Milliardenprojekte verändern Ostschweizer Verkehrsachsen
St.Gallen
Die A15-Gaster steckt in der Sackgasse
Mehr als 16’000 Fahrzeuge durchqueren täglich Uznach. Die rund sechs Kilometer lange Verbindungsstrasse A15-Gaster soll das Städtchen weiträumig umfahren, das Industriegebiet Schmerikon direkt mit der A15 verbinden und Uznach West erschliessen.
Die Kosten wurden zuletzt auf über 400 Millionen Franken geschätzt. Ende 2024 lehnten die Stimmberechtigten von Uznach den vorgesehenen Gemeindebeitrag mit 57 Prozent Nein-Stimmen ab. Bis Mitte Juli 2026 fehlt weiterhin eine politisch tragfähige Lösung für Finanzierung und weiteres Vorgehen. Die A15-Gaster bleibt ohne klaren Weg zur Umsetzung.
Die Stadtautobahn bleibt bis 2028 Baustelle
Seit 2021 erneuert das Bundesamt für Strassen Astra die A1 zwischen St.Gallen-Winkeln und Neudorf. Saniert werden Fahrbahnen, Tunnels, Brücken, Anschlüsse und technische Anlagen. Zum Projekt gehören auch die Anschlüsse Kreuzbleiche und St.Fiden sowie der Rosenberg- und der Schorentunnel.
Zusätzliche Fahrspuren entstehen nicht. Viele Arbeiten erfolgen nachts oder an Wochenenden. Das rund 550 Millionen Franken teure Projekt soll im Sommer 2028 abgeschlossen werden.
Die dritte Rosenbergröhre bleibt ungelöst
Das Nein zum Nationalstrassenausbau vom 24. November 2024 stoppte die geplante Engpassbeseitigung in St.Gallen. Vorgesehen waren eine dritte Röhre durch den Rosenberg, der Anschluss Appenzellerland/Zubringer Güterbahnhof und kleinere Ausbauten zwischen Kreuzbleiche und Neudorf.
Das Problem bleibt bestehen: Die beiden heutigen Rosenbergröhren müssen ab 2037 umfassend saniert werden. Währenddessen soll jeweils eine Röhre vollständig gesperrt werden. Das Astra betrachtet eine dritte Röhre deshalb auch als Voraussetzung für die spätere Sanierung. Ein neuer Finanzierungsbeschluss fehlt jedoch.
«Wil West» nimmt eine wichtige Hürde
Der neue Autobahnanschluss Wil West soll Wil und umliegende Gemeinden entlasten und das Wirtschaftsgebiet auf Thurgauer Boden erschliessen. Wegen der engen Platzverhältnisse ist ein grosser Kreisel über der A1 vorgesehen. Dafür müssen die Gleise der Frauenfeld-Wil-Bahn verschoben und Hochspannungsleitungen verlegt werden.
Der Bund trägt die Kosten von rund 37 Millionen Franken für den Anschluss. Im März 2026 nahm das St.Galler Stimmvolk die kantonale Vorlage zur Entwicklung und Erschliessung von Wil West mit 54,68 Prozent Ja-Stimmen an. Damit ist eine wichtige politische Blockade beseitigt; ein verbindlicher Baustart steht aber weiterhin nicht fest.
Der Autobahnanschluss Plus erhält Rückhalt
Das Projekt besteht aus dem neuen A1-Anschluss Witen oberhalb von Goldach und der weitgehend unterirdisch geführten Kantonsstrasse zum See nach Rorschach. Es soll Goldach, Rorschach und Rorschacherberg besser an die Autobahn anbinden und die Ortszentren entlasten.
Nach dem Kantonsrat stimmte am 14. Juni 2026 auch das St.Galler Stimmvolk der Kantonsstrasse zum See mit 54,02 Prozent zu. Damit ist die politische Finanzierung grundsätzlich gesichert. Nun folgen die koordinierten Auflage- und Genehmigungsverfahren. Mit Einsprachen ist zu rechnen, weshalb ein Baustart später erfolgen dürfte als die ursprünglich genannte Zielmarke 2027. Für den Kanton wurden die Kosten zuletzt auf rund 267 Millionen Franken geschätzt.
Die A1 zwischen Neudorf und Rheineck wird saniert
Neu ist die Instandsetzung der A1 zwischen St.Gallen-Neudorf und Rheineck sowie des A23-Abschnitts zwischen Meggenhus und Rorschach. Die 1973 eröffnete Strecke weist Schäden an Fahrbahnen, Brücken und weiteren Bauwerken auf.
Das Astra plant Vorarbeiten ab 2029; die Hauptarbeiten sollen von 2030 bis 2032 dauern. Die Kosten betragen rund 228 Millionen Franken.
Die A13-Sanierung Haag–Oberriet wird teurer
Der A13-Abschnitt zwischen Haag und Oberriet gehört zu den ältesten Autobahnstrecken im Rheintal. Fahrbahnen, Brücken, Entwässerung, Lärmschutz und Sicherheitseinrichtungen müssen erneuert werden.
2026 beginnen die Vorarbeiten, die Hauptbauphase ist von 2027 bis 2029 vorgesehen. Der Abschluss soll 2030 erfolgen. Die Kosten sind von rund 153 auf etwa 161 Millionen Franken gestiegen. Damit die Behinderungen begrenzt bleiben, werden jeweils höchstens rund zwei Kilometer gleichzeitig bearbeitet.
Im Kerenzerbergtunnel beginnt die entscheidende Phase
Der 5,7 Kilometer lange Kerenzerbergtunnel zwischen Weesen und Murg wird seit 2020 umfassend erneuert. Wichtigstes neues Bauwerk ist ein paralleler Sicherheitsstollen mit Querverbindungen zum Strassentunnel.
Nach dem weitgehenden Abschluss des Stollenausbruchs konzentrieren sich die Arbeiten seit Frühjahr 2026 auf den bestehenden Tunnel. Erneuert werden unter anderem Fahrbahn, Entwässerung, Lüftung, Energieversorgung, Beleuchtung und Sicherheitstechnik. Die Gesamterneuerung soll Ende 2028 abgeschlossen sein.
Die neuen Gütergleise in Gossau gehen 2026 in Betrieb
Der Bahnhof Gossau ist ein zentraler Logistikstandort des Ostschweizer Schienengüterverkehrs. Die SBB baut zwei neue Annahme- und Formationsgleise mit Anbindung an die Industriezone sowie ein zusätzliches Ausziehgleis. Auch bestehende Gleise, Weichen und bahntechnische Anlagen werden erneuert.
Die Gleisanlagen sollen Ende 2026 in Betrieb gehen; die Kosten betragen rund 70 Millionen Franken. Das geplante SBB-Erhaltungszentrum wurde jedoch wegen Mehrkosten auf Anfang 2029 verschoben.
Appenzellerland
Herisau baut bis 2029 an seinem neuen Eingangstor
Das Bahnhofareal Herisau ist das grösste Verkehrsvorhaben in Appenzell Ausserrhoden. Kanton, Gemeinde, Südostbahn, Appenzeller Bahnen, Regiobus und Post Immobilien gestalten das Gebiet gemeinsam neu.
Herzstück ist ein neuer Bahnhofplatz mit Bushof. Die komplizierte Verkehrssituation mit mehreren Kantonsstrassen und benachbarten Knoten wird grundlegend verändert. Gleichzeitig entstehen barrierefreie Zugänge zu Bahn und Bus.
Seit dem Spatenstich im Mai 2024 laufen Abbruch-, Leitungs-, Strassen- und Hochbauarbeiten. Das knapp 60 Millionen Franken teure Projekt soll bis 2029 weitgehend abgeschlossen sein. Rund um den Verkehrsknoten entstehen zudem Wohn- und Dienstleistungsbauten.
Teufen sucht den Weg zwischen Doppelspur und Tunnel
Ursprünglich wollten Kanton und Appenzeller Bahnen die Bahnlinie im Zentrum von Teufen zweigleisig und tramähnlich in der Strassenmitte führen. Die Stimmberechtigten verlangten 2022 jedoch zusätzlich eine Tunnelvariante zwischen Bahnhof und Raum Stofel beziehungsweise Lustmühle.
Seither wird der Kurztunnel in vergleichbarer Tiefe untersucht, während das oberirdische Doppelspurprojekt ruht. Bis Mitte Juli 2026 lag kein Variantenentscheid vor. Offen sind Linienführung, technische Machbarkeit, Kosten, Finanzierung und Bewilligungsverfahren.
Der Zubringer Appenzellerland bleibt langfristig
Der Zubringer soll Herisau und das Appenzellerland besser an die A1 anbinden und belastete Ortsdurchfahrten entlasten. Der Bund hat das Vorhaben in die strategische Planung der Nationalstrassen aufgenommen.
Ein Bauentscheid ist damit noch nicht verbunden. Das Astra muss zunächst den gesamten Korridor zwischen St.Gallen, Herisau und Appenzell untersuchen. Ein genehmigtes Projekt, ein Baukredit und ein Realisierungstermin fehlen. Der Zubringer bleibt deshalb ein langfristiges Vorhaben.
Thurgau
Die Bodensee-Thurtalstrasse bleibt ohne Bauentscheid
Die BTS soll eine leistungsfähige Verbindung zwischen Bonau, Weinfelden und Arbon schaffen. Seit die Strecke als N23 ins Nationalstrassennetz aufgenommen wurde, liegt die Federführung beim Bund.
Das Astra hat Neubauabschnitte, Umfahrungen und Verbesserungen am bestehenden Netz untersucht. Die ursprünglich vom Kanton entworfene BTS muss dabei nicht unverändert übernommen werden. Der 2025 veröffentlichte Synthesebericht bildet die Grundlage für die weiteren Arbeiten. Bis Mitte 2026 fehlte jedoch eine definitive Variante. Auch Realisierungshorizont und Finanzierung sind offen.
Der Anschluss Frauenfeld Ost kommt frühestens 2030
Im Osten Frauenfelds treffen die stark belastete Zürcherstrasse, der Autobahnanschluss A7 und mehrere städtische Achsen aufeinander. Bund, Kanton und Stadt koordinieren deshalb mehrere Projekte im «Verkehrskonzept Frauenfeld Ost».
Das Astra will den Autobahnanschluss umbauen und bestehende Vortrittsknoten und Kreisel durch leistungsfähigere, lichtsignalgesteuerte Kreuzungen ersetzen. Gleichzeitig werden die Bedingungen für Busse, Velofahrer und Fussgänger verbessert.
Das 46 Millionen Franken teure Bundesprojekt lag ab Januar 2026 öffentlich auf. Ein Baustart ist nach aktuellem Stand nicht vor 2030 möglich.
Frauenfeld erhält für 82 Millionen neue Bahngleise
Neu ist der Kapazitätsausbau des Bahnhofs Frauenfeld. Mit dem Ausbauschritt 2035 soll das Fernverkehrsangebot im Thurtal verdichtet und der Güterverkehr flexibler abgewickelt werden.
Kernstück ist ein 400 Meter langes Wendegleis östlich des Bahnhofs. Hinzu kommen neue Spurwechsel und Anpassungen an der Signalisation. Die Gütergleise werden für bis zu 750 Meter lange und 1600 Tonnen schwere Züge ausgebaut.
Erste Arbeiten haben 2026 begonnen; die Hauptarbeiten verzögern sich jedoch wegen einer Beschwerde gegen die Vergabe. Die Kosten betragen rund 82 Millionen Franken.
Der Brüttenertunnel entscheidet über die Bahnzukunft
Der Brüttenertunnel liegt zwar im Kanton Zürich, ist für die Ostschweiz aber zentral: Heute benutzen fast alle Fern-, Regional- und Güterzüge zwischen Zürich und Winterthur dieselbe Doppelspurstrecke über Effretikon. Sie ist der entscheidende Flaschenhals für zusätzliche Verbindungen in Richtung St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen und Graubünden.
Das Projekt «MehrSpur Zürich–Winterthur» umfasst einen rund neun Kilometer langen Tunnel mit zwei getrennten eingleisigen Röhren sowie Ausbauten in Dietlikon, Bassersdorf, Wallisellen und Winterthur-Töss.
2026 beginnen die Vor- und ersten Hauptarbeiten; bis 2028 entstehen Tunnelportale und Baustellenanlagen. Die Tunnelbohrmaschinen sollen ab 2029 eingesetzt werden. Danach folgen Innenausbau, Bahntechnik und Testbetrieb. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2037 vorgesehen.
Erst mit der zusätzlichen Doppelspur können auf der Achse Zürich–Winterthur deutlich mehr Züge verkehren. Der Brüttenertunnel ist deshalb trotz seiner Lage ausserhalb der engeren Ostschweiz das wichtigste Schienenprojekt für die künftige Erreichbarkeit der Region.
Text: Stephan Ziegler
Bild: zVg