Thurgau sucht Wärme auf 430 Quadratkilometern
Text: pd/stz.
Wärme aus der Tiefe wird im Thurgau bereits genutzt: Seit 2021 beheizt die Grob Gemüse AG in Schlattingen ihre Gewächshäuser mit heissem Wasser aus dem sogenannten Muschelkalk-Aquifer. Zwei Bohrlöcher ermöglichen dort Einblicke bis rund 1200 Meter unter die Erdoberfläche.
Ein 2023 gestartetes Forschungsprojekt der Universität Bern hat untersucht, woher das Wasser stammt, wie es fliesst und welche Voraussetzungen für eine langfristige Nutzung bestehen. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für das nächste Vorhaben: Mit TEnU 2030 soll der Untergrund nun grossräumig erkundet werden.
Bund gibt grünes Licht für Fördermittel
Die Zusage von Bundesmitteln ermöglicht den Start der Prospektionsphase. Verantwortlich ist die Geothermie Thurgau AG. TEnU 2030 gehört zu den sieben Grossprojekten des «Thurgauer Chancenpakets», dem die Bevölkerung vor drei Jahren zugestimmt hat.
Das Vorhaben schaffe die wissenschaftlichen Grundlagen für eine lokale, sichere und nachhaltige Energieversorgung, «unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Importen», sagt Geschäftsführer Bernd Frieg.
Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich vom Thurtal nördlich von Frauenfeld bis in den Hinterthurgau. Einbezogen werden auch angrenzende Gebiete in Zürich und St.Gallen. Auf St.Galler Seite betrifft dies Kirchberg, Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil.
Vibrationsfahrzeuge vermessen den Untergrund
Für den Winter 2027/2028 ist eine rund viermonatige 3D-Seismik-Kampagne geplant. Dabei erzeugen Vibrationsfahrzeuge auf bestehenden Strassen und Wegen sowie punktuelle Impulsquellen im Untergrund seismische Wellen. Verteilt aufgestellte Sensoren zeichnen deren Reflexionen auf.
Daraus entsteht ein dreidimensionales Bild der geologischen Schichten. Es soll zeigen, wo weiterführende Untersuchungen und spätere Tiefbohrungen sinnvoll sind. Die Auswahl des Messgebiets beruht auf vorhandenen geologischen Daten sowie technischen und wirtschaftlichen Überlegungen.
Chancen und Risiken besser einschätzen
Die Forschung in Schlattingen zeigt drei Ansatzpunkte für die künftige Wärmenutzung: den Muschelkalk-Aquifer sowie zwei Arten wasserführender Störungszonen, die heisses Wasser aus dem tieferen kristallinen Grundgebirge führen können.
Neben den Temperaturen unterscheidet sich auch die Zusammensetzung des Wassers. Damit variieren die Risiken für Korrosion und die Ablagerung von Feststoffen in Anlagen. Die neuen Erkenntnisse helfen, solche Probleme bei künftigen Projekten besser einzuschätzen.
Die Ergebnisse von TEnU 2030 werden öffentlich zugänglich sein. Gemeinden, Landwirtschaftsbetriebe sowie Gewerbe und Industrie sollen damit eigene Vorhaben fundierter planen können.
Betroffene Grundeigentümer werden im Frühjahr und Sommer 2027 kontaktiert. Für die Messkampagne ist eine kantonale Bewilligung erforderlich. Das Vorhaben wird vorgängig durch die zuständigen Fachstellen geprüft und in den beteiligten Gemeinden öffentlich aufgelegt.