Neuer Kalkofen sichert Frauenfelder Zuckerproduktion
Text: stz.
Der Ausfall traf die Zuckerfabrik Frauenfeld im November 2025 mitten in der Zuckerrübenkampagne. Im Innern des mehr als 60 Jahre alten Kalkofens waren Risse entdeckt worden. Eine Reparatur lohnte sich nicht mehr, die Anlage musste stillgelegt und später abgebaut werden.
Für die Zuckerproduktion war dies ein gravierender Einschnitt. Der Kalkofen erzeugt Branntkalk und Kohlendioxid, die benötigt werden, um Fremdstoffe aus dem Rohsaft der Zuckerrüben zu entfernen. Ohne diesen Reinigungsschritt lässt sich kein weisser Kristallzucker herstellen.
Die Schweizer Zucker AG konnte den Betrieb nach einem Unterbruch mit einer Notlösung wieder aufnehmen. Branntkalk und flüssiges Kohlendioxid wurden von externen Lieferanten zugeführt. Zudem mussten Zuckerrüben zum zweiten Schweizer Produktionsstandort nach Aarberg transportiert werden. Auf diese Weise konnten letztlich alle angelieferten Rüben verarbeitet werden.
Bauzeit praktisch halbiert
Parallel zur Notlösung begann die Planung des Ersatzofens. Eine Taskforce arbeitete während der Weihnachtstage am Projekt, noch vor Ende 2025 bewilligte der Verwaltungsrat die Investition. Den Auftrag erhielt die Maerz Ofenbau AG aus Zürich, die auf Industrieöfen spezialisiert ist.
Normalerweise beanspruchen Planung und Bau einer solchen Anlage rund 18 Monate. In Frauenfeld wurde diese Zeit nach Angaben der Projektverantwortlichen ungefähr halbiert. Der neue Kalkschachtofen besteht aus rund 200 Tonnen Stahl. Im Innern schützt eine etwa 30 Zentimeter dicke feuerfeste Ausmauerung die Konstruktion vor der Hitze.
Für den neuen Kalkofen rechnet Schweizer Zucker mit Kosten von acht bis neun Millionen Franken. Gleichzeitig stellt Schweizer Zucker die Feuerung um: Der neue Ofen wird nicht mehr mit Kohle, sondern mit Gas betrieben. Dadurch soll der Brennprozess effizienter und sauberer werden.
Kampagne beginnt am 11. September
Am 7. September soll der neue Kalkofen erstmals in Betrieb genommen werden. Die Zuckerrübenkampagne startet am 11. September. Während der Verarbeitungssaison bewältigt die Fabrik in Frauenfeld nach Unternehmensangaben bis zu 10’000 Tonnen Zuckerrüben pro Tag.
Mit der Investition bekennt sich die Schweizer Zucker AG ausdrücklich zum Standort Frauenfeld. Dieser bildet zusammen mit dem Werk in Aarberg das Rückgrat der einheimischen Zuckerproduktion. «Wir wollen die Standorte Aarberg und Frauenfeld erhalten», hält CEO Oliver Nussli fest.
Nach dem Stillstand im vergangenen Herbst steht die Frauenfelder Fabrik damit rechtzeitig für die neue Ernte bereit. Aus einer der grössten technischen Krisen in ihrer jüngeren Geschichte ist zugleich eine modernisierte Schlüsselanlage hervorgegangen.