Gast-Kommentar

Lachen Sie genug?

Lachen Sie genug?
Louis Grosjean
Lesezeit: 3 Minuten

Menschen lachen: als Kinder, als Erwachsene, in unterschiedlichen Situationen. Dieses Gefühl brauchen wir, und zwar auch im geschäftlichen Kontext. Ein paar Überlegungen zum Humor im Unternehmen von Louis Grosjean in unserer Serie «LEADER-Philosophie».

Text: Louis Grosjean, Partner altrimo

Vor ein paar Monaten hörte ich im geschäftlichen Kontext einen seltsamen Vorwurf in einer Diskussion: Ein Teilnehmer warf dem anderen vor, er lache zu viel. Als ich das hörte, war ich perplex: Wie musste ich das einordnen?

Die Antwort kam diesen Sommer mit dem Buch «Trotzdem lachen» des zeitgenössischen Philosophen und Journalisten Yves Bossart.

Lachen ist für vieles gut

Wenn wir lachen, kann das gemäss Yves Bossart mehrere Gründe haben. Kinder lachen beim Spielen. Sie ahmen eine ernsthafte Situation nach, z. B. bei einer Wasserpistolen-Schlacht. Mit dem Lachen kommunizieren sie: Ich tue dir nichts, du bist okay, wir spielen ja nur. Es ist nicht ernst. Lachen gibt eine sichere Zone zu erkennen.

Lachen schafft auch Nähe. Gemeinsam über eine absurde Situation zu lachen, bedeutet, gemeinsame Gefühle zu erleben. Gleichzeitig ist es ein gemeinsames Urteil über eine Situation. Durch das Lachen stärken Menschen ihre Beziehung zueinander.

Lachen kann auch Distanzierung bedeuten. Wenn ich über etwas lache, signalisiere ich, dass ich es nicht so ernst nehme. Dass ich nicht verkrampft versuche, alles über eine Situation zu verstehen, sondern deren Absurdität akzeptiere.

Diktatoren vs. Humor

Es kommt nicht von ungefähr: Das Lachen hat in Diktaturen einen schweren Stand. Wenn ich lache, zeige ich, dass ich keine Angst habe. Ich strahle eine gewisse Überlegenheit aus: Die Situation, in der ich lache, kann mir nichts anhaben.

Das mögen Diktatoren nicht. Ohne Angst, ohne Ernst, ohne Unterlegenheit der Bürger lässt sich keine Diktatur aufrechterhalten. Deshalb war es ein Geniestreich von Chaplin, den Film «Der grosse Diktator» mit vielen humoristischen Situationen über Hitler und Mussolini zu spicken. Und deshalb wurde dieser Film in Nazi-Deutschland verboten.

Zurück zum ursprünglichen «Zuviel-Lachen-Vorwurf» im Gespräch. Die Antwort ist simpel. Der Autor des Vorwurfs verhält sich regelmässig aggressiv und dominant. Er weist deutliche narzisstische Züge auf. Das Lachen seines Gegenübers störte ihn: Es sollte ihn entwaffnen.

OTS 2026  

Lachende Leader?

Vom Negativbeispiel zum erstrebenswerten Umgang mit dem Lachen: Was sollen wir als Leader damit anfangen?

Lachen ist vielfach spontan und lässt sich nicht verordnen. Man kann Humor jedoch bewusst einsetzen. Ich habe mir bei der Lektüre von «Trotzdem lachen» Folgendes notiert.

  1. Auch in Geschäftsleitungen und ähnlichen Gremien soll man lachen. Raum für Humor, z. B. zu Beginn oder zum Schluss der Sitzung, zu schaffen, erzeugt ein positives Gefühl, ja sogar Nähe im Gremium. Jeder Morgenrapport in meinem Bataillonsstab beginnt mit einem Witz – der Tag fängt gut an, auch wenn er stressig wird.
  2. Gerade wenn eine Diskussion zu eskalieren droht und man dies verhindern möchte, kann Humor ein sehr wirkungsvolles Deeskalationsmittel sein. Es braucht allerdings Fingerspitzengefühl.
  3. Humor ist ein hervorragender Gradmesser für die Stimmung in einem Team. Wird gelacht, so sind die Zeichen in aller Regel positiv. Die Ausnahme bildet das sarkastische Stockzähnelachen von Mitarbeitern über schlechte Entwicklungen im Geschäft: Das signalisiert destruktive Schadenfreude und innere Kündigung.
  4. Im Geschäft wird normalerweise Ernsthaftes erledigt. Gleichzeitig ist es der Ort, an dem man am meisten Zeit am Tag verbringt. Pausen, informelle Momente usw. helfen, sich zu entspannen. Leute, die nie in die Pause kommen, signalisieren möglicherweise: Ich bin hier zum Arbeiten, ich will mit euch nicht die Nähe, die gemeinsames Lachen erzeugt.

Und zum Schluss folgender Witz: Wie viele Philosophen braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?

Antwort: Zehn. Einer wechselt die Glühbirne aus, und die anderen diskutieren darüber, ob das wirklich so passiert ist.

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