Thurgau

Thurgau sucht Wärme auf 430 Quadratkilometern

Thurgau sucht Wärme auf 430 Quadratkilometern
Hier wird ein Bohrloch für die Impulsseismik erstellt
Lesezeit: 2 Minuten

Der Thurgau will seinen tiefen Untergrund nach nutzbarer Erdwärme durchleuchten. Das Projekt TEnU 2030 erhält Unterstützung vom Bund und umfasst ein Messgebiet von rund 430 Quadratkilometern, das bis in die Kantone St.Gallen und Zürich reicht. Die Ergebnisse sollen Unternehmen und Gemeinden die Planung eigener Geothermieprojekte erleichtern.

Text: pd/stz.

Wärme aus der Tiefe wird im Thurgau bereits genutzt: Seit 2021 beheizt die Grob Gemüse AG in Schlattingen ihre Gewächshäuser mit heissem Wasser aus dem sogenannten Muschelkalk-Aquifer. Zwei Bohrlöcher ermöglichen dort Einblicke bis rund 1200 Meter unter die Erdoberfläche.

Ein 2023 gestartetes Forschungsprojekt der Universität Bern hat untersucht, woher das Wasser stammt, wie es fliesst und welche Voraussetzungen für eine langfristige Nutzung bestehen. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für das nächste Vorhaben: Mit TEnU 2030 soll der Untergrund nun grossräumig erkundet werden.

Walter Schönholzer, Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, Martin Eugster, Leiter des Amts für Umwelt, Bernd Frieg, Geschäftsführer Geothermie Thurgau AG, und Christoph Wanner, Dozent für Geoenergie, Universität Bern, an der Medienkonferenz
Walter Schönholzer, Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, Martin Eugster, Leiter des Amts für Umwelt, Bernd Frieg, Geschäftsführer Geothermie Thurgau AG, und Christoph Wanner, Dozent für Geoenergie, Universität Bern, an der Medienkonferenz

Bund gibt grünes Licht für Fördermittel

Die Zusage von Bundesmitteln ermöglicht den Start der Prospektionsphase. Verantwortlich ist die Geothermie Thurgau AG. TEnU 2030 gehört zu den sieben Grossprojekten des «Thurgauer Chancenpakets», dem die Bevölkerung vor drei Jahren zugestimmt hat.

Das Vorhaben schaffe die wissenschaftlichen Grundlagen für eine lokale, sichere und nachhaltige Energieversorgung, «unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Importen», sagt Geschäftsführer Bernd Frieg.

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich vom Thurtal nördlich von Frauenfeld bis in den Hinterthurgau. Einbezogen werden auch angrenzende Gebiete in Zürich und St.Gallen. Auf St.Galler Seite betrifft dies Kirchberg, Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil.

Messgebiet der 3D-Seismik-Kampagne der Geothermie Thurgau AG
Messgebiet der 3D-Seismik-Kampagne der Geothermie Thurgau AG

Vibrationsfahrzeuge vermessen den Untergrund

Für den Winter 2027/2028 ist eine rund viermonatige 3D-Seismik-Kampagne geplant. Dabei erzeugen Vibrationsfahrzeuge auf bestehenden Strassen und Wegen sowie punktuelle Impulsquellen im Untergrund seismische Wellen. Verteilt aufgestellte Sensoren zeichnen deren Reflexionen auf.

Daraus entsteht ein dreidimensionales Bild der geologischen Schichten. Es soll zeigen, wo weiterführende Untersuchungen und spätere Tiefbohrungen sinnvoll sind. Die Auswahl des Messgebiets beruht auf vorhandenen geologischen Daten sowie technischen und wirtschaftlichen Überlegungen.

Camion Transport  Lichterzauber  
Ein Vibrationsfahrzeug
Ein Vibrationsfahrzeug

Chancen und Risiken besser einschätzen

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