Präzise Gutachten für sichere Medizinprodukte
Text: PD/stz.
Ob künstliche Hüfte, Herzschrittmacher oder Spirale: Medizinprodukte müssen im Alltag enormen Belastungen standhalten. Versagen sie, kann das schwerwiegende Folgen haben. Um Risiken künftig besser zu erkennen und zu minimieren, arbeiten unabhängige Sachverständige und die Ostschweizer Forschung eng zusammen.
Der öffentlich bestellte Sachverständige Dr. med. Roland Ballier untersucht Ursachen von Medizinproduktversagen gemeinsam mit dem WITG – Institut für Werkstoffsystemtechnik Thurgau an der HTWG Konstanz. Ziel ist es, Material- oder Fertigungsfehler schnell und wissenschaftlich fundiert aufzudecken und damit die Sicherheit für Patienten weiter zu verbessern.
Medizinprodukte der höchsten Risikoklasse III wie Implantate durchlaufen strenge Zulassungs- und Überwachungsverfahren. Dennoch treten Schäden auf, etwa durch Materialermüdung, Fertigungsfehler oder Fehlanwendung. Hier setzt die Zusammenarbeit von medizinischer und materialtechnischer Expertise an.
Roland Ballier erstellt als öffentlich bestellter Sachverständiger Gutachten unparteiisch und objektiv. In Kooperation mit dem WITG werden Material- und Fertigungsfehler detailliert analysiert. Die Kombination aus medizinischem Fachwissen und modernster Materialanalytik ermöglicht eine umfassende und belastbare Ursachenermittlung.
Das WITG wurde 2002 als An-Institut an der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung gegründet und ist eine von Innosuisse anerkannte Forschungsinstitution. Trägerin ist die Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung. Das Institut forscht im Bereich Werkstoffsystemtechnik und unterstützt Unternehmen rund um den Bodensee als Engineeringpartner. Seine Schwerpunkte liegen in Schadensanalytik, Materialprüfung, Korrosionsschutz, rostfreien Stählen und Struktursimulation. In enger Zusammenarbeit mit Dr. Ballier analysiert das WITG komplexe medizintechnische Fragen und trägt so zur Erhöhung der Patientensicherheit bei.
Konkrete Beispiele verdeutlichen die Bandbreite möglicher Risiken: Elektrokauter-Einwirkung führte bei einer Hüftprothese zu Oberflächenveränderungen, Rissen und schliesslich zum Bruch. Modulare Hüftimplantate wiesen Korrosion und Schäden an Konusverbindungen auf, die Ermüdungsbrüche verursachten. Bei einer Intrauterinspirale führte eine ungleichmässige Verteilung von Bariumsulfat im Polymerwerkstoff zu Brüchen beim Entfernen. Solche Fälle zeigen, wie wichtig ein präzises Verständnis der Werkstoff- und Produktmechanik ist.
Die enge Kooperation von Sachverständigen und Forschungsinstituten wie dem WITG schafft fundierte Grundlagen für Gerichte, Hersteller und Patienten. Nur durch die sorgfältige Verbindung von medizinischer und materialtechnischer Kompetenz können Ursachen zuverlässig geklärt und Risiken nachhaltig reduziert werden.
Roland Ballier ist sowohl approbierter Arzt als auch Diplom-Ingenieur und verfügt über langjährige klinische Erfahrung in Chirurgie, Innerer Medizin, Radiologie, Neurologie und Notfallmedizin sowie über industrielle Praxis in namhaften Medizintechnikunternehmen. Seit 1998 arbeitet er beratend in der Branche, seit 2008 als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK Hochrhein-Bodensee.
Seine Doppelqualifikation erlaubt die fundierte Bewertung komplexer Schnittstellen zwischen Produkt und Anwendung. Er kooperiert seit Jahren mit dem WITG und ist ein gefragter Gutachter für Gerichte, Behörden und Industrie im In- und Ausland.