OST prüft Biodiversität als Immobilienvorteil
Text: pd/stz.
Während Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen längst in Gebäudestandards und grüne Hypotheken einfliessen, spielt Biodiversität bei privaten Wohnliegenschaften bisher kaum eine Rolle. Hier setzt die Untersuchung des Instituts für Finance und Law und des Instituts für Landschaft und Freiraum der OST an.
Im Fokus stehen einzelne Ein- und Mehrfamilienhäuser mit ihren Gärten, Aussenräumen, Dächern und Fassaden. Die Forschenden verbinden ökologische Massnahmen mit immobilienwirtschaftlichen und finanziellen Fragen. Dazu gehört auch, unter welchen Voraussetzungen die ökologische Qualität künftig bei der Vergabe von Hypotheken berücksichtigt werden könnte.
Das Potenzial reicht von einheimischen Sträuchern und Nistplätzen bis zu begrünten Dächern und wasserdurchlässigen Belägen. Solche Massnahmen können Lebensräume schaffen, Hitze mindern, Regenwasser zurückhalten und die Aufenthaltsqualität verbessern. Entscheidend bleiben eine standortgerechte Planung und langfristige Pflege.
«Auch kleine Flächen können in ihrer Summe einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Siedlungsraum leisten», sagt Christoph Küffer, Professor für Siedlungsökologie an der OST.
Die Praxisinterviews zeigen allerdings Unterschiede: Gartenbau-Fachleute beobachten eine steigende Nachfrage nach naturnahen Gestaltungen. Immobilienmakler erleben Biodiversität dagegen noch selten als eigenständiges Verkaufsargument. Sichtbare Vorteile wie Schatten, angenehmere Temperaturen und attraktive Aussenräume lassen sich leichter vermitteln.
Grünräume im Wohnumfeld können Immobilienpreise positiv beeinflussen
Ein direkter Preiseffekt biodiversitätsfreundlicher Grundstücke ist jedoch noch nicht belegt. Auch fehlt bislang ein breit etabliertes, einfach anwendbares Bewertungssystem für Biodiversität bei privaten Wohngebäuden.
«Biodiversität ist heute noch kein eigenständiger Marktstandard, sie kann aber zu einem Differenzierungsmerkmal werden», sagt Sabrina Graf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Finance und Law. Banken, Gebäudelabels und Immobilienunternehmen könnten frühzeitig Kompetenzen aufbauen und neue Angebote entwickeln.
Als nächsten Schritt empfiehlt die Vorstudie einen marktfähigen Bewertungsansatz, der bestehende Instrumente zusammenführt. Verständliche Nachweise sollen Eigentümer bei der Planung unterstützen und könnten künftig auch in Zertifizierungs- und Finanzierungsprozessen eingesetzt werden.
Weitere Informationen: Biodiversität bei Wohngebäuden