St.Gallen

Raiffeisen steigert Gewinn und baut Stellen ab

Raiffeisen steigert Gewinn und baut Stellen ab
Raiffeisen-CEO Gabriel Brenna
Lesezeit: 3 Minuten

Die Raiffeisen-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 659,3 Millionen Franken erzielt. Das sind 18,9 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Gleichzeitig startet die in St.Gallen ansässige Raiffeisen Schweiz ein Sparprogramm: Bis 2027 sollen Personal- und Sachkosten von rund 60 Millionen Franken wegfallen. Betroffen sind bis zu 180 Stellen.

Text: pd/stz.

Raiffeisen präsentiert für das erste Halbjahr 2026 ein starkes Ergebnis und kündigt gleichzeitig einen Stellenabbau an. Der Gewinn der Bankengruppe stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 104,7 Millionen auf 659,3 Millionen Franken. Der Geschäftsertrag nahm um 7,6 Prozent auf 2,04 Milliarden zu.

«Unser Geschäft entwickelte sich im ersten Halbjahr sehr erfolgreich», sagt Gabriel Brenna, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz. Die Gruppe habe ihr Geschäftsvolumen ausgebaut und sowohl das Zinsergebnis als auch das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft deutlich gesteigert. Zudem habe Raiffeisen ihre Position in den Bereichen Anlage, Vorsorge und Firmenkunden ausgebaut.

Firmenkundengeschäft wächst deutlich

Die Kundenausleihungen erhöhten sich im ersten Halbjahr um 4,7 Milliarden beziehungsweise 1,9 Prozent auf 248,5 Milliarden Franken. Davon entfielen 1,7 Milliarden auf das Firmenkundengeschäft. Das Kreditvolumen mit Firmenkunden erreichte Ende Juni 58,8 Milliarden, was einem Wachstum von 3,2 Prozent entspricht.

Auch das Hypothekargeschäft legte weiter zu. Die Hypothekarforderungen stiegen um 4,4 Milliarden auf 235,3 Milliarden Franken. Der Anteil der Wertberichtigungen für gefährdete Forderungen blieb mit 0,14 Prozent der Kundenausleihungen auf einem sehr tiefen Niveau.

Auf der Passivseite nahmen die Kundeneinlagen um 3,0 Milliarden auf 228,7 Milliarden zu. Damit waren 92 Prozent der Ausleihungen durch Kundengelder gedeckt.

45’000 neue Wertschriftendepots

Besonders kräftig entwickelte sich das Anlage- und Vorsorgegeschäft. Raiffeisen verzeichnete einen Nettoneugeldzufluss von 3,3 Milliarden Franken. Davon flossen 2,8 Milliarden in Vermögensverwaltungsmandate. Bereits nach sechs Monaten übertraf der Zufluss damit den Wert des gesamten Vorjahres.

Zusammen mit der positiven Entwicklung an den Finanzmärkten liess dies das Depotvolumen um 9,7 Prozent auf 65,6 Milliarden steigen. Im ersten Halbjahr eröffneten Kunden rund 45’000 neue Wertschriftendepots, darunter mehr als 14’000 Vermögensverwaltungsmandate und 18’000 Säule-3a-Depots. Die verwalteten Kundenvermögen erhöhten sich insgesamt um 7,7 Milliarden auf 289,8 Milliarden.

Der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft stieg um 6,3 Prozent auf 1,41 Milliarden Franken. Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft legte um 8,4 Prozent auf 397,0 Millionen zu. Einen besonders deutlichen Zuwachs verzeichnete das Handelsgeschäft: Der Erfolg erhöhte sich um 24,6 Prozent auf 169,4 Millionen. Raiffeisen führt dies unter anderem auf die höhere Kundenaktivität bei Devisen und Edelmetallen infolge der volatilen Finanzmärkte zurück.

Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich von 59,4 auf 56,8 Prozent. Gleichzeitig stieg der Personalaufwand um vier Prozent auf 856,6 Millionen. Darin widerspiegelt sich vor allem der Ausbau des Personalbestands im vergangenen Jahr.

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Sparprogramm trifft bis zu 180 Stellen

Trotz des Gewinnsprungs leitet Raiffeisen Schweiz Massnahmen zur Effizienzsteigerung ein. Im Jahr 2027 sollen die Personal- und Sachkosten um rund 60 Millionen Franken tiefer liegen. Bis zu 180 Stellen bei Raiffeisen Schweiz könnten von einem Abbau betroffen sein. Der angekündigte Abbau bezieht sich damit auf die zentrale Organisation und nicht pauschal auf sämtliche selbstständigen Raiffeisenbanken.

Mehr als die Hälfte der betroffenen Stellen soll nach Angaben des Unternehmens über natürliche Fluktuation, die Streichung unbesetzter Stellen, einen geringeren Einsatz externer Arbeitskräfte sowie Frühpensionierungen abgebaut werden.

Parallel dazu ordnet Raiffeisen Schweiz ihre Organisation neu. Ab dem 1. Oktober 2026 wird das Unternehmen in die sechs Departemente Privatkunden, Firmenkunden und Handel, Produkte und Solutions, Finanzen und Bankenbetreuung, IT sowie Risiko und Compliance gegliedert.

Philipp Ackermann übernimmt das Departement Firmenkunden und Handel, Patrick Lehner wird Leiter des Departements Privatkunden. Für die Führung des neu geschaffenen Departements Produkte und Solutions läuft die Suche. Die bisherigen Geschäftsleitungsmitglieder Roland Altwegg und Helen Fricker verlassen Raiffeisen Schweiz im September.

Raiffeisen erwartet stabiles zweites Halbjahr

Die Kapitalausstattung der Raiffeisen-Gruppe bleibt stark. Die Eigenmittel und verlustabsorbierenden Mittel erreichten Ende Juni 28,6 Milliarden Franken. Die risikogewichtete TLAC-Quote verbesserte sich auf 28,0 Prozent und liegt damit deutlich über den regulatorischen Anforderungen. Im Frühjahr erhöhte die Ratingagentur Fitch das langfristige Emittentenrating von A+ auf AA-.

Für das Gesamtjahr rechnen die Ökonomen von Raiffeisen Schweiz mit einem Schweizer Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Trotz geopolitischer Risiken und erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten erwartet die Raiffeisen-Gruppe für das zweite Halbjahr eine stabile Geschäftsentwicklung über dem Vorjahresniveau.

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