«Unternehmerin Rheintal» bringt 110 Frauen zusammen
Text: Cécile Alge
Was für ein Abend – mit so viel weiblicher Energie, Kreativität und Herzblut! Und mit einem besonderen Höhepunkt: Zum Schluss gab es eine stehende Ovation für Simone Mächler-Fehr. Sie gründete vor zehn Jahren die Plattform Unternehmerin Rheintal und traf damit den Nerv der Zeit. Heute zählt das Netzwerk fast 500 selbständige Frauen, ist fest etabliert, nachhaltig gewachsen und aus dem Rheintal nicht mehr wegzudenken. Doch der Reihe nach.
Frauennetzwerk mit Herz und Qualität
Der mittlerweile achte UR-Event fand bei der Jansen AG in Oberriet statt und zeigte einmal mehr die Vielfalt der im Rheintal ansässigen Betriebe, die auch von zahlreichen Frauen mitgetragen werden. 110 Unternehmerinnen aus unterschiedlichsten Branchen waren dabei – von Holzbau, Polymechanik und Metallbau über Drogerie, Medical Beauty und Inneneinrichtung bis hin zu Landwirtschaft und Druckgewerbe.
Was die Frauen verbindet, ist nicht nur ihre unternehmerische Tätigkeit, sondern auch die Freude am Austausch, an persönlichen Begegnungen und am Wissenstransfer. Denn im Arbeitsalltag bleibt dafür oft zu wenig Zeit. Beim UR-Event entstehen Kontakte, Erfahrungen werden ausgetauscht, Ideen weitergegeben und neue Verbindungen geknüpft. Viele der Teilnehmerinnen kennen sich inzwischen seit Jahren. Oder um es mit den Worten von Priska Jansen zu sagen: «Es ist ein wertvolles Frauennetzwerk mit Herz und Qualität.»
Geschichten, Visionen und Swissness
Ein fester Bestandteil des UR-Events sind die von Simone Mächler-Fehr moderierten Podiumsgespräche. Zu Gast waren dieses Mal Sandra Freund und Christine Egger-Schöb.
Sandra Freund, gebürtige Widnauerin und heute im Thurgau wohnhaft, gab temporeich und pointiert Einblick in ihre vielseitigen Tätigkeiten und Projekte. Mit ihrer SF Retail Holding baut sie seit 2017 verschiedene Detailhandelskonzepte in der Schweiz auf und entwickelt diese weiter.
Sie übernahm die Süsswarenkette Lolipop aus einer Konkursmasse, lancierte die Shops «feinedinge» und übernahm Ende 2024 die Rigotex AG in Bütschwil, den letzten Schweizer Hersteller von Küchen- und Heimtextilien. Zu ihren jüngsten Projekten gehört der Markteintritt von MINISO Schweiz. Sandra Freund sprach über ihren Weg in die Selbständigkeit, über unternehmerischen Mut, Swissness und innovative Ideen sowie über die Weiterentwicklung etablierter Marken. Ebenso gewährte sie Einblicke in ihre Rolle als Chefin und Mutter.
Christine Egger-Schöb aus Gams, heute in St.Gallen wohnhaft, führt gemeinsam mit ihrem Bruder Philipp Schöb die Schöb AG in Gams in der dritten Generation. Darüber hinaus engagiert sie sich in verschiedenen Funktionen. Sie ist unter anderem Präsidentin der Kita Gams-Grabs-Sennwald, Verwaltungsrätin der Olma Messen St.Gallen AG und im Beirat der OST – Ostschweizer Fachhochschule tätig. Gleichzeitig ist sie Ehefrau und Mutter.
Im Gespräch erzählte Christine Egger-Schöb von der 75-jährigen Geschichte des Familienunternehmens, von strategischen Ausrichtungen und von der Bedeutung der Marke Schweiz. Sie sprach aber auch über die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Mandaten sowie über Themen, die zu Hause am Familientisch zur Sprache kommen.
Bei den interessanten und informativen Gesprächen wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wege von Unternehmerinnen sein können – und wie viel sie dennoch miteinander verbindet.
Viel Bewegung in einem Jahrzehnt
Zum Anlass gehörte diesmal auch ein ausführlicher Blick zurück. Simone Mächler-Fehr holte 16 Frauen auf die Bühne, die in den vergangenen Jahren auf dem UR-Podium Platz genommen hatten. In kurzen Rückblicken erzählten sie, was sich bei ihnen beruflich und privat verändert hat. Die Gespräche zeigten eindrücklich, wie viel sich innerhalb eines Jahrzehnts bewegen kann.
Die motivierenden Lebensgeschichten und Karriereverläufe der Unternehmerinnen gaben den anwesenden Frauen zusätzliche Impulse. Für weitere Inspiration sorgte ein kurzes Interview mit Annatina Lippuner. Die Ringerin aus der Region hat es in ihrer Sportart bis an die Weltspitze geschafft.
Anschliessend liessen die rund 110 Frauen den Abend bei feinen Häppchen aus der Jansen-Küche gemütlich ausklingen. Dabei blieb viel Zeit, um bestehende Kontakte zu pflegen, neue Bekanntschaften zu schliessen und das wertvolle Netzwerk weiter zu stärken.
Zwei flankierende Projekte
Unternehmerin Rheintal engagiert sich auch mit dem Impulsprojekt «Frauen in Räte». Dieses ermutigt Frauen, Verantwortung in Verwaltungsräten und anderen Gremien zu übernehmen. Dazu finden regelmässige Treffen im kleinen Kreis statt, bei denen sich Unternehmerinnen gegenseitig beraten, unterstützen und ihre Erfahrungen teilen.
Ein weiteres Angebot sind die Anlässe unter dem Titel #Augenblick-by-UR. Sie ergänzen die grossen Netzwerkveranstaltungen mit kleineren, themenspezifischen Begegnungen. Dadurch entsteht Raum für persönliche Gespräche, neue Kontakte und konkrete Impulse aus der unternehmerischen Praxis.