sogenannter «Fatherhood Bonus», während gleichzeitig die bekannte «Motherhood Penalty» weiter verstärkt werden kann.

Die Studienergebnisse zeigen damit, dass Gleichstellung im Berufsleben nicht allein durch formale Regelungen erreicht werden kann. Neben klaren Richtlinien, etwa bei Elternzeit oder Teilzeitmodellen, spielt auch die informelle Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Dazu gehören beispielsweise freiwillige Unterstützungsnetzwerke im Team und der Umgang mit familiären Verpflichtungen im Arbeitsalltag.

Jamie Gloor fasst die Erkenntnisse so zusammen: «Soziale Dynamiken am Arbeitsplatz sind mächtig. Und oft unbewusst. Obwohl wir helfen, weil wir helfen wollen, wird unser Unterstützungsverhalten durch tief verankerte Erwartungen über Männer und Frauen geprägt.»

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